Montag, 2. Oktober

 

Ich wußte ja, daß es nix bringt, noch einmal online zu versuchen das Ticket zu bezahlen. Aber manchmal…ich meine, es könnte ja… Neee, konntes nicht.
Ich packte also gegen halb 9 meinen Krempel zusammen und stapfte zur Rezeption, an der heute auch ein übereifriger Herr stand, der nicht wirklich zuhören konnte.
Die Dame, die mir gestern half, war grad am Telefon, also erklärte ich ihm, was das Problem war.
Er wählte die Nummer, drückte die 1 und reichte mir das Telefon, in dem eine mir unbekannte Dame auf französisch…
Ok Junge, wenn du nicht helfen willst, warte ich eben, bis Miss Afrika mit telefonieren fertig ist. SIE versteht mich.
Während sie also mit dem Amt kommunizierte und sich per Tasten durch das Menü klickte, putzte er sämtliche Tastaturen mit Feuchttüchern. Danach die Telefonanlage und die WalkiTalkis, danach die Tischplatte, die Kugelschreiber und als er fertig war, begann er erneut.
Das Ergebnis des Telefonats war: ich bin zu schnell mit bezahlen, denn Tickets vom Wochenende sind noch nicht im System, ich solle doch bitte persönlich vorbeikommen und es in Person bezahlen. (Dachte ich mir fast)
Die Adresse hatte ich gestern schon rausgesucht und hätte ich gewußt, daß es so einfach war, Strafzettel zu bezahlen, wie in diesem Office, hätte ich mir die ganze Online- und Anrufquälerei gespart.
Ich war die einzige Person in diesem Office am Montagmorgen und in 1 Minute war ich 55$ los. RatzFatz.


Als ich weiter meinem Urlaub nachging, stellte ich mir die Frage: was wäre gewesen, hätte ich das Ticket an einem Freitagnachmittag kassiert und wäre nicht 2 Nächte geblieben, sondern nur eine? Wie hätte ich es dann bezahlt?
Den restlichen Tag verbrachte ich dann in der kanadischen Wildnis.
Und zwar unter Zeitdruck.


Ich war im Algonquin Provincial Park unterwegs, der einer der schönsten und bekanntesten Parks in Kanada sein soll und ich kam erst gegen halb 3 Uhr dort an. 18 Uhr geht die Sonne langsam unter, was bedeutet, ich hab 3 Stunden für 60km Strecke und 15 Wanderwege, Seen, sämtliche Elche und Bären und bunte Bäume. Das wird eng.


Am East Gate schnappte ich mir eine Karte des Parks und überlegte während der Weiterfahrt, wo ich alles anhalten werde.
Normalerweise denkt man, 60km sind lang, aber irgendwie jagte hier ein Parkplatz und ein Wanderweg den nächsten und kaum sah man ein Schild und mußte entscheiden, anzuhalten oder weiterzufahren, kam schon das nächste und irgendwie waren in 30 Minuten 30km abgespult und ich hatte nicht einmal gestoppt und irgendwie war es hier weniger bunt, als das Internet auf der Fall Foliage Seite für Ontario ankündigte.


Für alle Wanderwege war auf der Karte die Länge angegeben und wieviel Zeit man dafür einplanen sollte und es war nur ein Weg dabei, den man unter einer Stunde schaffte, doch da gab es lt. Karte keinen See und was will ich durch den Wald stapfen? Ich will Elche !!!
Erst 10km vor dem West Gate hielt ich das erste Mal, weil es da Stromschnellen geben sollte und sowas knipst sich immer ganz nett.
Der Rundweg war 2,5km lang, aber man sah, daß man schneller war, wenn man zum Fluß lief, knipste und den gleichen Weg zurück nahm.
Ich kürze jetzt mal ab.
Ich war enttäuscht.


Der Spaziergang hat mir außer Herzrasen und verschenkter Zeit nix eingebracht.
Der ganze Park war eine einzige Enttäuschung, was aber auch am Zeitmanagement meinerseits lag. Trotzdem möchte ich nicht 3-4 Std einen Trail laufen, wenn ich nicht weiß, was man da sehen kann. Das Interessanteste war noch der kurze Stopp vor Privatgelände, weil da ein Wasserflugzeug parkte.
Den Rest des Parks besuche ich nochmal, wenn es WIRKLICH bunt ist.
Kurz nach dem West Gate gibt es noch einen kleineren Park mit einem großen Wasserfall und endlich gab es für mich was zu tun. Klettern und knipsen. Ich war in meinem Element.
Und 10 Chinesen auch.
Ist man denn nirgendwo vor denen sicher?

 


Kurz vor 7 war ich im Motel.
Auch wieder ein schönes und Terrasse hatte ich ebenfalls. Nur leider war es hier schon sehr herbstlich zum draußen sitzen.

Fazit: man sollte Entfernungen in Kanada nie unterschätzen.

 

Dienstag, 3. Oktober

 

Kaum hatte ich heute Morgen die Hälfte meiner Whatsapp gecheckt, kackte das Wlan ab. Und kam auch nicht noch einmal wieder. Glücklicherweise hatte ich gestern Abend schon den heutigen Tag fertig recherchiert und an Margret weitergeleitet. Das wäre sonst in einem Desaster geendet.

Was den Tag anging, machte ich mir ein wenig Sorgen. Erst einmal hatte ich das Gefühl, zu viel Zeit für Toronto eingeplant zu haben und zweitens war auf der Fahrt von meinem jetzigen Motel nach Toronto irgendwie nix zu sehen. Also rein plantechnisch.
Ich hab also Margret einfach einen Umweg einprogrammiert, so daß ich ein paar Seen mit auf der Route hab und ein paar Felder und bunte Bäume und so Kram. Mal schauen, ob ich was typisch klischeehaft Kanadisches zum Knipsen finde.

Die ersten 100km waren dann auch durchaus sehenswert. Alles war schön bunt und hügelig und voller Seen und hübscher Dörfchen und es war alles halt kanadisch. Das Problem war nur: wie zeigt man die Szenerie auf Fotos?

Es ist schlicht nicht möglich, weil man nicht Straße, Himmel, Dorf, bunte Bäume, Seen und Kürbisstände zusammen bekommt. Irgendwas fehlt immer, und wenn es nur die Möglichkeit ist, unterwegs anzuhalten.
Die letzten 100km hatte ich so geplant, daß ich durch Farmland fahre. Also auf diesen Straßen, die am Reisbrett entworfen wurden. Man fährt die ganze Zeit Zickzack und geradeaus und sieht nur Felder und Farmen und Kühe und Ställe und… Mir hat es gefallen.
Was hier in Kanada übrigens anders ist, als in den USA: hier gibt es unterwegs keine Toiletten. Man sollte sich also vorher überlegen, wie viel Kaffee man trinkt.
Glücklicherweise gibt es auch hier in der Pampa McDonalds.