Ups…beinah hätte ich die Abzweigung verpasst. Fahren und mit den Gedanken ganz woanders sein, kann manchmal auch schief gehen.

Noch 15 km und ich habe mein Ziel erreicht, flötete gut gelaunt Mrs. Margret. Oder war es eine Ms? Keine Ahnung, ob sie verheiratet ist. Im Grunde isses auch wurscht. Manchmal würde dem zickigen Weib zwar nen Mann gut tun, aber man kann im Leben schließlich nicht alles haben. 


Was das NM anging, hatte ich keine großen Erwartungen. Es gab Ruinen der Anazazi zu sehen, die irgendwo in einer Felsnische klebten.

Der Eintritt beläuft sich auf 5$, da ich aber den NP-Pass besitze, brauche ich nicht extra löhnen.

Schon beim Montezuma Castle ist mir aufgefallen, dass es die Ranger relativ wenig interessiert, ob jemand bezahlt oder nicht. Keiner fragt nach Geld oder dem Pass. Man marschiert am Tresen vorbei und gut ist.

Schon seltsam manchmal.



Alles, was der nette Herr mir mit auf den Weg gab, waren 2 Zettel und der Hinweis, dass der Sandal Trail der populärste und einfachste wäre.
Da ich nach wie vor gut in der Zeit lag und es 3 Trails gab, die alle nicht sonderlich lang waren, entschied ich mich, 2 davon zu laufen.

Zuerst nahm ich den Aspen Trail in Angriff und das Sahnehäubchen hob ich mir für den Schluß auf.
Auf dem Schild stand: 300m und Ziel war ein Valley Overlook.

Das finde ich eh gut: erstmal nen Überblick verschaffen.
So stiefelte ich los und war der Streckenführung nicht abgeneigt, denn es ging in Serpentinen immer weiter nach unten. Mittlerweile waren Wolken aufgezogen und als ob es nicht eh schon lausig kalt war, kam jetzt noch Kälte spendender Schatten dazu.



Nach ca 20 min war ich am Ende des Weges angekommen, sah ins Tal und meinte: aha…und dafür biste jetzt hier lang gelatscht? Und dafür DARF ICH JETZT DIE GANZEN 300m WIEDER NACH OBEN KRAXELN ??????  Den Weg hätte ich mir schenken können. Alles, was man sah, waren Felsen mit grün ohne einer Spur von Anazazi.

Ich drehte auf dem Absatz um und keuchte und jappste gemütlich den Hang hoch.
Zwischendurch musste ich immer mal wieder anhalten, man ist ja schließlich nicht mehr die Jüngste.


Es ist schon erstaunlich, welche Strapazen man sich ausgerechnet im Urlaub antut. Wie schön wäre es jetzt, bei 45° am Strand von Mallorca… Ich wehte den Gedanken beiseite und begab mich auf den Sandal Trail.

Er war einfach zu laufen, denn der Weg war betoniert und die Neigung hielt sich sehr in Grenzen.
Ich fragte mich, was ich zu sehen bekomme. Auf den Postkarten im VC waren schöne Bilder der Behausungen zu sehen gewesen. Man konnte sogar in die Häuschen hineingehen. Darauf war ich gespannt.


Tja…und dann war ich da.

Auf der Aussichtsplattform.

Gegenüber den Felsenbehausungen.

In 500m Entfernung.

Hinter dem Fernrohr.



Wieso tat ich mir das eigentlich alles an?

Wieso blieb ich nicht einfach mit meinem Arsch zuhause und schaute mir die Bilder im Internet an? Gratis. Vergrößert. Scharf abgebildet.

NEIN, stattdessen zahle ich hunderte Euros, um dann keuchend festzustellen: REINFALL !!!

Natürlich ist es erstaunlich, was dieses Menschenvolk da vollbracht und wie es gelebt hat, aber muß es SOWEIT WEG SEIN ???? Wo liegt das Problem, die Häuschen näher zum Overlook zu bauen oder einen Weg zu den Behausungen zu legen? Alles, was ich sah, war ein Felsenbogen und kleine, winzig kleine Vierecke, die im Schatten lagen.
Schade, um jeden Tropfen Sprit, den ich dafür geopfert hab. Ich hätte mir doch bei den Füßen mehr Gedanken um die künstlerische Gestaltung meines Fotos machen sollen.

Kurz nachdem ich diesen Ort verlassen hatte, brauchte ich erstmal was zu essen. Ich hielt kurz an, machte mir ein Sandwich, lies die vergangenen endlos erscheinenden Minuten noch einmal Revue passieren und freute mich schon auf das, was gleich kommen würde.





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