Gegen 3 Uhr war es dann soweit. GTA kam näher. Und es sah schon aus 50km Entfernung gigantisch und gewaltig aus und da wollte ich freiwillig hin? Ich mußte bekloppt sein…
GTA bedeutet übrigens: Greater Toronto Area. Quasi Ruhrpott.
Ich mag ja keine Städte. Also Großstädte. So was wie das hier, wo am Ortsschild steht: Welcome to Toronto. Population: 2.260.000
Kann einem Bungee Jumping den Puls höher treiben?
Glaub kaum.


Den CN Tower sah man schon, da meinte Margret, daß es noch 50km wären. Das Teil muß also wirklich riesig sein. Riesig waren auch die vielen Baustellen und genau so eine Baustelle befand sich an der Abfahrt zum Hafengelände, wo ich mein Auto parken wollte. Und ab dem Moment war Margret hoffnungslos überfordert.
Da die Abfahrt gesperrt war, nahm ich die nächste und mußte ja irgendwie wieder paar Meter zurück und diese Zurückstraße verlief exakt unterhalb der Straße, die ich gekommen war. Margret meinte also immer noch, ich befinde mich auf der Hochstraße und wollte mich rechts abfahren lassen, dabei mußte ich irgendwann links Richtung Ferry. Man, was für ein Drama. Nach der dritten Fahrt um den Block hatte ich den Dreh raus und schwupps, konnte ich auf den Parkplatz fahren, der mich 16 Dollar den ganzen Tag kostet. Umgerechnet sind das ca. 11€. Geht noch.


Da es morgen ab Mittag regnen sollte, dachte ich, ich mache heute schon das mit der Fähre und Centre Island und das Knipsen der Skyline. Wer weiß, wie das Ganze morgen aussieht. Sicher nicht so prickelnd. Morgen will ich dann auf den Tower und mal sehen, was google noch so zu Toronto sagt.
Die Fähre fährt alle 45 Minuten und kostet 7,71CAD$. Wer sich den Preis wohl ausgedacht hat?
Es gibt 3 Fähren, weil es 3 Inselteile gibt, die aber alle für Fußgänger über Brücken miteinander zu erreichen sind. Wäre also egal, welche Fähre man nimmt.
Die Fahrt auf die Insel dauert ca. 10 – 15 Minuten und man hat immer Platz, um Fotos zu machen. Man muß sich nur durch eine Armee von Chinesen boxen.
Ich frage mich grad, weshalb das höchste Gebirge der Welt noch in China zu finden ist. Normalerweise hätte es lange niedergetrampelt sein müssen. Die Leute nehmen nämlich wirklich auf gar nix Rücksicht.


Auf der Insel blieb ich dann Mangels irgendwas anderes zu sehen, als die Skyline nur bis zur nächsten Fährabfahrt. Den CN Tower hatte ich nun genug mit allen möglichen Vordergründen geknipst. Irgendwann wird’s auch langweilig.
Zurück an Land war ich dann gegen halb 6 und die Sonne stand gerade so tief bzw. noch hoch, daß ich im Hellen am Motel sein würde. Zum Glück lag es Richtung Osten. Durch die Stadt fahren mit Sonne im Gesicht ist schlimmer, als betrunken nachts durch Manhattan zu fahren.


Das Motel hatte in den 40ern schon seine Zeit hinter sich. Das Zimmer war… Ok, lassen wir das. Und das Fenster konnte man auch nicht öffnen.
Ich war grad dabei mein Auto auszuladen, als eine cinesische Armee die Rezeption stürmte. 
Gott, die sind auch überall.
Und dann stehen sie im Gang vor deinem Zimmer, versperren einen den Weg, schreien und plärren und meinen, sie wären alleine auf der Welt.
Man, benehmt euch !!! 

Fazit: wenn ich Toronto schaffe, schaffe ich am Wochenende auch Chicago..

 

 

Mittwoch, 4. Oktober

 

Ich hatte Kopfschmerzen.
Ein Gefühl, daß die Menschheit nicht braucht.
Hatten Tiere Kopfschmerzen?
Das lag bestimmt an Toronto. Die Stadt macht einen fertig und das schon nach 12 Stunden. Hier ist es ja quasi wie New York. Wenn man mit etwas überfordert ist, dann zeigt der Kopf einem das auch.
Nicht, daß ich jetzt Toronto als schlimm oder anstrengend empfinde, es ist hier nur so schrecklich groß und voll und ich muß jede Menge verarbeiten. Außerdem ist das Motel, in dem ich hier übernachte, nicht gerade sternewürdig.
Die Hütte ist älter als ich, die Tapete kommt von den Wänden und die Fenster sind nicht zu öffnen. Ich hab das Gefühl, keine Luft zu bekommen. Vermutlich ist es das.

Was stand heute an?
Toronto im Detail.
Wenn man das so sagen kann.
Ich hatte nichts weiter vor, als auf den CN Tower zu fahren und danach mal sehen. Vielleicht ins Aquarium, um wieder „runterzukommen“? Ein Stadtbummel?
Leute gucken?
Zum Frühstück gab es ein Blätterteigteilchen und eine Banane. Vielleicht gibt’s später in der Stadt noch was Richtiges. Pizza wäre mal fein.

