Wenn du die Speisen ablehnst, die Brauchtümer ignorierst,
die Religion fürchtest und die Menschen meidest,
bleibst du besser Zuhause.

James Michener



Montag, 25. September



Ich durfte gestern nicht online bei Delta einchecken. Irgendwas mit Gouvernment und ich soll mich am Airport an einen Mitarbeiter wenden. Natürlich hab ich gegooglet, was die Gründe sein könnten und das schlimmste Szenario, welches mir angezeigt wurde, waren die 4 S, die auf mein Boarding Pass gedruckt werden konnten. Das bedeutete nämlich, ich muß zu einem Second Screening, weil ich als gefährlich eingestuft wurde. Terrorist und so.
Ob das jetzt stimmt, kann ich nicht sagen. Aber es war das erste, was ich las.
Wenn man in Chicago O’Hare ein Auto bei Alamo mietet, muß man übrigens auch an den Schalter. Ich konnte zwar online einchecken und die offerieren einen Choiceline, aber man bekommt kein Bypassticket.
Weiß der Geier, was diesmal für ein Wurm drin ist.
Diesmal fuhr mich Anna zum Flughafen und auch da gab es natürlich im Vorfeld jede Menge Trouble, da es bei uns in der Fa anscheinend nicht erlaubt ist, sich von Freunden und Bekannten und Kollegen zum Flughafen fahren zu lassen. Ich solle gefälligst mit dem Zug fahren, meinte mein Chef.
Manche Leute haben Vorstellungen…

Der Check In am Automaten war anders, als in den Staaten. Sie wollten hier die Adresse meines ersten Aufenthaltsortes wissen. Natürlich hatte ich in weiser Voraussicht einen Screenshot dabei, ansonsten wäre ich jetzt aufgeschmissen. So Infos hat normalerweise nur Margret. Und als die beiden Pässe, einmal Detroit und einmal Chicago ausgedruckt waren, sah ich das Desaster.
SSSS.
Halleluja.
Gute Nacht Marie.



Der Rest bis zum Gate verlief wie gewohnt. Erst muß man ein paar Fragen beantworten, wer den Koffer gepackt hat, was drin bzw. nicht drin ist, dann Koffer abgeben, Screening, das Gate suchen, warten und … dann sollte ich bitte mit Grenzbeamten mitgehen. Sie wollten mich noch einmal genauer unter die Lupe nehmen. Sylvi, der Terrorist. Das einzige, was nach Bombe aussah, waren meine Schuhe. Die arme Beamtin, die die untersuchte, wünschte sich in dem Moment sicher, sie hätte einen anderen Beruf gewählt. ;)
Das SSSS wurde nach erfolgloser Suche nach irgendwas Gefährlichem abgehakt und abgestempelt und ich konnte gehen. Was hatten die gedacht??? Nur weil ich so oft rüberfliege?
Im Gegensatz zum Flug im Mai sah ich diesmal Grönland. Vermutlich war es auch deshalb so kalt im Flieger.


Zu essen gab es für die hinteren Reihen nur noch Hähnchen mit Pesto, was gar nicht mal so übel war, auch wenn es aussah, wie schon einmal verdaut.
Drei Stunden später gab es noch einmal einen Kräcker-Käse Snack, den man abhaken konnte und eine Stunde vor Landung stopfte man noch eine vegetarische Pie in mich rein. Ach ja und ein Vanille-Schoko-Eis. Beides nicht wirklich unlecker. Doch, das war gut.
Zu trinken gab es reichlich. Und ich war froh, vor der Landung noch einmal aufstehen zu können. Wer weiß, ob es da unten in Detroit vor der Passkontrolle Klos gibt.
(Anm.: ja, gibt es)
Weil wir recht früh da waren, hatte ich 3,5 Stunden Aufenthalt. Die Hälfte davon ging für die Kontrolle und das Kofferprozedere und das erneute Screening drauf. Diesmal piepste der Scanner bei mir.



