Ich entschied mich für das Capitol.

 


Auf dem Hinweg brauchte ich 40 Minuten und für den Rückweg 52. Es war die Hölle.  Zum Glück darf man auf dem Rasen gehen und muß nicht zwingend auf den mit Schotter oder grobkörnigen Sand errichteten Wegen laufen. Da hatte ich nämlich das Gefühl, es würde sich jeder Stein einzelnd in meine Fußsohle bohren. Wo ist ein Taxi oder eine Rikscha, wenn man sie braucht?
Vor dem VC muß man sich anstellen, weil nur Grüppchen von max. 20 Leute gleichzeitig hineingelassen werden. Sicherheitskontrolle. Kein Essen. Kein Trinken. Keine Waffen.
Wo verbuddel ich die jetzt so schnell?

 


Meine leere Flasche hob ich auf. Auf der Mall sind jede Menge Wasserspender, da fülle ich sie nachher wieder auf. An den Ständen kostet eine kleine Flasche überall 2,95$ und das muß nun wirklich nicht sein.





Am Desk tauschte ich meinen Reservierungsausdruck gegen einen Aufklebebutton fürs Shirt und begab mich zum Eingang des Nordkinos, wo allen 15Uhr-Terminlern ein Film gezeigt wurde. Der war dann auch recht nett, wenn auch fremdsprachlich. Aber ok, war jetzt nicht weiter wichtig. Irgendwas über die Gründerstaaten und den Bau des Capitols.

     
   
 

Kopie der Statue, die sich weit sichtbar,
auf dem Capitol befindet

 
Was nach dem Film kam, war da schon besser. Ich hatte den richtigen Guide erwischt, der uns paar Hanseln unserer Gruppe etwas vom Capitol zeigt. (Nachdem man das Kino verläßt, muß man sich für einen Guide entscheiden, die wie an einer Perlenkette aufgereiht dastehen)
Reden konnte er sehr gut und witzig und ich verstand auch das meiste. Am Ausgang des Kinos bekam jeder ein Paar Kopfhörer mit „Sendemast“ in die Hand gedrückt, so daß unser Guide namens Finn, nicht schreien mußte. Er sprach normal und wir hörten ihn, wie eine Stimme aus dem Radio. War sehr angenehm.



Nach einer Stunde waren wir durch und mein Fazit: unbedingt machen. Ohne Guide kommt man nämlich nicht ins Capitol.
Den Rückweg hab ich dann mit Ach und Krach gemeistert, wobei ich mich kurz vor dem Washington Monument am liebsten auf die Wiese gelegt hätte, um zu sterben. Ich kroch wie eine 100jährige ohne Stock durch die Landschaft und traute mich gar nicht, nach oben zu sehen. Irgendwie kam nämlich der Parkplatz nicht näher. Hätte ich mich allerdings jetzt irgendwo hingesetzt und ausgeruht, wäre ich mit Sicherheit nicht mehr hochgekommen. Also setzte ich wie ein Wüstenmensch einen wunden Fuß vor den anderen und lief und lief und humpelte und kroch und hinkte 50 Minuten lang zu meinem Auto.




Ich hörte die Englein singen, als ich endlich auf dem Fahrersitz Platz nahm und die Schuhe und Socken auszog. Jetzt ein kaltes Fußbad…
Als ich im Motelzimmer war, war der erste Gang: ab aufs Bett und Füße hoch an die Wand. So blieb ich mindestens 30 Minuten lang liegen, bevor ich darüber nachdachte, wohin ich als nächstes kriechen soll.
Trotzdem war es ein schöner Tag. Vor allem erfolgreich was das Stempeln angeht. Ein wahres Fest.


Morgen mache ich langsam. Nur Auto fahren und nur zur Not aussteigen. Aber auf keinen Fall laufe ich weiter als bis zum Stempelkissen oder zur Zapfsäule.




                                                                                          


gefahrene Meilen:   22,5