Ich war auf der 199 unterwegs und alle paar hundert Meter standen Schilder mit Geschwindigkeitsbegrenzungen am Straßenrand. Normalerweise verdienen diese Schilder keine Erwähnung, wenn man aber auf einer kurvenreichen, an Steilhängen gebauten Straße 55 Meilen fahren darf, dann ist es was Besonderes. Wer nämlich so schnell fährt, kommt nie an der Küste an.

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Ich frage mich, welcher Behördenfuzzi da seinen Kopf abgeschalten hatte. 55mph sind 88kmh. Sogar ich als bekennende Raserin kam nie über die 45mph hinaus und selbst dann flog im Kofferraum alles hin und her.
Irgendwann hatte ich es jedoch geschafft und der Redwood National- und State Park hieß mich Willkommen.
Im Hiouchi Visitorcenter meinte die nette Lady, eigentlich war sie mindestens 20 Jahre jünger als ich, sie meinte zu mir, ich solle doch für den Anfang die Howland Hill Road langfahren. Sie ist zwar unbefestigt, aber da es schon relativ spät am Tag war, war es ein guter Einstieg.

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Die Idee von ihr war klasse, wenn auch die Piste extrem holprig und staubig war.
Am Stout Grove, gleich zu Beginn, stellte ich mein Wägelchen zu den anderen und die wilde Knipserei konnte beginnen.





Ich finde es nur schade, daß man die Größe und Dicke der Bäume nicht realitätsnah ablichten kann.
Man schaut auf das Foto und denkt sich: ja. Naja. Ok. Passt schon. Sehen halt aus wie Bäume.
Immer ist man auf der Suche nach Vergleichsobjekten, wie Menschen oder Autos, damit auch außenstehende sehen, wie riesig diese Gewächse sind.





Ich habe fast 2 Stunden gebraucht, um diese ca. 9 Meilen zu fahren.
Ich liebe diesen Park !!!
Als ich das nächste Mal aus dem Auto stieg, stand ich vor dem Super 8 und es war eisig kalt und stark windend.



Bei meiner Klamottenwahl für diese Reise hab ich demnach richtig ins Klo gegriffen.
Nach einem endlos scheinenden Check In fuhr ich nochmal los, meine Kühlbox auffüllen. Als ich aus dem Supermarkt raus bin, ging die Sonne bereits unter. Das wird eine kurze Nacht…






26.Mai 2015                                                                15°C



Halb 3 hat mich eine SMS aus dem eh schon nicht tiefen Schlaf geholt. Und auch sonst war es eine eher unruhige Nacht. Die Decke macht nicht viel her. Es war irgendwie frisch.
Jetzt ist es bereits halb 10. Zum Glück hab ich keine weiten Strecken zu fahren.

* * *


So dachte ich noch gestern Morgen. Und als ich dann am Abend auf den km-Zähler schaute, hat es mir fast die Sprache verschlagen. Schon wieder über 150 Meilen.
Aber fangen wir von vorn an.
Als ich gestern früh aus dem Fenster sah, konnte man meinen, gleich fängt es an zu regnen. Eine Stunde später stellte es sich als Nebel heraus, der mal wieder an der Küste festhing. Und weil es sich mit Sonne besser urlaubt, dachte ich mir, ich fahre erst durch bis zum südlichsten Zipfel meiner Route und rolle dann, wie damals den Hwy 1 zu den Keys in Florida, die Strecke von hinten her auf.
Halb 11 hatte ich meinen notwendigen Krempel ins Auto gepackt und stoppte erst wieder am Trinidad Head Lighthouse.


außer dem Rahmen gab es keine Bearbeitung des (Handy-)Fotos.


Naja, nicht ganz. Zwischendrin mußte ich noch schnell dem Pazifik Hallo sagen. Es war gerade Ebbe, aber außer ein paar Muscheln hab ich nichts an Getier sehen können. Ist aber nicht schlimm, ein paar Tage später werde ich noch oft Gelegenheit für Tidepoolsightseeing haben.




noch junge Muschelkolonie am Felsen

Als ich am Leuchttürmchen ankam, schien schon fast die Sonne.

Der Leuchtturm war verschlossen, aber nicht das B&B dahinter, welches Stempel verteilte. 




Jetzt mußte ich mir überlegen, was ich mir auf der Fahrt zurück zum Motel alles ansehen möchte. Ich schnappte mir die Karte und Margret und tippte munter darauf los. 

