Tag 5 - 30. April



Als ich heute morgen zum Auto kam, waren die Scheiben zugefroren. Das Thermometer zeigte mal wieder 24°F (minus 30 durch 2 = Frost) an und ich war es langsam leid, in meinem Südwesturlaub jeden Tag vor Kälte zu klappern.


Nachdem ich an der Rezeption meinen Schlüssel abgegeben hatte, packte ich mir noch einen Muffin und ein anderes süßes Teilchen ein, schüttete in meinen to-go-Kaffee eine halbe Tüte Kakaogetränkepulver und machte mich dann auf, zum Scheiben enteisen.


Ich musste erstmal Richtung Osten fahren und da wir strahlend blauen Himmel hatten und nicht nur DER strahlte, war es sicherer, eisfrei loszufahren.
Trotzdem sah ich irgendwie nichts. Nur Licht. Ich kam mir vor, wie auf meiner "letzten Reise".
Die nächste Tankstelle war meine und nachdem ich um 32$ erleichtert wurde, konnte der vollgepackte Tag endlich beginnen.
Geplant waren heute 3 Dinge: die Elefantenfüße, das Navajo NM und eine Runde
im Monument Valley drehen. Darauf freute ich mich besonders, denn wo kann man so viele Fotos machen, wie dort?


Die Uhr zeigte 7 Uhr und ich hatte unendlich viel Zeit.

Eigentlich zu viel Zeit.

Alles in allem kam ich heute auf 400km. Die Strecke schafft man in 5 Stunden. Ok, 6. Wir sind schließlich in den Staaten, da muß man bisschen auf die Geschwindigkeit achten.

7 Uhr plus 6 Stunden plus 3 Dinge anschauen gleich: 16 Uhr.

Da ist noch Platz.

Und kaum hatte ich den Gedanken ausgedenktet, bog ich rechts zum Sunsetcrater ab.


Mir war klar, dass ich der einzige Mensch weit und breit sein werde und auch das VC wird noch geschlossen sein, aber was soll's. Es ist schließlich kein Museum, sondern die Natur und die kann man nicht zuschließen. Die ist immer da. Also werde ich fahren und bisschen gucken und wenn es sich ergibt, auch ein paar Fotos machen.
Nicht viel später änderte sich die Landschaft. War es erst braune Erde, war nun alles schwarz. Die Nadelbäume rings um bildeten einen richtig schönen Kontrast. Dazu das Blau des Himmels… Gott, was willst du mehr.


Bisher fuhr ich nur durch Wald und das Anhalten war nicht erlaubt, aber irgendwann wird schon noch eine Stelle kommen, wo ich mir alles genau anschauen kann.

Die Straße schraubte sich mal wieder in die Höhe und sofort fing meine Lunge an, schwer zu arbeiten. Immer, wenn ich einen schnellen Höhenwechsel hab, muß ich doppelt so schnell atmen und mir wird schummerig, schlimmstenfalls schlafe ich hinterm Steuer ein, so wie es mir 2006 beinhah im Sequoia NP erging.

Höhenkrankheit lässt grüßen?

Immerhin weiß ich, dass der Mount Everest nichts für mich wäre.
An der höchsten Stelle des Parks gab es eine Ausfahrt zu einem Aussichtspunkt und da lies ich mich natürlich nicht lange bitten.
Eigentlich heißt der Park ja „…Crater…“ aber ich hab alles gesehen, nur kein tiefes Loch. Eher das Gegenteil war der Fall. Ich stand vor einem riesigen Berg. Schwarz, wie meine Füße am Abend.


Egal, ich sprang einmal im Kreis, machte meine Fotos, und als meine Nase wieder zur Farbe blau wechselte , verschwand ich ins Auto und fuhr weiter Richtung Norden.

Als ich noch in Flagstaff war, hatte ich Margret die Order gegeben: Bitte schneller Weg zu den Navajos.

Leider bedeutet „schnell“ in der Sprache der Navis NICHT, dass man noch irgendwo einen Abstecher machen darf.
Wie ich also so durch das Schwarz des zeitigen Morgens fuhr, hielt mich Margret mit ihren flotten und geistreichen Sprüchen, die in etwa lauteten: „Bitte, wenn möglich, in 200m wenden“, bei Laune.


Leider musste ich ihr nach 10 min das Wort verbieten, denn auf die Dauer nervte es doch schon arg.
Kaum hatte ich ihr den Saft ab gedreht, hatte ich es mit einer neuen Nervensäge zu tun: meine Blase.

Ich wusste gar nicht, dass amerikanischer Kaffee so aufdringlich sein kann.
Bei der nächsten Möglichkeit hielt ich an und wollte grad die Tür öffnen, als mich ein „das-WC-putzender“ Native aufhielt und mir zu verstehen gab: „It’s closed.“

Okeeeeeeee…mach ich mir eben in die Hosen.

Das sollte ich mir mal in unserem Laden erlauben, wenn jemand nen Bedürfnis hat.
Mein „nein“ hätte da sicher eine Abmahnung zur Folge. Aber so sind sie, die Deutschen.


Ich verzichtete die nächsten Km auf jede Flüssigkeitsaufnahme, denn ich wusste: da kommt noch ein Park. Und dort werden sie mit schrubben sicher schon fertig sein.




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