Etappe 3 war das Natural Bridges NM, in dem ich mich lange aufhalten wollte/musste, denn die Zeit verging irgendwie überhaupt nicht.
Mein erster Gang war natürlich ins VC, wo ich mir erstmal meinen obligatorischen Stempel holte, nach Karten und Büchern Ausschau hielt und dem Drängen meiner Blase nachgab.

Jedes Mal, wenn ich vor den Büchern stehe, denke ich: soll ich oder soll ich nicht? Und dann kommt die Knauserigkeit wieder durch und meine Logik, die besagt: Was willst du damit? Du schaust sie dir doch sicher eh nicht mehr an und lesen kannste vergessen, denn dein Englisch ist ja nun oh ni das Wahre. 

Ich schnappte mir also die Straßenkarte des Parks und wollte nun sehen, was auf mich zukommt. 


Das NM war von der Struktur her mal wieder ein Park für lauffaule Amis. Alles, was man sehen kann, ist bequem mit dem Auto zu erreichen und wenn man es doch mal schaffte, auszusteigen, konnte man ganz easy mit dem Rollator bis zur Bridge „vorfahren“. 


Bis auf die Sache mit dem Rollator hielt ich es genauso, und steuerte erstmal alle Parkbuchten an, die ausgewiesen waren. Aber schon nach dem 2. oder 3. Stop war mir langweilig. Mal wieder ein Park, der mich nicht von den Socken haut. Irgendwie sah man nichts. Nur einen Abgrund und viele helle Steine, zwischen denen wilde Heckenbüsche wuchsen.
Irgendwo kam ich auch mal wieder an eine Ruinenaussicht, aber auch hier war es so, wie schon bei den Navajos am Vortag: Ohne Fernglas lief gar nüscht. Ich war irgendwie deprimiert. Wir hatten es grad mal 10 Uhr Vormittag und ich war schon fast durch.







Daher biß ich in den sauren Apfel und lief dann den Trail zur Owachomo Bridge. Wege, die ewig lang nach unten gehen und wo man weiß, da muß ich wieder rauf, sind nicht so mein Fall, aber ich konnte ja unmöglich schon zum Mittagessen im Motel sein…





Als ich der Bridge immer näher kam, merkte ich erst, wie riesig sie ist. Ich stand mit offenem Mund da und musste erstmal guggn. Was ist, wenn sie jetzt zusammenfällt? Oder ein Stück davon abbricht? Schon die Vorstellung davon, hier als Hackepeter zu enden, flösste mir gehörig Respekt ein. Trotzdem lies ich es mir nicht nehmen, und kraxelte erstmal ganz runter auf die andere Seite und schoss unzählige Fotos. 





Durch die Schäfchenwolken, die nun aufgezogen waren, sah sie auf den Bildern richtig niedlich aus, aber das täuschte gewaltig.
Als ich mit der Umrundung fertig war, lag nun wieder der grässliche Aufstieg vor mir und ich dachte nur: „Sylvi, reiß dich zusammen. Heulen kannste später. Also komm in die Hufe !!!“

Keuchend und nem Herzkasper verdammt nahe, war ich 15 min später wieder am Auto und musste mich erstmal setzen. So Trips sind eindeutig ungeeignet für alternde Frauen. Ich grübelte ernsthaft über einen Rollator nach..

Nachdem mein Herz und mein Hirn wieder im Takt liefen, zeigte ich mir innerlich einen Vogel und setzte meine Fahrt fort.

Nach nur 90 Minuten hatte ich das NM hier abgehakt und steuerte auf Ziel 5 zu. Leider hatte ich zuhause versäumt, mir zu notieren, wo genau ich Nr.5 finde und Margret konnte mir da auch nicht helfen. Ich fuhr also noch mal zum VC und fragte, wie ich zu Nr.5 fahren soll.

Viel Hoffnung, dass man mir sagen konnte, wo ich abbiegen musste, hatte ich nicht, aber ein wissendes Lächeln der VC-Lady sagte mir: „Nr.5 lebt!“

Ich bedankte mich brav für die Auskunft und hoffte nun, die passende Einfahrt zu finden.

Logisch, dass ich erstmal daran vorbeigerauscht bin, denn die Bremsen des Ford sind unter aller Kanone. Bei einer Vollbremsung im Notfall würde es Opfer geben..

Ich bog also wenige km nach dem VC links ab, wollte mein Permit zahlen, aber leider hatte die BLM-Verwaltung versäumt, Umschläge nachzufüllen und so musste ich eben ohne Ticket weiterfahren. Die Straße war mal wieder alles andere als eben und holprig war sie auch, aber immer noch kein Vergleich zum MV. In der Senke stellte ich dann mein Auto zu den beiden anderen und nahm den Weg links in den Wash, in der auch eine Infotafel stand.

