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  7. Mai 2011                                                     75°F 

Direkt zum Thema "Valley of Fire"



Heute verließ ich die Weltstadt Beatty, um mir die restliche Zivilisation anzusehen. Mein Bett stand heute in St. George, in Utah, aber bis dahin war es ein steiniger, bzw. sandiger Weg.


Erstmal hatte ich Hunger.

An der Rezeption des Motels packte ich mir schnell noch eine Tasse Kaffee ein, der gar nicht mal so schlecht schmeckte, wie er roch und tackerte Margret danach die Route des Tages aufs Display: Las Vegas, Supermarkt, Essen und dann zum Valley of Fire bitte.

Die Strecke auf der 95 zog sich wie Kaugummi und da bei meinem Autoradio Sirius noch nicht angemeldet war, konnte ich nur das hören, was in der Gegend grad verfügbar war. Außer einem Rockchannel und Kirchenmusik kam allerdings nicht viel rein. So hing ich mal wieder meinen Gedanken nach und lugte ab und an zur km-Anzeige meines Autos.

Es gibt da die Möglichkeit, sich anzeigen zu lassen, wie viele Meilen man noch fahren kann, bis der Sprit alle ist. Als ich losfuhr, stand da: 407 Meilen to E.

20 Meilen später las ich 360 Meilen to E.

Konnte das sein?

Ich als Geizhals und Spargenie war da ja natürlich wieder etwas besorgt, denn wenn die Meilen schneller schwinden, als ich sie fahren kann, dann stimmt ja was nicht.

Ich schob es einfach mal darauf, dass ich die ganze Zeit berghoch fuhr.



Irgendwo vor Las Vegas las ich auf einem Schild: Prison Area. Den restlichen Text hab ich vergessen. Irgendwas mit „keine Anhalter mitnehmen“.

Der Bau war schon beachtlich. Da wohnten sicher mehr Leute drin, als in ganz Beatty samt Touristen. Das Gelände war bestimmt 20 Fußballfelder groß. Wenn da ne Meuterei losbricht, gibt’s garantiert ne Menge Matsch


(für Originalgröße bitte klicken)

Kurze Zeit später las ich: Desert National Wildlife Refuge und das sagte mir: stempeln




Um dahin zu gelangen, musste man den Highway, denn er war nun 2 spurig, links verlassen und fuhr dann 3 Meilen auf einer ekligen Schotterpiste in östlicher Richtung.

Es wurde mächtig viel Staub aufgewirbelt, aber wenigstens die Reifen blieben heil.
Die Einfahrt war etwas kompliziert, denn das Schild war ziemlich versteckt. Auch war hier eine Menge los, und das um diese Uhrzeit.

Leider täuschte das Bild, denn es waren keine Autos von Touris, die hier standen, sondern Rangerautos und Baufahrzeuge.


Das Office hatte noch geschlossen, na toll  und so startete ich ohne Stempel einen kleinen Rundgang zum Refugium.



Es soll hier allerlei Getier geben. Von der Ente über diverse Schlangen und sogar Raubkatzen. Leider zeigte sich während der 10minütigen „Wanderung“ keins davon. Stattdessen sah ich 10 Arbeiter, die damit beschäftigt waren, einen 1hektar großen Teich anzulegen. Um den Teich drumrum gab es sonst nichts, außer Bäume und Schilf und dichtes Gestrüpp. Nichts, weswegen es sich lohnen würde, dem Ort später Mal eine Chance zu geben.

Ich machte also auf dem Absatz kehrt und verließ die Baustelle Richtung Frühstück.

Eigentlich braucht man im Westen der USA kein Navi, denn die Anzahl der Straßen sind begrenzt. Außer natürlich, man fährt in Städte, wie Las Vegas.

Klar würde man so auch das Ziel finden. Tankstellen, Fresstempel und Supermärkte gibt’s an jeder Ecke, aber es beruhigt schon etwas, wenn man jemanden bei sich hat, der sich ein wenig auskennt

Der erstbeste Supermarkt, der mir angezeigt wurde, war Albertsons und genau 10min später parkte ich da mein Wägelchen. Ich steckte nur meine Kreditkarte und das Handy ein und stiefelte los, um mein Fortbestehen zu sichern.

Das Handy hatte ich mit, denn auch hier wollte ich kleine Clips drehen, um den lieben Kollegen daheim zu zeigen, wie hier gearbeitet wird und was es hier so gibt, was wir in Dt. nicht im Regal finden.
Leider stieß mein Vorhaben nicht auf Gegenliebe und so musste ich eine Drehpause einlegen. Dann fahr ich halt zum Walmart. Die sagen nichts dazu.

Viel brauchte ich nicht zum glücklich sein und nachdem mir die Kassiererin noch 5$ Rabatt, dank ihrer Karte, gewährte, verließ ich den Laden 27$ ärmer und konnte mich endlich meinem Frühstück widmen.

