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   8.Mai 2011                                                            73°F 



Der heutige Tag war wirklich ein Volltreffer. Alles hat irgendwie gepasst. Ja ok, bis auf einen Vorfall, aber das konnte ich schnell mit mir regeln.

Ich fange am besten von vorn an.

Der Wetterbericht meinte es heute sehr gut mit mir, denn die Temperaturen waren Sylvi-Angemessen, also kaum 75° und auch die Sonne zeigte sich nur selten.


Nachdem ich mein Auto vollgetankt hatte, fuhr ich zum nächsten Walmart, denn ich hatte jemandem versprochen, mir einen Hut zu kaufen. Mein Nacken wird es mir hoffentlich danken, denn um ehrlich zu sein, würde ich so in Deutschland rumlaufen, wäre ich sicher schon verhaftet worden. Ich kam mir vor, wie eine alternde Diva, die über den roten Teppich zu schweben versucht. Nur blöder…

Aber was soll’s, ich muß mich ja nicht anschauen und wenn man sich mal ansieht, was es hier sonst noch für Gestalten gibt, war ich dagegen die einzig wahre Schönheit.

So, genug davon.

Auf meiner Liste für heute standen 2,5 Punkte. „Komma 5“ deshalb, weil ich es zeit-, wetter- und lustabhängig machte, das dritte Ziel anzusteuern.
Während ich so vom Walmart Richtung Snow Canyon State Park fuhr, war Margret mal wieder ziemlich verwirrt, denn in Teilen St. Georges hatte sich die Straßenführung verändert und irgendwie sollte ich ständig links oder rechts abbiegen oder schlimmer noch: bitte wenden sie jetzt.

Da ich aber von uns beiden der größere Sturkopf war, konnte ich mich natürlich durchsetzen und pfiff auf ihre Anweisungen.
Zwanzig Minuten später bog ich rechts zum Park ab, hielt am Kassenhäuschen, zahlte brav meine 6$ Eintritt und wollte schon aufs Gaspedal treten,


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als die nette Dame an mich herantrat und fragte, ob ich schon einmal hier gewesen sei.

Dadurch, daß ich verneinte, gab ich damit den Startschuss für eine, sagen wir mal: „predigende Einweisung für beratende Hinweise“.

„Ich möchte doch bitte nie schneller als 25mph fahren, denn es laufen hier viele Tiere rum, die besonders häufig an Trail 1 und 2 zu beobachten sind und die Straße ist insgesamt 4 Meilen lang. Man kann sehr oft anhalten, parken und picknicken. Trails, welche alle Rundkurse sind, sind überall ausgeschildert und auf der Karte kann man sehen, welchen Schwierigkeitsgrad sie haben. Wenn ich die Strecke zurückfahre, habe ich ein wunderschönes Panorama. Aber bitte daran denken, nie schneller als 25mph und einen schönen Tag noch!“




Ich saß nach dem „Wasserfall“ ca. 1 Sekunde da und musste erstmal darüber nachdenken, was das gerade war und wo ich war und wie es jetzt weiter geht und … bitte nicht schneller als 25mph.

Die ersten 200m konnte ich mich immer noch nicht so recht auf das konzentrieren, was ich so sah, denn ihre Worte hallten und hallten und hallten immer noch nach. Nicht, dass sie mich wie ein Chef zurechtgewiesen hätte, eher im Gegenteil, sie klang wie eine sich täglich wiederholende Nonne, die im ruhigen und monotonen Singsang auf Knopfdruck reagierte. Was ein scheiß Satz. Aber die Situation war auch seltsam.



Ich beschloss erstmal, die kompletten 4 Meilen abzufahren, um wieder runterzukommen und mir einen Überblick zu verschaffen.

