Tag 7 - 2. Mai


Ich hatte heute Morgen keine Lust, mir selber etwas zu essen zu machen, also beschloss ich, irgendwo frühstücken zu fahren. In Blanding gibt es eine Örtlichkeit, wo man das bestens tun kann, denn die Homepage des Peace Tree Cafes versprach so einiges.

Was ich allerdings nicht mit einberechnet hatte, war der Sonntag, den wir heute hatten und es soll auch in den Staaten Läden geben, die sonntags geschlossen sind.
Es war jetzt nicht sonderlich tragisch, denn aus dem Motel hatte ich mir 2 Kaffee und ein Teilchen mitgenommen und zur Not hatte ich ja immer noch was in der Kühlbox. Tanken brauchte ich noch nicht, denn heute würden es nur 200 Meilen werden und der Tank war noch zu dreiviertels voll.
So fuhr ich dahin…mit einem leeren Magen, der Sonne im Nacken und den Schnee- u. Regenschauerwolken voraus immer Richtung Norden, denn mein Ziel waren heute die Needles im Canyonlands NP und wenn ich es zeitlich schaffte, wollte ich noch zum Corona Arch bei Moab.

Nach 20 Meilen kam ich durch Monticello und bevor ich es richtig realisieren konnte, bremste ich und parkte den Wagen in einer Querstraße, denn meine Augen erblickten Millisekunden vorher einen weiteren Peace Tree Laden und an der Scheibe prangerte das leuchtend rote Schild: OPEN
Ich schnappte mir also meine Kreditkarte und meine Knipse und öffnete die Tür des Cafes.
So schnell, wie ich sie geöffnet hatte, schloß ich sie wieder. Allerdings von außen.
Nicht, dass es da drin nicht schön oder einladend gewesen wäre, aber ich möchte nicht die ganze Zeit beim Essen angeglotzt werden oder schlimmstenfalls noch Gesellschaft am Tisch bekommen.

Direkt hinter der Tür befand sich, wie z.B. bei Mc Doof üblich, der Bestelltresen über dem die Speisekarte angebracht war. Man musste sich also beim Aussuchen beeilen, denn in so Läden wurde man schon vor dem Betreten desselbigen gefragt, was man haben möchte und das war mir zuwider.
Zweiter Kritikpunkt: der Tisch stand direkt vor dem Tresen. Oh ja, DER Tisch. Rund. 6 Plätze. Leer.
Und das musste nun wirklich nicht sein.
An der Kasse standen übrigens 2 Jungs, die kaum 20 waren und es sah nicht aus, als würden sie sich überarbeiten.
Ich drehte also auf dem Absatz um und beschloss, mich aus meiner Kühlbox zu bedienen und Abend ein Steak essen zu gehen. Verdient hatte ich mir das.



Ein paar Meilen später kam auch schon der Abzweig zum NP und mal wieder tanzten einzelne Schneeflocken vom Himmel.
Langsam hatte ich von dem Wetter aber endgültig die Faxen dicke. Hätte ich Schnee gewollt, wäre ich in die Alpen gefahren.

Ich wollte mich grad so richtig schön über das Wetter aufregen, als ich auch schon wieder anhalten musste, denn rechts war der Newspaper Rock ausgeschildert, den ich mir natürlich ansehen musste.


 

Nach 2 Minuten und 3 Fotos war ich wieder im Auto und nahm die letzten Km zum Park in Angriff. Hier meldete sich jetzt nach einer Pause auch das Pling wieder und so dachte ich immer mehr darüber nach, mich um neues Öl den Ford zu kümmern.

Je weiter ich fuhr, umso mehr sah man dem NP seinen Namen auch an, denn die Landschaft veränderte sich Sekündlich. War es erst noch eben, kam man nun an immer mehr Felsgebilden vorbei.
Rote Steine, wohin das Auge reichte. Da die Temperaturen immer noch jenseits von Gut und Böse waren, vermied ich es, anzuhalten und Fotos zu machen, so was musste auch während der Fahrt gehen.