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Patricks Point SP, Lady Bird Johnson Grove, Fern Canyon, Fahrt auf dem Parkway, jede Menge Overlooks und vielleicht noch zum Mill Creek.
Um es ein wenig abzukürzen: ich hab kaum die Hälfte geschafft. Leider war diese Hälfte eher die schlechtere.
Den Patrick’s Point SP kann man abhaken. Da gibt’s nichts zu sehen. Als ich die Worte Lady Bird Johnson Grove las, mußte ich an 2012 denken und wußte, daß es mir gefallen wird. Aber auch hier irrte ich. Ich hab dieses Grove mit dem 2012’er Founders Grove an der Avenue of the Giants verwechselt.



Hier bei der Lady liegen keine großen Bäume rum, auf die man klettern könnte, sondern es stehen große Bäume und zwar zwischen lauter Wildwuchsgetrüpp.
Meiner Meinung nach hat man hier die falsche Stelle ausgesucht, um besagter Lady ein Denkmal zu setzen.





Falls ihr also mal zu den Redwoods fahrt, es gibt schönere Stellen, um Bäume zu knipsen, als hier.
Mittlerweile war es halb 5. Keine Ahnung, wohin die Zeit verschwunden war.



Die Strecke zum Fern Canyon ist zu Beginn nix für schwache Nerven. Ich fuhr einen SUV und hatte schon arge Schwierigkeiten, das ewige auf und ab und rechts und links und hell und dunkel zu meistern. Und trotzdem kamen mir noch normale PKW’s entgegen, denen die Piste absolut nichts auszumachen schien.
Erst die letzten 4km waren halbwegs erträglich. Bis auf den Staub.
Mein Auto sah später aus, als lägen 4 Tage Sahara hinter mir.



Vom Parkplatz bis zum Eingang des Canyons sind es 150m. Vorsorglich hatte ich schonmal die Schuhe gewechselt. Auf den mir bekannten Fotos sah es immer arg nass aus.



Und kaum hatte ich das Wort „nass“ ausgesprochen, tappste ich voll rein. Ins, ich nenne es mal …kühles Wasser.
Den Weg in den Canyon mußte man sich mit einem Bachlauf teilen und meistens war der Bach der Gewinner. Eifrige Wanderer hatten ab und an kleine Brücken gebaut. Aber nicht aus Brettern, sondern aus gefundenen Baumstämmen, Ästen oder Zweiglein. Letztere waren üblich.







Irgendwann hatte ich es jedoch geschafft und war drin. Im Canyon. Und es hat mir ausnahmslos gefallen, was ich da sah. Grün, soweit das Auge reicht. Grün, so hoch wie breit. Farn in allen Richtungen und überall tropfte es. Es war toll.
Mit mir war noch ein Pärchen hier, aber man hat sich arrangiert.





45 Minuten später verließ ich diesen zauberhaften Ort. Auf dem Rückweg kam mir sogar noch ein Hochzeitspärchen entgegen und ich war drauf und dran zu fragen, ob es denn eine gute Idee gewesen war. Wobei ich NICHT den Canyonbesuch gemeint hätte…



Als ich zurück am Auto war, merkte ich, daß ich bei dem ganzen Spaß meine Sonnenbrille verloren hatte. So ein Mist, jetzt darf ich bei tiefstehender Sonne auch noch ohne Brille fahren. Das wird grauslich.
Das mit dem „vielleicht nicht tanken müssen“ hatte sich wenig später auch erledigt. Keine Ahnung wo der Mietwagen ohne mein Wissen so rumfuhr. Aber bis Oregon würde ich es nicht mehr ohne tanken schaffen. Ich gönnte dem Wägelchen 4 Gallonen. Mehr Geld wollte ich heute nicht ausgeben, schließlich stand der Dollar heute bei 1,08
Die restlichen eingegebenen Ziele cancelte ich. Bevor ich am Motel ankam, hielt ich zwar noch am Crescent Beach Overlook, aber viel sieht man da nicht. Zumal ohne Sonnenbrille…
Kurz nach 7 war ich wieder „zuhause“.



Morgen muß ich alles besser organisieren. Morgen mache ich nur den Parkway und vielleicht die Elchwiesen. Ganz entspannt. Ganz in Ruhe.
100km in 8 Stunden.



