Freitag, 6. Oktober

 

Geplant waren heute 7 Dinge. Den Grenzübertritt heil über die Bühne bringen, 3 Leuchttürme, eine Präsidentenbibliothek, ein Ford-Museum und eine vorgelagerte Insel vor Detroit, von der aus man die Skyline sehen konnte.
Als ich an der Grenze ankam, war 13 Uhr. Und ich stand im Stau.
8 Lines waren geöffnet und es ging nicht vorwärts.


Ich fing also an, Punkte zu löschen. Die Bibliothek mußte als erstes dran glauben, da sie etwas außerhalb Detroits lag.
Die Brücke über den St. Clair River kostet übrigens 3$/4CAD$ Maut und man kann bar bezahlen.
Und dann kam die Stunde der Wahrheit und ich fuhr zum Officer vor. Es genügte 1 Millisekunde und ich wußte: harte Nuss.
Ich erinnere mich an die Grenzüberfahrt 2007 südlich von Vancouver, als mein englisch noch grottig war und ich außer Nuschelei nichts verstanden hatte. Es war das schimmste während meiner ganzen USA-Reisen. Naja, bis auf die Flugausfälle in 2010.


Jedenfalls nahm Mr. Officer, als er meinen Pass und die Stempel sah, Anlauf und feuerte in gefühlten 10 Minuten so viele Fragen in meine Richtung, daß ich mir schon nach 10 Sekunden wie eine Schwerverbrecherin vorkam.
Wo wohne ich?
Wo genau?
Wo war ich jetzt?
Wie lange?
Was habe ich in Kanada gemacht?
Wo fahre ich heute hin?
Für wie lange?
Ich hab viele Stempel und bin oft hier, wieso?
Was mache ich beruflich?
Habe ich hier Verwandte/Freunde? (Würde er mich kennen, wüßte er, daß sowas wie ich, keine Freunde hat)
Wann war ich das letzte Mal in den USA?
Wo genau?
Für wie lange?
Wie lange bin ich jetzt hier?
Habe ich in Kanada irgendetwas aufgelesen?
Gute Fahrt.
Sach maaa…
Geht’s  noch?

Noch nie hatte ich mich über den Anblick eines Leuchtturmes so gefreut, wie 3 Minuten später.


Ich war puterrot und brauchte mindestens eine Stunde, um wieder runterzukommen. Und eine Tüte voll Chicken Nuggets, Fries und einen Live Chat mit Anna.
Armes Kind. Wußte gar nicht, was ihr geschieht. ;)
Es war 14.30 Uhr, als ich weiter Richtung Süden fuhr.
Leuchttürme 2 und 3 wurden gecancelt.
Es regnete übrigens seit 3 Stunden.
Das Ford Museum wollte 22$ Eintritt.
Es war 16 Uhr und ich hatte keine Lust mehr.
Kein Museum.
Keine Stadt.
Ok, auf die Insel fahre ich noch und schau mir die Stadt von außen an, aber dann will ich nur noch ins Motel und schlafen.
Um auf den Sunset Blvd zu fahren, muß man Eintritt zahlen.
Ach Kinder, wißt ihr es immer noch nicht?
Ich zahle nichts für Sachen, die man nicht sieht. Und ich meine damit die Skyline. Es regnete, die Wolken hingen auf halb 8 und man sah nichts. Würde nicht an jedem Schild Detroit dranstehen, man wüßte nicht, daß man hier ist.
Oder doch?
Auf der Fahrt zum Motel kam ich nämlich an jeder Menge ruinösen Eigenheimen vorbei und dachte mir nur so: das nächste Mal planst du deine Route etwas gründlicher.


Im Zimmer des Super 8 tropfte mal wieder der Wasserhahn der Dusche und so entschied ich mich, 8$ draufzulegen und gönnte mir ein Kingsize Zimmer im dritten Stock.
Im Outlet direkt nebenan gabs dann später auch nicht, daß was ich wollte, der Tag endete also, wie er den ganzen Tag schon gewesen war. Überflüssig

 


Samstag, 7. Oktober

 

Stempeln und shoppen.
Noch 2 Nächte.

