5. Mai 2011                                                    80-100°F  


Das Interesse am heutigen Tagesziel erwachte erst 2010.

Für das Tal des Todes hab ich mich nie begeistern können. Immer, wenn mir Berichte in die Hände fielen, hab ich die entsprechenden Seiten ausgelassen, denn alles, was ich sah, waren karge Felsen, farbige Berge, Salz verkrustete Flächen und viel Sand, Steine und Nichts.

Doch letztes Jahr, als ich auf der CCR unterwegs war, gab es auch so ein Stückchen Weg, der durch karges Gelände verlief und ich war von dem Anblick hin und weg.
Das „Dumme“ an Fotos ist ja, dass es nur zweidimensional geht. Entweder hoch oder runter. Langweilig.

Steht man aber mittendrin, sieht man plötzlich viel mehr.

 
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Also beschloss ich, es doch mal mit dem Death Valley zu versuchen.

Problem dabei war nur, je länger ich mich damit befasste, um so mehr Dinge entdeckte ich, die man im Park gesehen haben muß. Ein Tag würde da sicher nicht genügen und so quartierte ich mich für 2 Nächte im Motel 6 in Beatty ein. Klar kann man auch im Tal übernachten, aber so dicke hab ich es dann nun doch nicht.

Lieber fahre ich 50km mehr, anstatt den Hoteliers 150€ pro Nacht in den Rachen zu werfen.

Bevor es soweit war, recherchierte ich noch nach Spritpreisen und entschied, noch schnell in Baker für 4,45$ die Karre vollzutanken, als im Tal vor der Zapfsäule zu stehen, auf der man 5$ oder mehr lesen kann…

Ich könnte jetzt auch noch minutenlang die Geschichte des heutigen Tankens erzählen, aber das würde hier den Rahmen sprengen. Nur soviel: Ich brauchte 4 Anläufe und der Zip-Code-Trick mit der Teenieserie aus den 90ern klappt nicht immer…

Mein Weg führte mich dann über die 127 und gefühlte 100te km später über die 178 nach Norden ins Tal.





Und wieder musste ich einsehen, dass meine Planungen alles andere, als gründlich waren, denn „Tal“ sollte man tatsächlich beim Wort nehmen.




Margret mit der Info:  Badwater - minus 78m u.M.


Ich las immer nur, dass die tiefste Stelle 85m unter dem Meer liegt, kam aber nie auf den Gedanken, dass der Rand des Parks 1300m hoch ist, was bedeutet: man fährt ewig abwärts. Margret hatte ich nebenbei mitlaufen und als sie bei 0m angekommen war, sah man in der Ferne, dass da noch einige Tiefenmeter abzuspulen sind.



Auch wenn es auf den Fotos anders erscheint, die Landschaft war alles andere, nur nicht langweilig. Das Grün, dass durch die Vegetation fehlte, fand man im Gestein der umliegenden Berge und Felsen wieder. Auch sonst war es sehr farbenfroh. Man fand alles von grau über gelb bis hin zu rosa. Es sah fantastisch aus.

Irgendwann erreichte ich auch den tiefsten Punkt, nein, nicht meinen, sondern den Namens Badwater und ich fand, sooo schlecht sah er gar nicht aus. Das weiß blendete und ohne Sonnenbrille wäre ich sicher erblindet.


(anklicken für pdf-Vollversion)


Die Temperatur lag mittlerweile bei 97°F (33°C), im Schatten wohlgemerkt, aber den gab es seit Tagen nicht mehr. Trotzdem hat es mich nicht umgehauen, als ich die Autotür geöffnet hab. Die Tage davor fand ich die Hitze schlimmer. Keine Ahnung, woran das liegt.



Ich schnappte mir eine Flasche Wasser und meine Knipse und marschierte einfach drauf los. Fotoziel Nr. 1 waren die wabenähnlichen Salzplatten weiter draußen, die sich bei großer Hitze und Trockenheit bildeten.

