14. Oktober



Ich hatte mit Absicht ein Motel nah an San Francisco ausgesucht, damit wir nicht nur einen vollen Tag für diese Stadt haben, sondern ein paar Stunden mehr.
Was wir uns genau in SF anschauen würden, wollten wir dem Wetter und den anderen Gegebenheiten überlassen. Noch sah es gut aus. Also das Wetter. Blauer Himmel. Angenehme Temperaturen und auch sonst war heute nichts großartig Schlimmes vorhergesagt.


Zwischen Rohnert Park und der Lombard Street gab es allerdings noch so Kleinigkeiten wie das Meer, einen Leuchtturm und ein National Seashore anzusehen. Sollte nicht lange dauern.
Hinfahren. Anhalten. Stempeln. Leuchtturm knipsen und wieder weg.
Aber wie immer, wenn man etwas nicht genau plant oder recherchiert, kommt es ganz anders.
Die Strecke zum Point Reyes National Seashore war langweilig. Ok, bis auf das Stückchen mit den Apfelbäumen, wo wir uns doch tatsächlich einige mopsen konnten.  Und das Visitorcenter war auch nett hergerichtet.







Ansonsten gab es nicht viel zu sehen. Eigentlich sahen wir gar nichts. Ein bisschen Straße. Ab und an einige Hinweisschilder und Bäume. Mehr nicht.
Der Grund war übrigens dichter Nebel.
Und zwar so dicht, daß wir manchmal Mühe hatten, die Straße zu sehen. Ganz schlimm wurde es direkt im Park. Die Straße, ich korrigiere: das Sträßchen, welches uns bis an die Küste brachte, war in einem furchtbaren Zustand und jedesmal, wenn uns ein Auto entgegen kam, was Gott sei Dank nicht oft passierte, konnte man nur die Augen schließen und beten…

Dazu kam noch ein fieser Wind und eben Nebel, Nebel, Nebel.
Unterwegs beschlossen wir, wenn wir heil an irgendeinem Parkplatz ankommen, werden wir erst einmal genüsslich frühstücken und dann schauen, was uns dieses Schutzgebiet so zu bieten hat.


Leute, Leute. Noch nie habe ich bei einem Essen oder Picknick so gefroren, wie dieses Mal.  Statt am Kofferraum zu stehen, haben wir uns ins Wageninnere verkrochen, da es draußen kaum auszuhalten war.


Das Schlimme war nicht unbedingt der Wind oder das man nichts als weiß sah, sondern die Feuchtigkeit, die sich rasch überall ausbreitete.
Im nu waren die Haare nass und man sah aus, wie kurz vorher aus der Dusche gesprungen. Wenn das mal nicht eine fette Erkältung gibt.
Vom Meer haben wir übrigens nichts gesehen. Auch hörten wir nur Wind, statt Wellen.
Da wir aber schonmal hier waren, mummelten wir uns dick ein und starteten Operation Leuchtturm und 302 Treppenstufen.
War gar nicht so anstrengend, wie alle immer schreiben.
Bergrunter…



 


 



Auch am Turm konnten wir, was die Landschaft angeht, nur spekulieren. Vor uns hätte alles Mögliche sein können. Berge. Wiesen. Eine Stadt… 
Wir sahen nichts. Nur den Turm und irgendwo in der Nähe war wieder ein Nebelhorn in voller Aktion zu hören.


Unser Besuch war kurz und auch die 302 Stufen waren schnell überwunden. Nur mein Herz hatte ganz schön zu kämpfen und überschlug sich anscheinend mehrmals.


Halb ein Uhr Mittag war der Spuk vorbei und wir machten uns auf den Weg in die Stadt und ich hoffte inständig, daß sich der Nebel bis dahin noch verziehen würde.