Mittwoch, 27. September



Für heute waren wieder 33° gemeldet. Was bedeutet, daß man hier den Begriff Herbst noch nie gehört hat. Solche Temperaturen schaffen wir in Dt. allerhöchstens im Juni, wenns hoch kommt. Und dann auch nur vormittags.




Gestern Abend hatte ich noch etwas gegooglet, was man evtl. heute noch mit zur Route dazu nehmen konnte und da las ich: Air Force Museum, Entrance free. Das größte seiner Art. Und da ich eh in die Richtung muß, wieso also nicht?
Im Grunde besteht der restliche Tag eh nur aus Stempeleinsammelei. Erst bei der Aviation Heritage Area, was bedeutet, hier kamen die Wright Brothers her, auf deren Spuren ich schon vor 3 Jahren in South Carolina gewandelt war. Hier gab es allerdings nichts weiter zu sehen, als ein Besucherzentrum und ein Denkmal. Nichts von Bedeutung also.


Für die, die nicht wissen, wer die Wright Brothers sind: es waren die Erfinder des Fliegens. So mit Handkurbel, Aerodynamik und so.
Was dann später daraus gemacht wurde, konnte man sich bei der Air Force ansehen.


Ein riesen Gelände. Riesige Hallen. Und ein Opa am Info Desk, der nicht glauben konnte, daß ich nur eine Stunde Zeit hatte und ich die paar Meter zu Fuß schon schaffen werde.
„Bis zur letzten Halle ist es mindestens eine viertel Meile. Das schafft man nicht, wenn man nur eine Stunde Zeit hat“.
Taschenrechner. Kopf. Viertel Meile = 400m.
Willkommen in den Vereinigten Staaten des Auto fahrens.
Ich greife jetzt mal vor: Ich war in 45min durch.


Natürlich gab es hier eine Menge Altlasten und Sperrmüll historische Flugzeuge und Raketen zu sehen und viele davon konnte man sich auch von innen ansehen, aber schon nach 15 Minuten kam ich mir hier vor, wie auf einem dieser alten Schlachtschiffe, die nur noch vom Rost zusammengehalten wurden.

In Kalifornien war ich 2013 in der Air Force One gewesen, in der man nicht fotografieren durfte und es war schon interessant da drin. Hier stand auch eine One, nur war sie ein paar Jahre älter. Ich schätze aus den 60ern…?
Man durfte hinein und Fotos machen. Aber es war nicht das gleiche. Alt und staubig und wenig pompös.


Wie gesagt, nach ner knappen Stunde war ich fertig. Noch ein, zwei Fotos von den Wright Fliegern und Auf Wiedersehen Dayton, Ohio.
Der nächste Halt war „eingeklemmt“ zwischen 2 Gefängnissen. Rechts eins für die kleinen Betrüger, die grad alle Hofgang hatten und links ein Hochsicherheitsknast, wo man schon genau hinsehen mußte, um Menschen zu erkennen. Ein schrecklich anzusehender Ort. Wer da den Rest des Lebens…
Im Hopewell Culture NHP war ich 5 Minuten. Alles, was man hier sah, war eine Wiese mit Hügeln. Historisch gesehen vermutlich genial, aber für mich waren es nur Grashaufen. Geschichtslehrer mögen mir verzeihen.


Kurz vor der Abreise hatte ich mir IOS11 installiert und im State Park, in dem ich jetzt unterwegs war, bereute ich die Installation. Eine der wichtigsten Apps, die ich auf Reisen nutze, funktionierte nicht und ein Update schien nicht geplant zu sein. Ich war ein klein wenig sauer.
Die App heißt LongExpo und man konnte so kinderleicht Schleimspurfotos machen. Also solche, wo das Wasser wie Brautschleier aussieht und da ich hier Wasserfälle knipsen wollte…
Aber was solls.
Such ich mir halt eine andere App.
(Anm.: kostenlos gibt’s nur Müll. Ich hab mir für 2€ SlowShutter geleistet)
Apropos knipsen wollte…

Den ersten Wasserfall hab ich gefunden. Wobei Fall nicht wirklich zutreffend war. Fällchen würde es eher beschreiben. Allerdings war der Ort des Geschehens schon recht ansehnlich, gäbe es nicht Familien mit mehr als 12 Kindern. Der Wasserfall stürzte plätscherte eine Art offene Arena herunter und die Akustik war immens. Jedes gesprochene Wort klang wie mit Mikrofon gesprochen und was das für plärrende Kinder bedeutete, kann sich jeder Vorstellen. Vom Fällchen hörte man nix…



