Rankpro.de

5. Oktober                                                                           



Also Best Western hin oder her, aber wenn ich mir die Nacht den Ar… abfriere , ist es nicht mehr lustig. Jedes billigere Motel hat noch diese Tagesdecken, die man sich gegebenenfalls übers Bett werfen kann, aber das hat BW nicht. So hab ich die meiste Zeit zitternd unter einem dünnen Bettlaken und einer Kuscheldecke, die den Namen nicht verdient hat, verbracht. Zusammen ergab das eine Lage von 4mm Dicke.
Gegen 5 Uhr hab ich dann die Heizung angeschmissen und die Nacht für beendet erklärt. Der Schlaf der Zimmernachbarn war mir in dem Moment egal.
In den Morgennachrichten gab es auch nichts Neues. Immer noch alles dicht im Staat. Nur nicht die Köpfe der Politiker.


Nach dem Berichtschreiben hab ich meine Koffer gepackt, ins Auto gebracht, hab ausgecheckt und noch schnell das BW-Frühstück genossen. Schon toll, was da so alles aufgefahren wird. Eigentlich wollte ich mich ja vom Buffet von rechts nach links durchprobieren, aber leider hatten sie da nur 10 Tische aufgestellt und ich wollte nicht, daß jemand wegen mir warten muß.

Ja, so bin ich

Das Tanken hab ich mir hier verkniffen. 4,20$ für die Gallone muß echt nicht sein. Etwas weiter nördlich am Ende von Independence gibt es eine Tankstelle, die von Natives betrieben wird. Da gibt’s Sprit für 3,85$.

 

Ziel des Tages war heute der Bristlecone Pine NF. National Forest. Da müßten bei mir eigentlich die Alarmglocken bimmeln. Es könnte ja sein, daß auch da alles versperrt ist.

„Glücklicherweise“ betraf es aber nur das Visitor Center, welches erst kürzlich eröffnet hatte. Das Vorgängermodell war abgebrannt.



Auf der Fahrt hier hoch auf 3000m stolperte mein Kreislauf mal wieder über sich selber. Der Kopf fing an zu brummen und ich wurde müde. Weiß der Geier, wieso ich den Höhenanstieg nicht so gut vertrage.


Oben angekommen, mußte ich mich erst mal akklimatisieren und mein Herz beruhigen.


Bevor ich mich für einen der Trails durch die Zeit entscheide, noch schnell eine Erklärung, wo ich hier bin:
Bristlecone Pines sind langlebige Kiefern. Diese Geschöpfe kommen nur an 3 Stellen in den USA (oder sogar weltweit?) vor. Im südlichen Utah und hier in den White Mountains in Kalifornien. Langlebig ist eigentlich nicht das richtige Wort für diese Pflanzen. Langlebig ist wie… jou , 500 Jahre. Diese Bäume existierten allerdings schon, da war die Zeitrechnung so weit entfernt, wie meine nächste Lohnerhöhung. Eine unvorstellbar lange Zeit.



Die Bäume waren schon alt, da haben sich die Menschen mit Steinschleudern die Schädel eingeschlagen und die Sprache bestand aus dem Trommeln mit den Fäusten auf die befellte Männerbrust.
Der älteste Baum namens Methuselah hat ein geschätztes Alter von 4845 Jahren. Wobei die Schautafeln am VC der Meinung sind, daß das nicht stimmt. Die C14-Methode wäre genauer und könnte belegen, daß man da ruhig noch 6-7 Tausend Jahre draufrechnen könnte.


Ich bin nicht der große Langstreckenwanderer, also wollte ich nur den kurzen Trail laufen. Eine Meile genügt für den Anfang und diese Höhe ebenfalls. Nicht das ich noch zusammenklappe.


Was die Ausschilderung angeht, so war es eher suboptimal. Statt den kurzen, bin ich den mittleren Trail gelaufen. 3 Meilen. Und es ging bis auf 3200m hinauf.
Was ich besonders faszinierend finde, wenn man weit weg von der Zivilisation ist, es ist verdammt still. Kein Wind geht. Kein Vogel zwitschert. Nix raschelt. Keiner redet. Und kein Fahr- oder Flugzeug weit und breit. Nur du und die Bäume, die sich hier seit Ewigkeiten langweilen.
Welcher Baum hier der älteste ist, wird verschwiegen, damit nicht irgendein reicher Scheich auf die Idee kommt, mit einer Kettensäge anzurücken, weil er ihn unbedingt in seiner Sammlung haben möchte.
Als ich oben angekommen war, dachte ich: ok. Hier isses hoch. Hier stehen Bäumchen, die alt sind und das wars?
Nein.
Denn nur ein paar 100m weiter kam ich zu einer Stelle, da hatte sogar ICH noch ein „Wow“ übrig.


Also wenn hier nicht die Methusalem, oder wie sie heißt, rumsteht, dann hol mich der Teufel. Man muß sich nur den Stamm dieser verhältnismäßig kleinen (3-4m hoch) Bäume anschauen, um das Alter ablesen zu können. Verschrumpelt, in sich gedrehte und knorrige Stämme. Wie alte Menschen, deren Alter man anhand der Falten im Gesicht erahnen kann.






Diese Bäume besitzen übrigens die Fähigkeit, einzelne Teile abzustoßen, damit andere weiter leben können. Es kann also sein, daß nur noch ein Ast begrünt ist, während der Rest schon tot ist.
Meine Meinung zu diesem Ausflug: immer wieder gern !