6. Mai 2011                                                           90°F


Wer zeitig ins Bett geht, ist auch zeitig wieder munter und so wunderte ich mich nicht, als ich gegen 4 Uhr aufwachte.

Wie jeden Morgen schnappte ich mir mein Notebook und surfte etwas durchs Netz, denn wenn ich jetzt schon zu meinem Tagesziel aufbrechen würde, wären die Türen sicher noch geschlossen und ich wäre zum Mittagessen wieder zuhause…

Gegen 7 beschloss ich dann jedoch, mich langsam aufzurappeln, denn im Death Valley gab es schließlich auch Punkte, die gerade bei Sonnenaufgang bzw. in den frühen Morgenstunden interessant waren.



Mein erstes Ziel, nachdem ich mein Auto vollgetankt und den Kaffee gratis bekommen hatte, lautete Stovepipe Wells, ein Ort, der ausschließlich aus einem Hotel, einem Shop, einer Tankstelle, einer Landebahn für Flugzeuge und einem Visitorcenter besteht.

So dachte ich zumindest.

Es stellte sich nämlich sehr bald heraus, dass das Visitorcenter in Furnace Creek das einzige war, was man im Park fand. Die Anlaufstelle für Touristen in Stovepipe Wells war lediglich eine Rangerstation und die hatte geschlossen.
Hatte ich erwähnt, dass der Kaffee scheußlich schmeckte? Ich hoffte, das Ruthenische Salzkraut, welches ihn abbekam, würde es mir eines Tages danken.

Ist doch komisch, da befinden sich in unmittelbarer Nähe des Ortes die Mesquite Flat Sand Dunes, die als Morgenlocation bekannt sind und das Visitorcenter, Verzeihung, die Ranger Station öffnet erst nach dem 2. Frühstück

Es ärgerte mich mal wieder, aber da ich es nicht ändern konnte, fuhr ich erst zu den Dünen und wollte später noch mal mein Glück versuchen, vielleicht hatte es der Ranger dann geschafft, sein Frühstücksei zu pellen.

  

An den Dünen angekommen, schnappte ich mir nur schnell meine Knipse und eine Flasche Wasser, las noch schnell die Hinweistafeln, bzw. schaute mir das Bild mit der Klapperschlange an, und stiefelte los.





Es war zwar erst 8 Uhr, aber die Sonne meinte es schon jetzt ziemlich gut mit mir. Das Thermometer im Auto zeigte 87°, aber daran glaubte ich seit Tag 2 schon nicht mehr. Frag mich, wer das Teil programmiert hat..



Ursprünglich wollte ich bis dahin gehen, wo keine Büsche mehr wachsen, aber das Ziel kam und kam nicht näher. Ich stapfte die Hügelchen hoch und runter und hoch und runter und immer, wenn ich dachte, ich hab es bald geschafft, tauchte das nächste bewachsene Hügelchen auf.

Nach in etwa einer halben Stunde gab ich auf und kehrte langsam und vor Schweiß triefend zum Auto zurück.
 

Liegt es nur an mir, oder warum bin ich immer die einzige, der die Hitze zu schaffen macht? Wie gestern auch, hatte niemand, der mir entgegen kam, Getränke dabei. Auch wanderten die meisten im Sand herum, als wäre es der Sandkasten zuhause im Garten.

Vielleicht sollte ich mal nen Arzt fragen…

Den prüfenden Blick in den Rückspiegel verkniff ich mir diesmal, denn ich wusste auch so, dass ich arg mitgenommen und rotfleckig aussah. Meinen nächsten Urlaub verbringe ich im ewigen Eis, soviel steht fest. Kälte kann ich besser ab, denn man kann immer noch was anziehen, wenn einem kalt ist, aber wenn man nackig immer noch schwitzt, hat man ein Problem

Was die Dünen angeht, so muß ich sagen: ich hätte auch überlebt, wenn ich mir die Vogeltapser und Schlangenlinien nicht angesehen hätte.

Es war zwar noch nicht halb 10, aber ich versuchte trotzdem noch mal mein Glück beim Ranger und tatsächlich, er hatte ein Einsehen mit der kleinen triefenden Sylvi, und gewährte mir Eintritt in seine klimatisierte Hütte.

Auch die Postkarten, die ich gestern vergeblich in Furnace Creek suchte, fand ich hier.
Ich drückte schnell den Stempel in meinen Pass, fragte den gute Mann, ob er nicht rein zufällig noch andere unter der Theke versteckt hat, und verlies nach seinem „Nein“ das Häuschen, um mir den Rest des Parkes anzusehen.



Wenn ich mir die Karte so anschaute, gab es nicht mehr viel, was man sich ansehen konnte. Da gab es noch den Zabriskie Point, den Twente Mule Team Canyon, den Salt Creek und dann war es das auch schon.

Vielleicht bin ich in ein paar Jahren schlauer und das ein oder andere Schmankerl kommt noch zum Vorschein, aber heute wusste ich es nicht anders, denn ich musste mich auf die Karte verlassen und auf der stand nun mal nicht mehr.