Am VC war ich die erste und auch drinnen herrschte eine Stimmung, wie auf einer Totenfeier. 2 Ranger, die abwechselnd Wache schoben und Kaffee kochten. (erinnerte mich irgendwie an meine Chefin.)

Nach dem Stempel stempeln und dem Kauf 3er Postkarten verließ ich die Party und fuhr weiter bis Elephant Hill Trailhead, denn man hatte mir den Chesler Park Loop Trail ans Herz gelegt. Noch war ich mir nicht sicher, ob ich ihn wirklich laufen wollte, denn erstens war es noch früh am Tag und zweitens waren es 5km Oneway.





Am Trailhead, den man über eine gut ausgeschilderte unbefestigte Piste erreicht, parkte ich und kümmerte mich zuerst einmal darum, mich satt zu bekommen, denn 10km mit nüchternem Magen laufen, ist nun wirklich nicht witzig und wer weiß, wie der Weg beschaffen war? Ging es wieder ständig hoch und runter? Mußte ich klettern? Oder war er für meinen Rollator geeignet?



Nachdem das Brötchen einverleibt war, entschied ich: ich lauf einfach mal los und wenns mir nicht gefällt, kann ich ja immer noch umdrehen. Ich wüsste dann zwar nicht mehr, was ich den restlichen Tag, der immerhin noch 8 Stunden hatte, tun sollte, aber egal. Irgendwas würde sich schon finden lassen.







Ich kürze jetzt mal ein wenig ab, denn wenn ich über den Trail solange schreibe, wie ich auf ihm unterwegs war, hab ich in spätestens 5 Minuten keine Leser mehr.
Insgesamt 4 Stunden hab ich für den KOMPLETTEN Weg gebraucht. Hin und auch wieder zurück und ich war verdammt stolz auf mich, dass ich nicht unterwegs das Handtuch geworfen hab.






Der Weg hatte alles, was ich mir unter einem schönen Wanderweg vorstelle: immer was zum gucken, nicht zu viel Bergauf und nicht zu viel Bergrunter, ab und an kraxeln, aber nicht zu viel und das Wetter war auch auf meiner Seite. Es war zwar noch weit davon entfernt, sich Frühling zu nennen, aber so kochte ich während der Wanderung wenigstens nicht im eigenen Saft.





Was mir allerdings die ganze Zeit durch den Kopf ging: ich befinde mich mitten in einem der populärsten Nationalparks und man trifft auf 10km KEIN Schwein. Also Mensch.
Ok, es waren 19 Leute, die mir begegneten, aber auf die Dauer gerechnet, war es verschwindend wenig. Kein wunder, dass so viele Parks geschlossen werden mussten, wenn sie niemand besucht.





Mir konnte es ja egal sein, ich genoß es, so alleine durch die Wildnis zu ziehen. Wäre ich jetzt in Kanada unterwegs gewesen, wäre mir sicher mulmig zumute, denn hinter jedem Bäumchen oder Steinchen könnte ein Grizzly lauern, aber da es hier so was nicht gibt, genoß ich es einfach zu laufen und zu knipsen, zu laufen und zu knipsen, zu laufen…



  

Es ist immer schwer zu beschreiben, was man während der Wanderung gesehen hat und so ist es am einfachsten, das ganze mit Bildern zu erklären. Und da ich eh kein Freund großer Worte bin...
Warum dieser Teil des Parks "Needles District" genannt wurde, war mir allerdings schon nach wenigen hundert Metern klar. Überall am Weg waren Felsen zu sehen, die wirklich Ähnlichkeit mit Nadeln hatten. Oder Nägeln. Quasi ein Nagelbrett am Ende des Horizonts und dazu noch so furchtbar fotogen.