Der erste Eindruck war wie der im Valley of Fire: Schön ist’s hier !!!
Den Namen hat der State Park übrigens nicht deswegen, weil hier stets und ständig Schnee liegt, sondern weil zwei seiner früheren Bewohner "Snow" hießen. (Lorenzo und Erastus Snow)

Ich fühlte mich, wie zuhause bei einem Sonntagsausflug. Upps…es war ja Sonntag. Deswegen die ganzen Menschen hier

Es war nicht direkt überlaufen oder so, es war halt immer nur irgendjemand da. Amerikaner lieben eben Drive-Thru-Parks. Fahren, anhalten, gucken, weiterfahren, anhalten, gucken…

Was mir auffiel, es waren sehr viele Radler unterwegs und komischerweise hielten sie sich nicht an die Geschwindigkeitsbegrenzungen. Wo die Dame doch so nett sagte: „bitte nur 25mph fahren!“

Sicher legten es die Radler so aus, dass sie im Durchschnitt nicht schneller fahren durften, denn Berghoch schoben sie die Räder, während sie bergrunter alles hinter sich ließen.
Da ich heute noch nicht gefrühstückt hatte, beschloss ich es vor meinen Wanderungen noch schnell zu ändern. Picknickplätze gab es hier ja reichlich und so gab es schnell noch ein sogenanntes Kofferraumfrühstück, welches wie immer total lecker war.


Kurze Zeit später parkte ich am Petrified Dunes Trail, denn ich hatte erfahren, dass es hier die bekannten Moki Marbles geben soll, die man sonst (fast) nur in der Nähe von Escalante findet.

Wie gesagt, dass Wetter war mehr als genial und so schnallte ich mir meine Kamera um, nahm eine Flasche Wasser und meine neue Mütze mit und stapfte los.
Hatte ich schon erwähnt, dass es hier toll war?

Überall grünte und blühte es und ich war mal wieder für meine Entscheidung dankbar, nicht im Herbst, sondern im Frühjahr zu verreisen.
An jeder Ecke standen blühende Kakteen, die fast auf jedes Foto mussten. Dazu noch gelbe große und gelbe kleine Blumen. Auch orange und rosa war vertreten. Dazu ich mittendrin mit meinem Sommerhut…

 
 



Ca. 100m weiter kam ich dann zu den versteinerten Sanddünen, die man nach Herzenslust hoch- und wieder runterklettern konnte, sofern man denn passendes Schuhwerk dabei hatte, denn sie waren teilweise arg steil.



Ich weiß jetzt nicht genau, ob das die
gesuchten Mokis sind, aber rund waren sie allemal und so konnte ich ein Haken an die Geschichte machen.
Sie sahen zwar ein klein wenig anders aus,
als ich sie auf Bildern gesehen hatte, aber
ich will mal nicht so sein.

Mein weiterer Weg führte mich durch Büsche hindurch und über Stock und Stein und bald darauf wieder zurück zum Parkplatz.




Ich mag es ja, wenn Wege übersichtlich und nicht zu lang sind. Spaziergänge eben. So bleibt nämlich noch Zeit, sich was anderes anzusehen.

Weiter oben gab es noch einen Trail, der durch Lavagestein und an Lavatubes vorbeiführte und den wollte ich mir als letztes ansehen.









Der Weg begann wie der vorhergende und ich konnte mich beim Kakteenknipsen mal wieder nicht bremsen. Es war aber auch zu schön. Abgesehen davon, dass ich einmal böse umgeknickt bin, weil ich nicht darauf achtete, wohin ich trat, lief es sich wirklich einfach. Nie zu steil nach oben und nie zu steil nach unten.





Rechts und links begann es jetzt dunkler zu werden und aus dem hellen Sand wurde schwarzes Lavagestein. Pink Kaktus vor schwarzem Hintergrund macht sich ja besonders gut und bald darauf kannte ich jedes Pflänzlein in der Gegend beim Vornamen.

     


Kurze Zeit später sah ich eine Frau einsam an einer Lava Tube sitzen und wollte mich schon langsam vorbeischleichen, als sie mich ansprach. Eigentlich grüßte sie nur, aber eins ergab das andere und wir kamen ins Gespräch.

  


Offizielle Themen kann ich in Englisch ja nicht besonders gut, aber im Smalltalk bin ich Meisterin, denn geredet wird da eh immer das gleiche. Wo kommst du her, wo willst du hin und wie lange und, ach ja: mein Mann ist gerade in die Höhle gekrochen und ich warte hier auf ihn.