Eigentlich war es auch gut so, denn selbst die Klimaanlage des Autos vermochte nicht, mich runterzukühlen und ich wünschte, der Zabriskie Point, meine 2. Anlaufstelle, käme erst in 100km. Das waren ganz schön viele Kommas in dem Satz.



Als ich jedoch um die Ecke gebogen kam, entwich mir ein leises „wow“.



Mir war zwar immer noch sehr sehr warm, aber darauf konnte ich die nächsten Minuten keine Rücksicht nehmen, denn das musste ich mir hier genauer ansehen.

Die vorherrschende Farbe war hier gelb. Das vorherrschende Muster war: Faltenrock, lange nicht mehr gebügelt. Egal, in welche Richtung man blickte, man konnte gar nicht anders, als immer wieder auf den Auslöser der Kamera zu drücken.



Ich hatte solche Fotos ja schon früher gesehen und so richtig vom Hocker gehauen hat es mich nie. Was anderes ist es natürlich, wenn man es mit eigenen Augen sieht. Es ist viel größer, gewaltiger, näher, bunter und vor allem: heißer

Wäre ich Geologin, hätte ich jetzt schon lange mein Mikroskop und mein Schaufelchen aus dem Wagen geholt und wäre einfach losgelaufen, um hier und da zu buddeln und zu katalogisieren.



Da mein Kopf schon wieder anfing, sich Richtung Rot zu verfärben, musste ich notgedrungen Abschied nehmen. Lag der Park bisher auf Nr. 5 meiner Bewertungsskala, kletterte er dank dieses Ortes um einen ganzen Punkt nach oben.





Damit teilt er sich den Platz mit dem Yosemite NP, bei dem ich heute noch nicht weiß, ob er mir gefallen hat oder nicht.



Laut der Karte, war der Mule Team Canyon über eine unbefestigte Einbahnstraße zugänglich und so wollte ich spontan entscheiden, ob ich die Piste fahre oder nicht. Mit einem Platten im Tal des Todes an abgeschiedener Stelle liegen bleiben, war nun wirklich nicht das, was ich mir unter Abenteuer vorstelle.



Als ich am Abzweig ankam, und mein Radar ausfuhr, entschied ich: ja, befahrbar.
Keinen nennenswerten Steine und das Washboard hielt sich auch in Grenzen. Auf einer Skala wäre es eine 9, was bedeutet: PKW-u. Omatauglich.



Ich kann mich nicht erinnern, je irgendwo gewesen zu sein, wo es keine Vegetation gab. Irgendwo stand immer ein Büschel und ein Grashalm oder ein Kaktus. Aber hier gab es nur: Stein.





Auch wieder alles in Gelb und Ocker und Beige und irgendwie unwirklich. Als hätte Mutter Natur nicht mehr gewusst, wohin mit den Lehmresten, aus denen sie Adam erschuf. Oder verwechsle ich jetzt was?

Ich könnte mir vorstellen, dass diese getrockneten Häufchen perfekt zum Mountainbike- oder Quadfahren geeignet wären, wenn es nicht so weit ab vom Schuß und viel zu heiß wäre.



Je länger man die Strecke fuhr, umso mehr hatte man das Gefühl, auf einer Achterbahn zu sitzen. Ständig ging es rauf und runter und es kamen steile Links- und Rechtskurven und die Fahrbahn neigte sich gefährlich in alle möglichen Richtungen aber wirklich gefährlich oder anstrengend wurde es nie.

Es hat auf alle Fälle Spaß gemacht und ich würde es jederzeit wiederholen.



Ganz zum Schluß sah ich sogar noch einen Hoodoo und schon hatte ich wieder Teer unter den Rädern.

Mein Blick auf die Uhr sagte: Mist, immer noch nicht später. Noch nicht mal 11 Uhr und nur noch ein Ziel, dass ich anfahren konnte.

Normal ist das alles ja kein Problem, wenn man nicht gerade am A… der Welt wäre. Außer dem Tal des Todes gab es ja hier nichts. In Beatty war sowieso der Hund begraben. Da möchte ich nicht tot übern Zaun hängen. Aber dazu später mehr.

Erst einmal machte ich mich auf, um mir die Pupfische anzusehen.



Diese Tiere kommen nur hier vor und leben in Wasser, dessen Salzgehalt um ein vielfaches höher ist, als das der Meere.
Hinzukommt, dass sie in einem Bach leben, der nur eine kurze Zeit im Jahr Wasser führt.

Die Strecke zum Salt Creek war ebenfalls unbefestigt und erhielt von mir die Note 5. Ich machte mir einerseits Sorgen, andererseits kam mir gerade ein Wohnmobil entgegen. Im Grunde ließ es sich gut fahren, man durfte es nur mit der Geschwindigkeit nicht übertreiben.