27.Mai 2015                                                                 15°C



Diese Nacht war besser. Acht Stunden Dauermistträumen.
10 Uhr hatte ich alles erledigt. Wetter gucken, Kaffee trinken, Bericht schreiben, Klo und Bad und anziehen und war am Auto.
Heute wollte ich es organisierter angehen, also fuhr ich erst ins Visitor Center hier in Crescent City.
Ich wollte mich heute nur auf das Teilstück des Newton Drury Parkways beschränken und dort alles abklappern, was ging. Vielleicht war ja auch der ein oder andere Küstenabschnitt dabei, ich würde es gleich erfahren.
Aber erstmal hab ich eine der älteren Rangerinnen verstimmt, als ich nach weiteren Passport Stempeln fragte. Sie hätte nur nein sagen müssen.  Stattdessen mußte sie für mich ins andere Gebäude laufen, um besagte Stempel zu holen, die eigentlich schon aus dem Programm genommen wurden.
Aber Schulze kann so hartnäckig sein…
Infos bekam ich anschließend natürlich auch und auch einen Hinweis, wo man gestern Wale gesichtet hatte.





Ich will jetzt nicht für jeden Haltepunkt ins Detail gehen und ausgiebig Beschreibungen liefern, das würde zu weit führen. Ich will nur erzählen, daß ich auf einem der kurzen Trails entlang des Parkways festgestellt habe, daß mein neues Handy schönere Fotos macht, als meine DSLR.

Das Problem, welches im Normalfall keines ist, war heute nämlich, daß stahlend blauer Himmel war und die Sonne das Knipsen zwischen den hohen Bäumen sehr anstrengend machte.

 












Das Auge kann Licht und Schatten gut auseinanderhalten, eine Kamera kann das nicht (besonders gut). Meine Spiegelreflex hat einen HDR-Modus und wenn man ihn benutzt, macht die Kamera 3 Fotos mit unterschiedlicher Belichtung und rechnet dann die drei ín ein Bild zusammen. Das Ergebnis ist dann deutlich besser, als würde ich einfach so draufzuhalten.



Und dann hab ich mal mein Handy rausgeholt und ein HDR-Foto gemacht.
Ich war schockiert.
Als würde man mit bloßem Auge schauen. Glasklar. Keine ausgefressenen Ränder. Keine schwarzen Stellen. Alles so, als würde das Handy mit 4 oder 5 Linsen gleichzeitig knipsen.



Und weil das Ausprobieren und Testen so viel Zeit in Anspruch nahm, war ich auf einem ¼-Meilen-Trail fast 1 Stunde unterwegs und hab immer wieder ausprobieren müssen, wie gut so eine Handykamera doch sein kann.









Das Wetter an der Küste konnte das alles natürlich nicht verbessern. Nebel ist nun mal Nebel, da kann man machen was man will.
Ebbe war heute 14 Uhr und auch jetzt, fast 16 Uhr konnte ich noch schön am Strand langstapfen und Wellenfotos knipsen.



Und wie ich da so stehe und gucke und sinniere, fallen mir kleine Bewegungen auf dem Strandabschnitt auf, der soeben vom Wasser überspült wurde. Sobald sich die Welle verzogen hat, fängt es überall an zu krabbeln. Kleine Krebse und Krabben gruben sich aus dem Sand drehten sich im Kreis und gruben sich wieder ein.

Ich hab verzweifelt versucht, Fotos davon zu machen, aber auf die Entfernung hin, war es ein aussichtsloses Unterfangen. Jedesmal, wenn ich mich näherte, verschwanden die Tierchen im Sand oder eine neue Welle kam gerade herangerollt.

Dafür blieben allerdings die Seeanemonen schön am Felsen sitzen. Meine ersten kleinen Tidepoolfotos dieser Saison.


Gegen 18 Uhr war ich zurück im Motel und mußte erstmal Millionen Fotos und Kurzfilmchen sortieren, damit ich auch morgen noch genügend Speicher im Handy habe. Wäre traurig, wenn ich es wegen Platzmangels nicht mehr nutzen könnte.
Ob ich es komplett gegen meine SLR eintausche?
Eher nicht.
Während der Fahrt knipsen geht mit einer Spiegelreflex besser.


 



Morgen geht es für 4 Nächte an die Küste Oregons und da freue ich mich schon riesig drauf.




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