Dennys war mein Ziel und mein Appetit sagte: Grand Slam für 5,99 plus Kaffee.


Die Leute, die mit mir da saßen, schienen sich nur von diesem Plunder zu ernähren, denn einige brauchten die komplette Bank, damit ihr Hinterteil nicht auf einer Seite runterrutschte.
Die Bedienung war eine dunkelhäutige Südstaatendame mittleren Alters, die fast jeden Gast herzte und drückte und mit „yes, Baby“ ansprach. Leider vergaß sie bei dem ganzen Liebesspiel, mir meine Rechnung zu bringen und so stapfte ich halt ohne dieser Richtung Kasse und zahlte ohne Gegenfrage 8,63$ und beide Seiten waren happy.

Mittlerweile war es 11 Uhr und wenn ich mein Soll erfüllen wollte, musste ich mich sputen.



Ich war letztes Jahr schon einmal im Valley of Fire, bin aber mehr oder weniger nur durchgefahren. Heute hatte ich mindestens 5 Stunden dafür veranschlagt, denn laut des Forums gab es viel mehr zu sehen, als man üblicherweise zu sehen bekommt.



Mein Ziel waren die bunten Felsen in der Rainbow Vista, doch leider kam es anders, als ich gehofft hatte.




Am Kassenhäuschen zahlte ich die obligatorischen 10$ Eintritt, denn es war ja ein State Park und die müssen extra bezahlt werden und fuhr erstmal zum Atlatl Rock.
Eigentlich fuhr ich nicht zu ihm, sondern eher daran vorbei, denn aus 2 Bussen ergossen sich grad mind. 1 Mio Touristen und jeder wollte der erste sein, der die Treppe zum Bogen erreichte.

Das tat ich mir nicht an und fuhr weiter bis zum … Arch. Hier war ich ganz alleine. Ich schnappte mir meine Knipse und eine Flasche Wasser, befolgte die Anweisungen auf dem Schild, immer auf dem Trail zu bleiben und nirgendwo hochzuklettern und stiefelte los.

Jedenfalls 20m.

Denn ich sah weder einen Trail, noch einen Arch.

Hm…

 
Was nun?
Egal, einfach mal draufzu laufen, irgendwann wird schon ein Hinweis kommen.

Ich befand mich in einer Art Rondell. Ein kreisrundes Feld mit Büschen und gelben Blumen und drumrum haufenweise rote Felsen und Nadeln und Kugeln und… kein Arch.

Muß das Leben denn immer so kompliziert sein?

Ich beschloss, unverrichteter Dinge wieder abzuziehen, als ein Lizard meinen Weg kreuzte.


Er blieb stehen. Ich blieb stehen. Ich ging einen Schritt auf ihn zu. Er ging einen Schritt auf mich zu. Ich nahm meine Brille ab, er nahm seine… ok, das war der falsche Film.

Auf alle Fälle schmiss er sich förmlich in Pose und ich konnte ihn mehrmals hervorragend ablichten. Nach 4 Fotos hatte er genug von mir und zog von dannen. In dem Moment, als ich wieder aufrecht stand, sah ich ihn: den Arch, weswegen ich hier war. Er stand direkt an der Straße, 20m hinter meinem Auto.



Tja, so kann’s gehen. Und dabei war er noch nicht mal so winzig. Man hätte sicher drunter durchgepaßt, aber leider durfte man ja hier nicht klettern.



Nach 2 Fotos verließ ich das Geschehen und fuhr wieder Richtung Straße. Auf der ganzen Strecke dahin, hab ich mindestens 100 kleinere Arche und Löcher in den Steinen gezählt. Hätte ich jeden einzelnen fotografiert, wäre sicher schon eine Suchmeldung nach mir rausgegangen.



Um zur Rainbow Vista und dem angrenzenden Gebiet zu gelangen, musste ich „leider“ am Visitorcenter vorbei und auch anhalten.

Es war nur ein kurzer Besuch, denn man konnte hier zwar auch einen Stempel bekommen, aber der Souvenirshop war wegen Umbaus/Neugestaltung geschlossen,

und die paar Ansichtskarten, die man da hat liegen lassen, haben mich nicht gerade vor Begeisterung Luftsprünge machen lassen.




(Wenn man den Amerikanern eins lassen muß, dann ist es die Kreativität, Besucherzentren einzurichten.
Jedes einzelne ist eine Augenweide !!!)


Der erste Stopp nach dem VC hieß Petroglyph Site und Mouse Tank. Was immer letzteres zu bedeuten hatte.

Jedes Mal, wenn ich mein wohltemperiertes Auto verließ, kam es mir vor, als lief ich gegen eine Mauer von Hitze. Furchtbar. Lange würde ich es draußen nicht aushalten, aber die 0,8 Meilen werden schon nicht so übel werden. Quasi was zum Aufwärmen.