Am Parkplatz angekommen sah ich, dass ich mal wieder alles für mich alleine hatte. Einerseits gut, andererseits überfielen nur MICH diese riesigen fliegenähnlichen schwarzen Fliegendinger, die sich versuchten, in mich reinzubohren um mir wer weiß was zu injizieren. Vor lauter Wedelei kam ich gar nicht zum gucken und fotografieren. Es war schrecklich.



Ich hatte ja nicht damit gerechnet, aber ich sah tatsächlich diese kleinen Fischchen. Und nicht nur vereinzelt, sondern in Massen. Hätte ich jetzt meinen Kescher mit, gäbe es sicher nen lecker Abendessen. Oder schmecken die dann wie Anchovis?

Auf dem Rückweg kamen mir dann einige Franzosen entgegen, die es natürlich nicht lassen konnten, den Steg zu verlassen, um den Tierchen ganz nah zu sein. Daß sie die nicht noch gestreichelt haben, war aber auch alles.



Es gab noch einen letzten Punkt auf der Karte, der mit „Historic Stovepipe Well“ gekennzeichnet war und wo man sicher so etwas wie alte Mauer- oder Gebäudereste ansehen konnte.
Der Punkt befand sich auf der Scotty’s Castle Road, direkt nach der Kreuzung, an der man sich entscheiden muß, ob man wieder zum Ranger möchte oder zurück in die Zivilisation.

So fuhr ich also dahin und wartete, dass ein Schild mit der Aufschrift „bitte links abbiegen“ kam. Aber alles, was ich sah, war ein nicht gekennzeichneter unbefestigter Weg, der Richtung Dünen verlief.
Ich sauste einfach mal daran vorbei, weil, wenn etwas auf der Karte ausgeschildert ist, muß es das in echt auch sein.

So fuhr ich und fuhr und fuhr… fast bis zum Abzweig der Titus Canyon Road. (Anm.: die TCR ist eine Einbahnstraße und NICHT von hier aus zu befahren. Man fährt sie von Ost nach West A -->B. Es war also eher die Ausfahrt der Road, als der Abzweig (Einfahrt))

Ich vollführte also mal wieder gekonnt ein Dreherle (Silke sollte sich das Wort wirklich schützen lassen) und fuhr zurück, bis der Abzweig kam und bog rechts ab.
Ganze 20m bin ich gefahren, dann sagte mir mein Magen: „Das ist keine Strecke für Sylvi. Dreh um!“

Und was mein Magen mir sagt, das tu ich. Ich denke noch nicht mal weiter darüber nach. Außerdem, was soll es schon wichtiges zu sehen geben, wenn die Nationalparkfuzzis noch nicht mal ein Schild aufgestellt haben?



Bei der anschließenden Fahrt nach Beatty, blieb Gott sei Dank das Ohrenverdichten aus, zumindest hatte ich es heute besser im Griff. Das lag sicher daran, dass ich heute die offizielle Route fuhr und der Anstieg nicht so heftig war.

Zurück in Beatty fuhr ich gleich noch mal an die Tankstelle, lies 20$ in den Tank laufen und schlenderte etwas durch die Regalreihen, denn mein Reiseproviant bestand nur noch aus einem Brötchen, 1 Scheibe Wurst und einer angebissenen Gurke.
Als normalsterblicher Deutsche ging ich davon aus, dass es in einem Ort, der Mio km vom nächsten entfernt liegt, einen Laden geben muß, in dem man vernünftig einkaufen kann.

Da es aber hier in der Tankstelle nur Süßkram zu geben schien, fragte ich nach, ob man denn hier noch anderswo Lebensmittel kaufen kann. Sie schickte mich auf die #95, da sollte es einen Laden geben. Klar, dass ich erstmal vorbeirauschte, denn „Hardware“ ist nicht das, was ich als Lebensmittel bezeichnen würde.

Der Laden hatte was von DDR 1949-1989. Geändert hatte sich da ja nie viel. Es war immer klein, zu eng, und die Regale, wenn sie denn vorhanden waren, waren leer und die paar Schachteln und Dosen, die man noch auf Lager hatte, waren so drappiert, dass es voll aussah.

Auf einem „Wühltisch“ waren 5kg Bananen und 10kg Äpfel schön verteilt und das halbe Baguette sah auch nicht viel schöner aus.

Es gab sogar einen Kühlschrank, aber als ich die Käsepreise sah, hab ich es mir flucksig anders überlegt. Stattdessen wollte ich morgen auf meinem Weg nach Las Vegas irgendwo frühstücken gehen und danach musste wieder ein normaler Supermarkt herhalten.

Ich hatte gelesen, dass Beatty ca. 1000 Einwohner zählt. Wo kaufen die Leute ein? Und wie oft?

Fahren die alle jedes Mal 147km bis nach Pahrump, packen sich ihren Pickup voll und haben dann für Monate genug? Was macht man sonst in Beatty? Wo arbeiten die Leute? Was zum Geier tun sie hier????

Den restlichen Tag verbrachte ich mit fernsehen und Bericht schreiben. Irgendwann gegen 20Uhr knipste ich das Licht aus.




gefahrene Meilen: 151



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