23.Mai 2015                                                            16°C 




5.30Uhr.
Schon wieder so früh munter.
Dann kann ich auch gucken, ob die sich für mich sorgende Gemeinde an mich gedacht und mir gewhatsapped hat.
Kein Wifi.
Toll.

Ok, dann erstmal Kaffee kochen und den Weather Channel suchen.

Im Gästeordner, der hier rumsteht, wird sogar für das moteleigene Frühstück geworben. Das ist normal auch nicht der Fall, weil man außer einem Muffin und schlechtem Kaffee meist nie was bekommt.
Hier wird richtig aufgefahren.

So, Kaffee ist durch. Und das Internet streikt weiter. Dann schreibe ich eben erstmal den Bericht von gestern. 


2 Stunden später. Immer noch offline.

Ich schreibe die Tagesberichte immer morgens nach dem Wachwerden. Falls mir also das ein oder andere Mal die Zeitform verrutscht, bitte ich das zu entschuldigen. Vier Zeilen über der hier war quasi gestern.

Das Internetproblem konnte ich erst am Abend bei Ankunft im neuen Motel lösen. Ich hab allerdings nichts verpasst. Weder Mails noch Meldungen von zuhause. Ist wie im wahren Leben. Aus den Augen, aus dem Sinn.
X


Waren es gestern 7 Meilen, warteten heute 11 auf mich. Ich begab mich in völlig unbekanntes Gebiet. Also für Deutsche unbekannt. Amerikaner schienen es zu lieben, wenn man von der Anzahl parkender Autos ausging.
Vor einigen Monaten, als ich über google Map kreiste, fielen mir einige Fotos mit blauem Wasser auf und als ich näher zoomte, stand da: Opal Creek.
Viel mehr fand ich nicht. Vielleicht noch eine Seite des National Forest, das war aber auch alles.



Kurz nach dem Abzweig in Mill City auf die North Fork Rd, wird die Straße zu einer unbefestigten, mit Schlaglöchern übersäten Piste und während der ganzen Zeit wird der Kofferrauminhalt neu sortiert. Macht Spaß…
Wer keinen Nationalparkpass hat, zahlt an der Selfpaystelle 5$.
Auf der angebrachten Karte waren 2 Pools angezeigt und ich wollte soweit laufen, wie es meine altersschwachen Knochen zuließen, denn ich hatte heute sonst nichts weiter vor. Vielleicht noch ein paar Covered Bridges besuchen, aber sonst…
Die ersten 3 Meilen läuft man auf der gleichen löchrigen Piste, wie ich sie noch vor Minuten gefahren war. SUV-tauglich, allerdings war sie nur für Forstfahrzeuge freigegeben.


hier möchte ich auch freiwilig nicht drüberfahren


Rings um mich riesige Bäume und Felshänge mit tropfenden Moosen und Flechten.
Spaziergänger sah und hörte ich kaum, obwohl mindestens 30 Autos am Eingang parkten.
Immer mal wieder wurde der Weg von Bachläufen „gekreuzt“ und ich hatte ein wenig Wanderknipspause.





Kurz nach einem relativ breiten Wasserfall kommt man zu einer Fußgängerbrücke. Sie markiert (symbolisch) den Beginn des Rundweges um den Opal Creek herum. Nur wußte ich das zu dem Zeitpunkt nicht, weil die angetackerte Karte am Wegbeginn ziemlich mies gemalt war.







Im Grunde kann man zu beiden Seiten des Creeks laufen. Auf der Nordseite weiter auf der SUV-Piste und nimmt man den südlichen Weg, geht es über Stock und Stein und kleine Brücken weiter Richtung Osten, Flußaufwärts sozusagen.
Ich entschied mich natürlich für die anspruchsvollere Route, da nur dort ein Wegweiser stand. Ich erinnere mich jedenfalls nicht, daß an der Piste einer stand, mit dem ich was anfangen konnte.
JEDENFALLS…ging es die nächsten 90 Minuten kreuz und quer den Hang oberhalb des Creeks entlang. Ab und an konnte man auch direkt ans Wasser Stromschnellen knipsen. Es war recht kurzweilig.





Schwierigkeitsgrad: High Clerance und tiefes Profil erforderlich. Keine großen Steigungen oder Gefälle.
Irgendwann hab ich mich aber gefragt, wie weit es denn hier geht. Kommt noch was? War es das? Läuft man immer nur am Creek entlang, bis man zur Quelle kommt?
Einen Pool hatte ich ja vorhin vor der Brücke schon gesehen. Wäre halt schön, wenn es ab und an ein Schild geben würde. Stattdessen sah ich zwischendrin nur wilde Camper. Also nicht die Camper waren wild, sondern Zelte standen mitten im Wald.
Schien erlaubt zu sein.

  


Irgendwann kam ich an eine weitere Brücke und ihr beschloss ich, umzukehren. Ich knipste einen weiteren Pool in türkisblaugrüner Farbe, überlegte, wo es denn nach Überqueren der Brücke wohl hingehen mag und lief meinen Stock- und Steinweg wieder zurück.



Diesmal brauchte ich nur eine Stunde bis zur ersten Brücke, da ich jetzt keine Fotostopps mehr machte. Auch waren jetzt mehr Wanderer unterwegs, aber für meine Verhältnisse noch alles im Rahmen.
Jetzt begannen sich allerdings auch meine Knochen und Gelenke zu melden und es fühlte sich an, als wäre auch die ein oder andere Blase an den Füßen dabei.
Die letzten 5 Kilometer auf der SUV-Piste waren dann sehr sehr sehr laaaaaaaang. Immer wieder sah ich Stellen, bei deren Anblick ich dachte: oh, gleich hab ich’s geschafft. Das war ja gleich am Anfang und jedesmal wurde ich eines Besseren belehrt. Eine Kurve folgte auf die nächste und noch eine und noch eine. Meine Hüftknochen knirschten schon.
Nach 4 Stunden in der Wildniss des Marion County war ich endlich wieder am Auto und staunte nicht schlecht, wie viele Leute jetzt hier parkten. Es müssen an die 100 Autos gewesen sein.



Jetzt hieß es allerdings erstmal: Schuhe aus, aaaaaaaaaaaaahhhhhh, was trinken und eine Banane flog auch noch irgendwo rum.
Als ich mich dann auf den Fahrersitz setzte, sangen meine Knochen die Marseillaise.
Es war kurz nach 14 Uhr, als ich mich wieder durch die Schlaglöcher pflügte. Laut Margret sollte ich 16 Uhr am Motel ankommen und das sagte mir, daß ich doch noch Zeit habe, mir einige überdachte Brücken anzusehen.
Südlich von Eugene gibt es einen Rundkurs um den Dorena Lake, auf dem man sich einige der Brücken ansehen kann. Also nicht auf dem Lake, sondern auf dem Rundkurs.

X



Die Brücken schien alle der gleiche Bauherr errichtet zu haben, denn sie sahen sich alle ähnlich. Alle weiß, alle das gleiche Schild am Dach. Nur der Text war ein anderer und viele davon wurden nicht mehr genutzt und die Straße führte seitlich daran vorbei.


Der Abstecher lohnt sich hingegen trotzdem. Mal was anderes, als diese ständigen Wasserfälle.  
Den restlichen Abend verbrachte ich knochen- und sehnenschonend auf meinem Zimmerchen im Motel in Eugene.



Morgen geht es zum Crater Lake und dann soll endlich die Sonne scheinen.



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