Da mich der Trail in keinster weise vom Hocker gehauen hat, kürze ich es an der Stelle mal etwas ab:

Er war überlaufen, sehr laut, dank Jugendlicher, die sich die neuesten Twittermeldungen von Felsen zu Felsen zuriefen, sandig, heiß und am Ende wartete eine Schüssel mit altem, abgestandenem Wasser auf mich.

Und dafür hab ich mir jetzt nen Sonnenbrand geholt??? 

Zurück im Auto drehte ich die Klimaanlage auf „Sylvi schnell runterkühlen“ und fuhr weiter zum „Thema des Tages“

Auf das, was jetzt kommen sollte, freute ich mich schon die ganze Zeit. Einfach sein Auto irgendwo hinstellen und dann ab ins Gelände. Es gab hier keine Vorschriften, wo man langzugehen hat. In die Richtung, die einem gefiel, lief man.

Das Stückchen Straße, auf dem man hier fuhr, zählt für mich zu den schönsten Teilstrecken des ganzen Südwestens. Man möchte am liebsten zu Fuß gehen und jeden Millimeter auf Zelluloid festhalten aber leider standen alle 100m Schilder mit der Aufschrift: „No Parking any time“

Es gab zwar stellenweise Haltebuchten aber nirgendwo stand ein Auto. Und ich hätte sooo gern…

Und weil man nirgendwo halten bzw. parken durfte, gab es einen ganz schlauen, der hielt einfach mal mitten auf der Straße.

Ich würde so was natürlich nicht erwähnen, wenn er nicht irgendwo stand, wo es denkbar ungeeignet dafür war. Die Strecke zeichnet sich dadurch aus, dass man fährt wie auf einer Achterbahn. Ständig geht es hoch und runter und rechts und links und manchmal alles gleichzeitig und der texanische Eumel stand direkt 10m vor einer Kuppe, die oben auch noch in eine Linkskurve ging. Man musste also bremsen und seine Glaskugel hervorkramen, um zu sehen, ob ein Auto entgegen kam.
Ich kann so ein Verhalten nicht verstehen und hab hinter meinem Lenkrad geflucht wie ein Rohrspatz und wild mit dem Armen gefuchtelt und… er hat es natürlich in seinem Rückspiegel gesehen und sich bei meinem langsamen Überholmanöver aus seinem Fenster gelehnt und mich nachgeäfft. Seine Mine versprach Böses.

Unser nächstes Zusammentreffen wäre sicher nicht friedlich verlaufen und so blieb mir nichts anderes übrig, als meine Regenbogenlandschaft erstmal links liegen zu lassen und bis zum Ende der Sackgasse durchzufahren.
Nicht auszudenken, was hätte passieren können, wäre ich 200m weiter auf den kleinen Parkplatz gefahren. Mit Texanern lege ich mich besser nicht an..

Also schob ich noch ein Punkt vor mein eigentliches Vorhaben und erwanderte den White Dome Trail, der mit 1,25 Meilen angegeben war.





Ich sagte mir, wenn ich die 0,8 Meilen geschafft hab, dann schaff ich die paar Meter mehr auch noch.

Die ersten 100m waren allerdings arg beschwerlich, denn man musste durch tiefen Sand steil nach oben gehen. Mir kam es vor, als machte ich 2 Schritte vorwärts und einen wieder zurück. Dazu kam, dass die Sonne richtig schon auf mich draufknallte und ich schon überlegte, die ganze Sache abzubrechen.
Oben angekommen, musste ich mich erstmal setzen und verschnaufen. Ich fühlte, wie ich prittzelrot im Gesicht war und wie ein Tropfen nach dem anderen irgendwo an meinem Körper entlang lief.

Vorbei an einer alten Filmkulisse, ging es in einen sehr engen Canyon und endlich gab es etwas Abkühlung und den lang ersehnten Schatten. Ich sollte wirklich meine Urlaube nur noch in nördlicheren Gefilden verbringen. Ich bin eindeutig nicht hitzeresistent. Ich blieb eine ganze Weile im Canyon stehen und schoss Alibifotos, damit die mir entgegenkommenden Wanderer nicht dachten, ich sei am Ende

Es soll ja Leute geben, die machen hier im Hochsommer Urlaub.

Da ich hier nicht ewig im Canyon rumstehen konnte, verließ ich ihn wieder, als meine gefühlte Temperatur von 41 auf 39° gesenkt war und nahm das letzte Stückchen in Angriff und, das war klar… mal wieder ging es nach oben.


3 Minuten später hielt ich eine Rast für angemessen und lies mich häuslich im Schatten der Steilwand nieder. Endlich sitzen. Wieder klar im Kopf werden. Abkühlen. Durchatmen.