Der Tag heute hatte mir von Anfang an Kopfzerbrechen bereitet, da es heute absolut nix zu sehen geben würde. Klar, 2-3 Orte zum Stempeln, aber nix fotogenes. Nix zum Erzählen. Ich fahre einfach nur von Michigan über Ohio nach Indiana.
Und fast wäre es auch so gekommen.
Die Stempelei war nicht der Rede wert und auch die Orte. Was heutzutage alles Monumentstatus bekommt, ist wirklich eine Zumutung. Mag ja sein, daß an bestimmten Plätzen vor Jahren wichtige Sachen passiert waren, aber ein Besucherzentrum an ein Feld oder an einen Weg stellen, an dem früher einem Einheimischen der Schnürsenkel aufgegangen war, finde ich jetzt mehr als…
Landschaftlich war es da schon eher was. Natürlich war ich nicht in Oregon oder Utah, aber trotzdem war es hübsch. Die Menschen hier lieben den Oktober. Überall liegen Kürbisse herum oder man bereitete sich auf Halloween vor. Ich hatte gute 300km Landstraße vor mir, weil der Highway ein Turnpike war und 300km Mautstraße kostet sicher eine Stange Geld.
Ich machte es mir also hinter dem Lenkrad gemütlich und wollte 3 Stunden lang Felder und Farmen gucken.
Apropos Farmen. Davon gab es hier so viele, daß einige Schilder aufstellten mit den Worten: Pick your own.


Und das ließ sich Sylvi kein zweites Mal sagen.
Es war Apfelzeit und Sylvi pickte 4 verschiedene. Ob man sie bezahlen mußte? I have NO idea
Zwei meiner Daheimgebliebenen verlangten nach Kürbissen. Ich meinte: klar, im Handgepäck ist noch Platz. Kein Ding. Trägst DU?
Und dann war plötzlich die 20A gesperrt und ich entschied mich schweren Herzens Turnpike zu fahren.
Am Ende kostete es mich 5,70$ für ca. 200km. Ich finde, das kann man mal machen.
Bezahlen kann man, bis auf Illinois auch immer cash, denn das war mir wichtig. Ich hatte nämlich bewußt auf den Toll Pass verzichtet. 150$ für 15 Tage waren mir damals eindeutig zu viel. Wer sich die Preise wohl ausdenkt?
Ich war viel zu früh am Ziel und entschied mich, shoppen zu gehen. Natürlich nicht für mich. Ich handle nur im Auftrag, der auch nach 1 Stunde ausgeführt war. Noch ein bisschen rumschlendern und staunen, für was hier Leute alles Geld ausgeben und schon war es 17 Uhr und Zeit für’s Motel.


Jeden Abend schaue ich noch einmal nach, ob Margret die richtigen Daten eingespeichert bekommen hat und ob ich evtl. noch Änderungen vornehmen muß und heute war es soweit: durch Zufall zeigte mir google an, daß morgen der Chicago Marathon stattfindet und dadurch zig Straßen gesperrt sein werden. Vom Besucherandrang mal ganz zu schweigen. Und das war ein Problem.
Ich hatte ursprünglich den ganzen Tag für Chicago eingeplant und war jetzt etwas ratlos. Es gab hier sonst ja nix.
Ok, die Indiana Dunes, aber dann hörte es auch schon auf.
Ich beschloß daher, einfach länger zu schlafen und noch eine Mall zu besuchen. Ich brauchte schließlich noch was für den Winter.
Ich hasse shoppen.
 

 

Sonntag, 8. Oktober

 

Hatte ich eigentlich schon erwähnt, daß ich in den ganzen 2 Wochen nur Sonne hatte? Also an relevanten Stellen.
Es regnete immer nur dann, wenn ich schlief oder ich unterwegs war und eh nichts anschauen konnte. Aber in den Städten, bis auf Detroit, schien immer die Sonne. Niagarafälle, besser hätte es nicht sein können. Die großen Seen… alles warm und sunny.
Der Marathon sollte bis ca. 15 Uhr gehen. Ich mußte mir heute also Zeit lassen. Mit allem.
Also stand ich erst spät auf, schlenderte ewig am Michigan See entlang, an dem übrigens viele Einheimische einen Strandtag einlegten. Mitten im Oktober. Bei 19°C.
Kalt?



Oh nein. In der Sonne, und Schatten gab es hier keinen, waren es gefühlt mindestens 28°C. Dazu wehte kein Lüftchen. Es war herrlich!
Wenn man bedenkt, was hier im Winter los ist, dann sollte es langsam losgehen mit der Kälte
Am Pullman NM fand ein Oldtimertreffen statt. Nicht so meine Welt, aber ich durfte erst 15 Uhr in der Stadt sein. Also schlenderte ich auch hier.
Und dann später in einer Mall, von denen es hier sicher auch noch größere gab, aber ich will mal nicht meckern. Ich bekam 2 Hosen zum Preis von einer und sie saßen perfekt.
14 Uhr.
Ok, ich mache mich dann mal auf den Weg ins Chaos.