Gegen 17:30 Uhr Ortszeit war ich endlich in Chicago. Und mein Koffer auch. Alles, was jetzt kommt, ist rein optional. Solange ich mein ganzes Gepäck hab, ist alles in Ordnung.
Hier waren es übrigens um diese Uhrzeit noch 31°C und ich hatte viel zu viel an.
Bei Alamo war ich die Einzige. 99% der anderen Shuttlenutzer bevorzugten National. Mir wars Recht.
Chicago ist eines der größten Airports der Welt und hat keine Choiceline. Also nicht wirklich. Nicht so, wie man es gewohnt ist.
Die Dame fragte mich zwar, was ich haben möchte, konnte mir aber außer einem Jeep Compass, einem Nissan Rouge und einem Buick something nix anbieten.
Nach langem hin und herüberlegen offerierte sie mir ein 70$ Angebot für einen Ford Edge. Das ist das gleiche Auto, welches ich im Mai hatte und ich nahm dankend an, da es bei ihr als SFAR gelistet war. Listenpreis 900$. Ich bekam ihn für 667$.
Was ich hingegen dankend ablehnte, war der Tollpass. Die wollen tatsächlich 10$ für einen Transponder. PRO TAG !!!
150$, um die Expresslanes auf Tollroads zu nutzen?
Ticken die ganz richtig?
Ich zahle bar. So viele Mautstellen sind es diesmal nicht und es ist keine Stelle dabei, an der man NICHT mit Coins zahlen kann.
Alamo lag direkt unter der Einflugschneise des Flughafens und es war ein Mörderlärm, jedesmal wenn ein Flieger über meinem Kopf hinwegschwebte. Es waren kaum 100 oder 200m über Grund. Und hier gab es tatsächlich tausende Menschen, die hier in der Nähe wohnten. Wie halten die das nur aus?



Es war dunkel, als ich im Super 8 in Morton Grove ankam.
Was mich daran erinnert, zu schreiben, daß Margret3 ihren Test erfolgreich bestanden hat.
Aber dazu schreibe ich morgen was. Heute ist eh schon genug Text vorhanden. Und es ist Dienstag morgen 6 Uhr, was bedeutet: Hurry up
Ich hab heute 650km vor mir…


Dienstag, 26. September



20 Uhr war ich im Bett und 3 Uhr das erste Mal munter.
Ist ja immer das gleiche.

24h später:
Wäre ich im Bett geblieben, hätte ich sicher mehr zu berichten gehabt, was diesen Tag angeht. Ich hab gestern Abend vergessen auf den Meilenstand zu schauen, aber ich denke, es werden über 400 gewesen sein. Also etwas um die 700km. Das einzige, was in Erinnerung geblieben ist, das mein Hintern jetzt noch weh tut..
Ich fahre ja den ersten Tag immer nur durch die Gegend, um „anzukommen“ und die Lage zu checken, aber von Wisconsin über Illinois und Indiana nach Ohio war wohl dann doch etwas zu viel des Guten.



Dazu kam diese Hitze, die wir in Dt. schon seit Wochen nicht mehr hatten. 34°C Höchsttemperatur irgendwo mittig Indiana und ich in Sachen, die für den schottischen Hochsommer gemacht waren.
Angehalten hatte ich nur bei Ihop wegen des ersten Frühstücks der Tour, bei Wal-Mart für den Ersteinkauf, einem Stempel im Route 66 Museum in Joliet, Illinois und ein, zweimal bei McDonalds wegen Klo und Wifi.


Geplant hatte ich auch das Capitol in Indianapolis, aber das Parkhaus, welches ich einprogrammiert hatte, wurde wegen Feierabends (?) gesperrt bzw. als unzugänglich gekennzeichnet.


Dazu kam, daß es halb 5 war und ich eh nur noch 30min hätte und ich in der Rushhour unterwegs war. Und immer, wenn Margret meinte, mich links abbiegen lassen zu müssen, war ich auf der rechten oder mittleren Spur und hatte keine Chance, ihrem Willen nachzukommen. Das waren jetzt viele hättens und würdens und das klang nach Ausreden und eigentlich stimmt es auch. Zumindest für einen Teil. Ich hätte woanders parken können. Es gab noch ein Parkhaus. Und die erste Stunde kostete da nur 11$..
Ich verzichtete auf den Stempel des Capitols und machte mich auf den Weg nach Dayton, Ohio, wo mein Bett für heute stand.


Wenn jetzt noch jemand wissen möchte, wie es denn so in Wisconsin, Illinois, Indiana und Ohio aussieht, dann fahr doch einfach mal von Hessen nach Ostsachsen. Den Großraum Chicago, durch den ich mußte, wird man da zwar nicht finden, selbst wenn man Frankfurt mit reinnimmt, aber der Rest kommt fast hin.
Es ist alles recht aufgeräumt, geradlinig, leicht hügelig, grün, viele Felder und Farmen aber wenig Wälder. Wobei wir dann in Thüringen ein Problem hätten…
Ach egal.




Der Tag war jedenfalls perfekt dafür geeignet, um mein normales Leben für eine Weile zu vergessen. Man ist während der Fahrt viel zu sehr damit beschäftigt, den richtigen Radiosender zu finden, weil Sirius mal wieder nicht freigeschalten war.
Morgen sind es zwar auch wieder 500km, aber es gibt deutlich mehr zu sehen. Hoffe ich.

 
Illinois, Wisconsin, Indiana und Ohio an einem Tag