Die Fahrt in die Stadt führte mich durch alle möglichen ethnischen Viertel. Griechisch. Italienisch. Persisch. Indisch. LGBTQ+ und welche Farben auch immer.
Ein bunter Haufen sozusagen. Und es störte mich nicht im Geringsten, daß man hier nur 40 fahren durfte.



Den Parkplatz von gestern fand Margret heute auf Anhieb, auch wenn es des Öfteren hinter mir hupte. Ich glaube, ich hab während der Fahrt durch Downtown jede Verkehrsregel gebrochen, die es nur zu brechen gibt. Sirenen hatte ich aber nie gehört.
Der Parkplatz zwischen Lake Ontario und dem Tower kostet 16CAD$ den ganzen Tag und es war der Günstigste, den ich hier ausmachen konnte. Für so eine riesige Stadt ist es ein wahres Schnäppchen, was man vom Tower und später vom Aquarium nicht behaupten konnte. 40$, um sich die Stadt von oben anzusehen, ist eine Frechheit. Dagegen waren die 37$, um sich Haie anzusehen, recht günstig, denn da verbrachte ich später fast 2 Stunden, während der Turm in 50 Minuten abgehakt war.



Nicht das die Aussicht übel gewesen war, nein, im Gegenteil, aber … Naja, ihr wisst schon.
Bevor man hochgefahren wird, wird jeder Besucher fotografiert und auf meine Frage später, was denn das Foto kostet, meinte der Deskmann: it’s startet from 31$..
Ich dankte herzlich.
Bei 40$ hätte das hässliche Foto von mir inklusive sein sollen. Eigentlich hätten sie mir Nachlas gewähren müssen, so wie ich auf Fotos immer aussehe.
Aber nun gut.





Wieso ich, statt mir die Stadt reinzuziehen, lieber Fische gucke?
Weil ich Aquarien mag.
Und wieso soll ich hier was tun, was alle tun?
Mit einem überteuerten Kaffee in der Hand durch die Innenstadt rennen? Nööö.
Ich hab ja in meinem Leben schon einige Aquarien gesehen, aber das hier war der Hammer und jeden $$$ wert. Das einzig Negative war Familie Flodder. Die taucht auch immer gerade da auf, wo ich mich in der Welt befinde. Die haben hier alles zusammengeschrien, was es nur zum Schreien gibt. Haben Fische Ohren? Dann erlebten sie sicher heute das Trauma ihres Lebens.
Der Rest war gigantisch. Dieser Tunnel, durch den man laufen oder auf einem Rollweg (?) fahren konnte, war der Hammer. Umgeben von Haien und Rochen und Turtles. War schon toll.



Als ich das Aquarium verließ, war draußen alles nass. Schien geregnet zu haben. Ich sag mal so: perfektes Timing.
Den restlichen Tag schien ab und an die Sonne und es war ein Klima wie in New Orleans. Ob denen hier im Norden mal jemand sagen sollte, daß es Oktober ist?
Die Innenstadt an sich bestand nur aus Wolkenkratzern, Restaurants und Anzugträgern. Letzteres war das Ansehnlichste. Meine Güte, sowas bräuchte wirklich ein Waffenschein, um hier langlaufen zu dürfen. Gott, ich lebe auf dem falschen Kontinent. Sowas in Koblenz und ich wäre mit Sicherheit schon 10x verheiratet gewesen.
Nacheinander.
Zeit für einen Besuch in der Kirche…


Zum Glück sind Gedanken frei.

Zeit für Lunch. Oder war es jetzt Dinertime?
Keine Ahnung. Aber der Vietnamese kam mir gerade recht. Ich wollte diese Küche schon lange einmal probieren und ich war dankbar für jede Hilfe, als ich die Speisekarte studierte. Ich hatte KEINE Ahnung, was ich wollte.
Am Ende war es eine süßsaure Suppe mit Ananas, Hühnchen, Staudensellerie und noch was komischem. War gewöhnungsbedürftig. Der Hauptgang war da schon eher was. Wenn man die Möhren weggeräumt hatte. Rind mit Reis und Pak Choi und Zuckererbsen und Brokkoli.
War ok. Das nächste Mal nehm ich aber was anderes. Irgendwas mit Nudeln und weniger Essig.
Gegen 17 Uhr habe ich mich wieder Richtung Motel aufgemacht und es war genau die richtige Zeit. Berufsverkehr und jede Menge Zeit, um aus dem Fenster zu sehen.
In weiser Voraussicht habe ich das autointerne Navi programmiert. Margret war zwischen den ganzen Glas- und Stahlkasten überfordert. Ständig verlor sie das Signal und hat mich irgendwo abbiegen lassen, weil sie meinte…
18 Uhr war ich wieder in meinem Zimmer, daß noch genauso alt roch, wie gestern und war froh, Toronto besucht zu haben. Kein Rollercoaster der Welt konnte es mit diesem Trip aufnehmen. Der Wahnsinn.