Halb 2 war ich zurück am Parkplatz und ich war wirklich froh, mich hinsetzen zu können. Egal, ob es ein schwieriger Weg war oder nicht, 10km sind nun mal 10km und die wollen erstmal gelaufen sein.

Als ich kurze Zeit später wieder auf der Straße war, überlegte ich, wie es denn nun weitergeht? Fahre ich direkt zum Corona Arch oder schaffe ich erstmal mein Gepäck ins Motel, welches schon in Moab auf mich wartete?





Als ich nach einer wunderbaren Fahrt über die 191 in Moab ankam, entschied ich mich ganz spontan  für Zweiteres, und so checkte ich erstmal im Inca Inn ein. Ich bekam das Zimmer in der linkesten äußersten Ecke und ich hatte noch gar nicht richtig den Raum betreten, öffnete der Wettergott alle Schleusen und es schüttete einen Mix aus Regen und Schnee und das ganze wie aus Eimern.



Was bei diesem Wetter jetzt keinen Sinn mehr machte, war eine Fahrt zu einem Arch, zu dem man auch noch mal 1-2 Stunden wandern muß. Auch der geplante Sonnenuntergang am Balanced Rock schien ins Wasser zu fallen, denn ohne Sonne, keine schönen Bilder.
Momentan konnte ich jedenfalls nicht viel machen und lies mich erstmal aufs Bett fallen. Bisschen groggy war ich ja schon.
Da mein Auto ja immer noch nach neuem Öl verlangte, schaute ich mich mal im Netz nach Möglichkeiten um. Heute war zwar Sonntag, aber wenn ich morgen früh gleich als erstes in der Werkstatt wäre, könnte ich meine Pläne für den Montag einhalten.
2 Stunden später schaute ich mal wieder aus dem Fenster und was ich da sah, verschlug mir regelrecht den Atem: strahlend blauer Himmel und nicht eine Wolke war zu sehen. Na wenn das nicht nach einem Sonnenuntergang im Arches schreit?
Da ich mir aber heute morgen ein Steak versprochen hatte, grübelte ich nun darüber nach, wie ich das beides unter einen Hut bekomme.
Hunger hatte ich jetzt schon und so fasste ich den Entschluß: erst essen, dann knipsen.
So bekam ich wenigstens mal wieder die Gelegenheit, mich so richtig aufzubrezeln. Ich zog mir also frische Socken an und kämmte mir die Haare und war nun bereit für das Abenteuer Steakhouse.



Wenn man den Leuten im Forum glauben darf, soll es in der Moab Brewery schrecklich schmecken. Jedenfalls das Bier. Da ich, egal, um welche Sorte es sich handelt, eh jedes Bier geschmacklich ablehnen würde, beschloß ich die öffentliche Meinung zu ignorieren und fuhr in die Brauerei.

Das Ambiente war schön, etwas zu groß geraten das ganze, aber wirklich reizvoll. Die Bedienung war zwar etwas holprig, aber da es mein erstes Steakhouse auf der Reise war, gab es mildernde Umstände.

Für mich ist es logisch, dass, wenn ich einen Orangensaft in einem Lokal bestelle, dass ich es entweder in einem Glas bekomme oder wenn es schon eine Flasche sein muß, dass man mir ein Glas dazustellt.
Mein Wunsch musste etwas Außergewöhnliches gewesen sein, denn darauf war die Gute nicht gefasst. Ein Glas? Hier? Heute?  Oh…da muß ich erstmal nachsehen.

Ich bestellte als Vorspeise eine Krabben-Artischockencreme und Brot (sehr sehr lecker) und als Hauptgang natürlich ein New York Steak.
Die Lady hat mich zwar vergessen zu fragen, wie ich es gern gebraten hätte, aber wahrscheinlich kann der Koch nur eins: rosa
Es war durchaus essbar, obwohl ich schon besseres gegessen hatte. Die Vorspeise wertete das ganze aber wieder auf und als Fazit würde ich sagen: da kann man getrost wieder hin.


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