Der zweite Wasserfall war unzugänglich, bzw. die Parkplatzzufahrt war gesperrt und auch die sonstige Ausschilderung war eher beschissen. Dazu kamen die 33° im Schatten.
Es war 14 Uhr, als ich mich auf den Weg ins Motel machte. Normalerweise wollte ich noch zum Capitol in Columbus, aber es waren noch über 200km zu fahren und ich hatte keine Lust auf Berufsverkehr.
Daß diese Entscheidung das weiseste war, was ich heute entscheiden konnte, wußte ich erst, als ich gegen 18Uhr im Motel ankam.
Sobald ich das Zimmer betrete, tu ich immer das gleiche. Kühlung ausschalten oder Heizung an. (Es waren gefühlte 15° im Zimmer und die Klima lief auf Voll), danach Gardinen öffnen, Foto des Zimmers schießen, zum Auto gehen und mein Gepäck holen. Alles auf dem zweiten Bett verteilen.
Notebook anschalten, Klo, Hände waschen, Frisur ignorieren, Essen auf den Tisch, whatsapp beantworten.
Das Notebook hatte noch 67% und ich dachte, ich könnte es ja an den Strom anschließen. Doch leider war dieses Zimmer recht antiquiert, was bedeuete, Steckdosen sind Mangeware und meistens versteckt hinter dem Bett und belegt.
Lange Rede, kurzer Unsinn, der Stecker blieb nicht stecken, so wackelig und ausgeleiert war hier alles. Irgendwann hatte ich den Adapter in der Hand und nicht nur in einem Teil, sondern zerbröselt. Ist nicht weiter tragisch, hab ja noch mehrere von denen. Doch leider passte der Stecker des Verlängerungskabels (und auch des NB’s) nicht in den Adapter. Die Löcher waren 1mm zu schmal.
Ich hatte also keine Möglichkeit, mein Notebook aufzuladen. Und es sind noch knappe 2 Wochen bis zur Heimreise. DAS GEHT NICHT !!!


Ich runter zur Rezeption und gefragt, ob er einen Laden wüßte, wo man sowas kaufen kann. Normalerweise google ich nach Radioshack, aber diese Läden scheint es in Ohio nicht zu geben. Die Lösung war Best Buy und nur 11 Meilen entfernt.
Es war halb 8, als ich mich auf den Weg machte und 30 Minuten später war ich 26$ los. Sechsundzwanzig Dollar, was ich in falscher Größe im Zehnerpack bei Ebay für 5€ bekomme. Unglaublich.
Aber was solls. Hatte ich eine Wahl?



Donnerstag, 28. September



5 Uhr und immer noch dunkel.
Gestern hatte mich ein Ex-Arbeitskollege via whatsapp darüber informiert, daß sein geplanter Flug nach Australien gecancelt wurde und er auch das Geld nicht zurückbekommt. Er wollte mit Air Berlin fliegen. War wohl damals ein Schnapper gewesen.
Jetzt nicht mehr.
Jedenfalls fragte er mich, da ich mich seiner Meinung nach mit weltweiten Flügen auszukennen schien, ob ich mich nicht mal umschauen kann, ob er für günstig nach Brisbane kommt.
Und da es noch dunkel war, begab ich mich auf die Suche und mit dem Ergebnis, daß ich vermutlich nie nach Australien komme. Da ist man ja mindestens 30 Stunden Oneway unterwegs. Nööö. Bei aller Liebe, aber auch ich hab meine Grenzen.
Und wenn man nicht gerade mit einer Reisfresserairline fliegen möchte, ist man kaum mit weniger als 1200€ dabei. Nix für Sylvi.





Heute geht es in einen Nationalpark, der in vielen Foren als überflüssig betrachtet wird. Bin gespannt.






Ich greif mal vor.
Keine Ahnung, weshalb das ein Nationalpark ist. Wäre es ein State Park oder ein City Park, würde ich es verstehen, denn da war es recht hübsch und aufgeräumt, aber ich finde, um ein Nationalpark zu sein, braucht es mehr, als nur unkaputte Häuschen und Stromschnellen.
Während der ganzen 4 Stunden, die ich da zubrachte, hab ich einfach jede Stempelstelle, jeden Aussichtspunkt, jedes Besucherzentrum und jeden sonstigen wichtigen Punkt angefahren und habe nach dem Grund gesucht, weshalb der Park wichtig ist.


Fazit: es war ein schöner Tag und es gab viele schöne Fotos, aber einmal genügt.
Die „bekannte“ Brücke hab ich übrigens nicht gefunden. Erst dachte ich ja, es ist das Viadukt, aber es gab keine Möglichkeit, es von der anderen Seite zu sehen und irgendwie war es das auch nicht. Viel zu sehr zugewachsen.
Eigentlich war es das schon für heute.


Cleveland hab ich ausfallen lassen. Keine Lust, nach soviel Natur und Steine im Fluß Knipserei auf Großstadt im Berufsverkehr.
Wenn das so weitergeht, muß ich den Bericht noch umbenennen. Irgendwie hab ich bisher alle Skylines ausfallen lassen.
Morgen geht es zur US-Seite der Niagarafälle und es ist Regen vorhergesagt. Bin gespannt..