(Zur besseren Veranschaulichung: links der hellbraune Streifen ist ein ca. 3m langer Trampelpfad)


Ich:  wow… ist das nicht gefährlich?
Sie: keine Ahnung, immer wenn ich ihn rufe, sagt er, es gehe ihm prima.

Ok, ich war beruhig, sie war beruhigt, also konnten wir weiter smalltalken. Sie kamen aus Missouri und ich kam aus Deutschland und ich fahre von A nach B und dann nach C und ich fand es hier fantastisch, würde es aber begrüßen, wenn ich schon in der Wüste war, dass ich doch endlich mal eine Klapperschlange zu Gesicht bekommen würde.
Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, wie schnell sich mein Wunsch zum Teil erfüllen sollte.



Kurze Zeit später entstieg dem Lavatunnel ein grinsender Ehemann. Wie Männer nun mal so sind, wenn sie was zum spielen gefunden haben.

Jetzt Smalltalkten wir zu dritt und irgendwann verabschiedete ich mich, nicht aber, ohne ihnen das Versprechen abzunehmen, dass sie doch auch mal nach Deutschland…



Kurze Zeit später war ich von der Landschaft wieder so abgelenkt, dass ich einen kleinen Felsvorsprung übersah und da passierte es:

Meine Kamera knallte voll dagegen und ich hörte für sie quasi die Englein singen. Mein Herz machte einen Hopser und innerlich flehte ich, bitte lass sie heil geblieben sein.

Meiner ersten Kontrolle nach, gab es keinen nennenswerten Schaden und auch das Auslösen funktionierte prima. Alle Bilder wurden so, wie ich es der Kamera sagte.

Es schien also alles in Ordnung zu sein…


Der Trail führte jetzt etwas nach oben und verlief wieder direkt auf die versteinerten Felsen zu und traf später dort auch auf den Sand Dunes Trail.

Ich war an einem Punkt im Gelände, wo das Panorama herrlich war und der Himmel, 

der sich in Richtung Westen leicht verdunkelte, tat sein übriges. Ich drehte mich mit meiner Kamera in alle Richtungen um ja nichts zu verpassen. Als ich meinen Weg wieder aufnehmen wollte, hätte ich fast einen Schrei losgelassen, denn um ein Haar wäre ich auf eine 1,20m Gopher Natter getreten. 


 

Mir wurde es augenblicklich heiß und kalt und ich bekam Gänsehaut und stand stock und steif auf meinem Weg, denn sie kroch nur ca. 1m vor mir von rechts nach links über den Trail. Nicht auszudenken, wäre ich beim Fotografieren langsam rückwärts gegangen.


Noch immer hatte ich meine Kinnlade nicht richtig unter Kontrolle und ich war nur am glotzen. So dumm das klingen mag, aber genauso war es.


Langsam sollte ich aber wieder Kontrolle über mich gewinnen, denn was nützt der beste Bericht, wenn es dafür keine Beweise gab?

Ich schnappte mir mein Handy und schaltete die Video-App ein. Gott sei Dank sind diese possierlichen Tierchen nicht so schnell, wie die Lizards, die es hier zu dutzenden gab.

Um ehrlich zu sein, ich hatte keine Ahnung, ob die Schlange für den Menschen gefährlich war und das es eine Gopher war, wusste ich nur deswegen, weil im Valley of Fire-VC-Museum so ein Tier in einem Terrarium gehalten wurde.
Ich schlich ihr also hinterher und bekam einige wunderschöne Aufnahmen. Später kam noch das ein oder andere Foto dazu und ausgerechnet hier fand ich es schade, dass keine anderen Wanderer in der Nähe waren. Zu gern hätte ich denen meine Entdeckung gezeigt.


Irgendwann mussten wir beiden uns voneinander trennen, doch dieses Erlebnis wird auf alle Zeit unvergessen bleiben.



Bis ich wieder am Auto war, ging mir das Tier nicht mehr aus dem Kopf und ich beschloss daher, dass es heute nichts mehr im Park zu sehen gab, was das noch toppen konnte.

 

Ich wollte beim hinausfahren nur noch schnell an der Campgroundrangerstation anhalten und nach einem Stempel fragen, den ich dann auch bekam. Leider gab es ansonsten keine Souvenirs oder Ansichtskarten und so blieb es bei dem Stempel.

       



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