In Berichten las ich des Öfteren, dass die meisten ihre Betriebstemperatur erst ab 90°F erreichen und auftauen, ich hingegen bin am agilsten, bei -22°C. Ich könnt da stundenlang…

Wie ich da so saß und die Leute beobachtete, wie sie schnellen Schrittes an mir vorüberzogen, überkamen mich langsam Zweifel, ob es denn eine gute Idee ist, dann noch so einen Gewaltmarsch in Angriff zu nehmen. Mein Nacken war mit Pusteln durch die Sonneneinstrahlung übersät und wirklich wohl fühlte ich mich auch nicht mehr. Ich wollte es spontan entscheiden, wenn ich wieder zurück am Auto war, gesetzt den Fall, ich schaff es heute noch bis dahin. Aber ich ahnte schon, wofür ich mich entscheiden würde…

Genauso war es dann auch, als ich nach gefühlten 3 Tagen, 10 Stunden und 35 Minuten zurück am Parkplatz war und mich erstmal zu den Picknickplätzen hochrobbte.

Hinsetzen. Kamera ablegen. Schuhe ausziehen. Sand ausschütteln. Socken ausziehen. Anlehnen. Durchatmen. Aaaahhhhhhhhhhh…. Das tat gut.

 


Das Auto der Texaner war nirgendwo zusehen und so entspannte ich da mindestens 20 min vor mich hin. Hier machte ich es auch für mich amtlich: es wird dieses Jahr keine Regenbogenfelsen für mich geben. Ich bin jetzt schon dem Tod näher als dem Leben und ich wollte schließlich noch meine Enkel aufwachsen sehen.

Leicht akklimatisiert schaffte ich es dann noch bis zum Auto und verließ den Park, ohne noch mal irgendwo anzuhalten. Auch den Elephant Rock und was da noch so alles im Verborgenen lag, lies ich links liegen. Alles, was ich wollte, war eine eiskalte Dusche und schlafen. Jetzt zumindest. Mit kalt duschen ist es nämlich so eine Sache

Auf dem Weg nach St. George hielt ich noch fix am Nevada Welcome Center in Mesquite, denn auch dort konnte man sich Stempel abholen. Nur zu dumm, dass heute Samstag war und dazu auch noch unchristlicher Nachmittag. Es wäre eine Schande, wenn man da arbeiten würde...

Also gab es heute nur EINEN Stempel in mein Büchlein, aber man will ja nicht meckern. Die nächsten Tage kommen noch dutzende hinzu, natürlich nur, wenn ich nicht, wie bis jetzt, ständig vor verschlossenen oder später öffnenden Türen stehe.



Die I15, auf der ich jetzt nach St. George unterwegs war, es gibt ja praktisch nur die eine Straße, führt im Arizonateil durch eine wunderschöne Felsenlandschaft namens Virgin River Canyon und obwohl man hier recht zügig unterwegs ist, blieb für mich noch genug Zeit, um das ein oder andere Foto zu machen. Eine schöne Strecke !!!











In Utah ticken bekanntlich die Uhren anders, was bedeutet: es sind nur noch 8 Stunden Zeitunterschied zu Deutschland. Nachdem mir also eine Stunde geklaut wurde, checkte ich gegen halb 6 ins Motel 6 ein und bekam ein Zimmer mit wunderbarem Blick auf den Pool und die Stadt St.George. Leider war das Zimmer upstairs und auf klappernde 10° runtergekühlt. Das mit der kalten Dusche hatte sich also auch erübrigt, denn meine Körpertemperatur passte sich augenblicklich den neuen Gegebenheiten an.

Erste Amtshandlung: Klimaanlage aus, Tür und Fenster auf, Fotos machen und Sachen nach oben schleppen.



Den restlichen Tag, davon blieb ja nicht mehr viel, bediente ich mich aus meiner frisch gefüllten Kühlbox, ging warm duschen und schrieb noch etwas Bericht.
Die Internetverbindung ist hier allerdings etwas sehr flau. Man hat zwar gratis Zugang, jedoch ist das Signal äußerst dürftig.
Noch ein Wort zu den Duschen in den Motel6’: anscheinend ist Kärcher der Hauptlieferant. Man sollte nicht zimperlich sein, wenn man sich dem Wasserstrahl aussetzt. Die brutalsten Duschen, die ich je erleben durfte. Wasser über das Gesicht laufen lassen? Nur, wenn es die Anthropologen nachher leichter haben sollen…

Frisch gepeelt ging es ins Bett, in dem ich bis halb 9 am nächsten Morgen blieb.

gefahrene Meilen: 282

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Motel: Motel 6, St. George
          gebucht auf der Webseite für 43$/Nacht
Bewertung: Standard Motel 6, WiFi ungenügend, ansonsten ok






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