Am Badwaterschild verdonnerte ich noch einen Japaner ein Foto von mir zu machen, was ihm leider erst nach dem 2. Anlauf gelang. Und ich dachte, es liegt den Leuten im Blut…

Ca. 300m weiter, war ich dann mal wieder alleine unterwegs, denn die meisten Leute liefen nur bis zum Beginn des sauberen Salzes. Ich wollte aber soweit gehen, bis ich die Platten sah. Ich lief also und lief und lief und lief und irgendwann gab ich es auf. Ich fotografierte das, was grad da war, und drehte dann dem Salzfeld den Rücken zu und lief zurück. Ich fand es schade, aber es schien in letzter Zeit noch recht feucht gewesen zu sein. Man sah zwar die Formen, aber der Rand hatte sich noch nicht ausgebildet.




Auch wenn die Hitze nach meinem Gefühl erträglich war, merkte ich doch, dass mein Kopf glühte, ich von oben bis unten klitsch nass war und meine Brille mit meinem Gesicht zu verschmelzen drohte. Kurz bevor mein Blick anfing, schwammig zu werden , erreichte ich die ersten Touristen, die mich zur Not hätten aufsammeln können.


Von den Leuten, die mir entgegen kamen, und es waren nicht wenige, hatte höchstens 1 von 20 etwas zu trinken dabei. Und nur jeder 2. hatte eine Sonnenbrille auf.

Der Weg auf das Salzfeld scheint vom Parkplatz aus nur ein Katzensprung zu sein, ist man aber erstmal unterwegs, sieht man, wie weit es doch in Wirklichkeit ist.
Ich fand es von den Badelatschen- und Schulterfreitragenden Damen und Herren unverantwortlich, was sie da tun, denn man ist mindestens 15 bis 20min unterwegs und macht Fotos oder sieht es sich auch nur an und in der Zeit sollte man mindestens eine kleine Flasche Wasser trinken.

Hatten sie keinen Durst???



Zurück im Auto stellte ich die Klimaanlage auf „leises frösteln“ und fuhr weiter Richtung Furnace Creek.

Ein Blick in den Rückspiegel bestätigte meine Vermutung: Ich sah aus wie dem Tod frisch von der Schippe gesprungen. Puterrot und pitschepatsche nass. Richtig mitgenommen.


100°F = ca. 38°C (Schatten)



Als ich beim Artist Drive ankam, wollte ich erst schon vorbeifahren, denn dort muß man viele Fotos machen und ich war immer noch nicht wieder getrocknet. Egal, ich biss die Zähne zusammen und bog wenig später rechts in die Einbahnstraße ab.

Die Strecke verdiente den Namen zu Recht. Hier war ein Künstler am Werk. Wobei ich ja sagen muß, dass auch der Verlauf der Strecke von einem Künstler geplant und gebaut wurde. Beides zusammen ergab hinter jeder Kurve ein neues wunderbares Fotomotiv.
Wäre es nicht, für mich, so unendlich heiß gewesen, ich glaub,


ich hätte mein Auto irgendwo an den Fahrbahnrand gestellt und wäre die Strecke zu Fuß gegangen.
Es war unglaublich, wieviele Farben Felsen haben können.







Manchmal haben auch Einbahnstraßen ihr Gutes. Wie wäre es wohl, wenn man sich während der Fahrt nicht nur auf die Landschaft, sondern auch noch auf den Gegenverkehr konzentrieren müßte...



Ich weiß nicht, wie es auf dem Mars aussieht, aber irgendwie stelle ich ihn mir genauso vor !!!



Nächstes und letztes Ziel im Park war das Visitorcenter in Furnace Creek, wo ich mir meine beiden Stempel abholen wollte. „Beiden“ deswegen, weil es dieses Jahr einen Sonderstempel „25 Jahre NPS-Stempel“ gibt.



Als ich die unterkühlte Halle betrat, war ich im ersten Moment enttäuscht.

 

Normal sind die Besucherzentren an die Größe des Parks angepasst, aber hier fehlte es vermutlich an Geld und Ideen. Es gab zwar 4 Ranger, aber ansonsten nur noch 3 Regale mit Souvenirs und auch Ansichtskarten suchte ich fast vergeblich. Ganze 3 Stück gab es zur Auswahl.


Edit: Derzeit wird am neuen Visitorcenter gebaut, weswegen nur diese kleine "Holzhütte" zur Verfügung steht.



Als ich meine Körpertemperatur wieder auf normale Werte gesenkt hatte, verließ ich die Baracke und fuhr ostwärts aus dem Park Richtung:




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