Ich folgte ungefähr 200m den Spuren im Sand und war sooooo kurz vor meinem interessantesten Ziel des Tages, als ich es mir dann doch plötzlich anders überlegte, denn hinter der ersten Linkskurve hatte es sich eine Kuhmama mit ihrem Kuhbaby direkt auf dem Pfad gemütlich gemacht und irgendwie schaute sie gar nicht glücklich drein. Und aus Erfahrung weiß ich: Tiermama mit Kind = keine schöne Kombination für Begegnungen.

Ich weiß nicht, ob sie mir was getan hätten, aber das Risiko, ausgerechnet hier zu verenden, war mir zu groß.
Ich kehrte also dem House on Fire den Rücken und zog traurig von dannen.

Tja, dann muß ich wohl nächstes Jahr wiederkommen.
Es war 13 Uhr, als ich das Auto startete, die Reset-Taste drückte, weil die Karre bei jedem Starten wieder plingen mußte, und zum Motel aufbrach. Da hatte ich mir so viele Sachen für heute rausgesucht und dann war ich so früh fertig. Sicher gab es hier noch andere Orte zum Anschauen, aber so auf Teufel komm raus einfach rechts oder links abbiegen, war nicht mein Fall. Ich beschloss also erstmal nach Blanding weiterzufahren, denn dort hatte ich mir für heute ein Zimmer gemietet und wollte dann weitersehen.
Meine Vorräte gingen ebenfalls zur Neige und so hielt ich erstmal in dem Supermarkt des Ortes, der wirklich gut bestückt war.

Brot und Salatsoße wechselten den Besitzer und ich konnte weiter zum Motel fahren.

Auch dieses Mal erwischte ich ein Motel, welches darauf verzichtete, den Gästen Kaffeemaschinen auf den Zimmern bereitzustellen. Ansonsten hatte ich ein schönes Standartzimmer. Ich entschied mich für das rechte Bett und mein Koffer bekam das linke.


So, was nun? Wirklich viel später war es nicht und so googlete ich erstmal, was es hier in und um Blanding denn so zu sehen gab. Leider gab es nur einen Treffer und es war der Cedars of the Edge Statepark, in dem es eine kleine Ruine samt Kiva zu bestaunen gab. Ich entschloß mich, mir das Spektakel anzusehen, denn ich hatte nun wirklich keine Lust, den Rest des Tages im Zimmer zu verbringen.
Nachdem ich mir vorher noch schnell eins dieser riesigen Brötchen einverleibt hatte, von denen eine ganze afrikanische Familie satt geworden wäre, gab ich Margret den Befehl: bitte einmal State Park.

An der letzten Kreuzung las ich ein Schild:
SP 300ft left, Indian Festival may, 1.

Wow…ein Festival. Heute. Klasse Timing.

Das Festival entpuppte sich als Großkampftag der Verkaufsindianer und ich ging ohne Geld dazulassen, an ihnen vorbei ins VC. Auch hier fragte niemand nach Geld, obwohl eindeutig 5$ angeschrieben waren. Die Lady hinter dem Desk fragte mich nur, ob sie mir helfen kann und als ich meinte, ich suche die Ruine, zeigte sie mir nur den Weg und überlies mich weiter meinem Schicksal.

Der Weg führte durch das ganze Gebäude und an weiteren Indianerständen vorbei.

Draußen angekommen, fing es mal wieder an zu schneien. Wäre ja auch noch schöner, wenn es endlich mal einen Tag geben würde, der dem Südwesten gerecht wird.
Als ich an der urzeitlichen Behausung ankam, war mein erster Gedanke: das Teil ist kaum älter als ich.
Sieht aus, wie eine Attrappe.



Nach langem Zögern kletterte ich auch mit meinem ganzen Gepäck die Leiter in die Kiva hinunter und hatte mir das ganze irgendwie größer vorgestellt, denn man konnte kaum aufrecht stehen und der Durchmesser belief sich nur auf ca. 3m.





   

   

Nach 2 Fotos kletterte ich wieder ans Tageslicht, knipste noch den nackten Kokopelli am Eingang und verschwand Richtung Motel.


Ursprünglich wollte ich heute Abend Steak essen gehen, aber das Brötchen verrichtete immer noch seine Arbeit und so verschob ich das Essen auf Moab, wo ich morgen „erwartet“ werde.

Den restlichen Abend surfte ich noch etwas auf allen möglichen Wetterseiten

und gegen 20 Uhr drehte ich mich auf meine Lieblingsseite.





Gefahrene Meilen: 133



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