Dienstag, 9. Mai 2006              



Vor unserem Urlaub hatten wir uns vorgenommen, jeden morgen zeitig aufzustehen, damit wir viel vom Tag haben. Mittlerweile sehen wir es anders. Also eh Hühnchen immer so aus dem Bett kommt... 
In letzter Zeit sind wir nie vor 12 aus dem Motelzimmer raus. Jaaa, ich weiß, schade um jede Minute, aber ich lass die Zeit nicht ungenutzt verstreichen. Schließlich muß ich Reisebericht schreiben. Und das mach ich lieber in Ruhe und lasse Hühnchen weiterschnarchen.

Der Tag sah eine Fahrt zum Oak Creek Canyon und nach Sedona vor. Darauf hatte ich mich schon sehr gefreut, weil ich vor unserer Reise viel darüber gelesen und gesehen hatte. Es sollte eine wunderschöne Gegend aus einer Mischung von roten Felsen und grünen Bäumen sein. Und mitten drin ein kleines Flüßchen. romantisch...



Schnell noch was gefrühstückt und den zur Gewohnheit gewordenen Cappucino getrunken und los gings. Umgerechnet -,81€ kostet hier der Liter Normalbenzin. (3,09$/Gallone) Das hört sich wenig an, aber wenn man 45$ in den Tank bekommt, ist es ganz schön happig.
Unser Weg führte uns dann weiter die alte 89 nach Süden. Immer im Wald lang, vorbei an Felshängen, Tälern, einem kleinen Fluß und dem Oak Creek Canyon. Ich muß sagen, als ich ihn gesehen hatte, war ich etwas enttäuscht. Alles was man sah, war ein großes Tal, welches mit Kiefern, oder wie immer diese Nadelbäume hier heißen, zugewachsen war. Ich weiß nicht, was ich erwartet hatte, aber nicht sowas. Und das rot der Felsen fehlte auch.

Kurz hinter dem Parkplatz standen zig Indianer und haben ihre Sachen und Schmuck verkauft. Schön sah es ja aus, also wer's mag...

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Irgendwann, nach ettlichen Serpentinen, kamen wir in Sedona an. Ich sag nur: Touristenhochburg. Motels, Hotels und ein Souveniershop am anderen. Aber eins muß man den Leuten hier lassen: Stil haben sie. Alle Gebäude waren nicht höher als 2 Stockwerke, wunderschön gestaltet, alles grünte und blüte und es sah einfach toll aus. Viele Häuser waren in diesem rustikalen Stil gebaut bzw. es sollte so aussehen. Klasse. Was mich allerdings abschreckte, waren die gepfefferten Preise. In den meisten Läden waren die Dinge noch nicht einmal ausgezeichnet. Hühnchen hat in einem Schmuckgeschäft nach dem Preis für eine Kette gefragt. Also der Mann sagte, Twothausendandfourhundret Dollar und ich es Hühnchen übersetzt hab, hat sie sooooooo Augen gekriegt. Das Thema Souvenir hatte sich also erledigt.
Wir haben uns wenigstens ein Eis gegönnt. Neben dem Laden haben wir uns auf eine Steinmauer in den Schatten gesetzt und genüßlich dem Treiben zugesehn. Wir sitzen da also, als plötzlich etwas auf meinen Rücken fällt. OK Schulze, ruhig bleiben. Was kann es alles sein? Da sich nichts mehr weiter bewegte, hab ich gedacht, daß mir ein Vogel auf den Rücken gekackt hat. Ich sagte zu Hühnchen: "Hühnchen, kannst du mal bitte nachsehn, was das auf meinem Rücken ist?" Sie sah hin.... bekam große Augen.... stand auf und sagte:
"Oh mein Gott, Sylvi?!!!!"

Aha..

Gut.


In diesem Moment hatte ich quasi mit meinem Leben abgeschlossen. Da Hühnchen sich etwas von mir entfernte, als hätte ich seit 1 min die Pest, mußte ich gezielter vorgehen. Und vor allem: nicht.... be....we...gen...

Also eins stand fest: es war nichts, was ein Vogel im Flug fallen läßt.

Ich mußte etwas deutlicher werden und hab Hühnchen nun eindringlich gebeten, mir zu sagen, was sich da auf meinem Rücken breit gemacht hat, denn langsam wurde es auch mir mulmig.

Als sie sagte, daß da eine Eidechse sitzt, begann ich wieder Pläne für meine Zukunft zu schmieden. 
Ich weiß gar nicht, wieso sie so in Panik geraten war? Es war doch nur ca. 10cm lang und hat es sich zum sonnen auf meinem Rücken bequem gemacht. Sie mußte das Tier also nur runterschlagen.
Aber wenn das mal so einfach wäre. Erstens hatte sich das Tier überlegt, meinen Oberkörper besser kennenzulernen und zweitens hat Hühnchen sich standhaft geweigert, auch nur einen Schritt näher an mich heranzukommen. Wir haben dann einen jungen Mann angesprochen, der das Tier von meinem Rücken holte.

Hühnchens Kommentar:  "Schulze, der Tag ist für mich gelaufen!"

tze... Weiber. 

Wir sind dann noch gemütlich die Straße hoch und runtergeschlendert, haben zig Fotos geschossen und hunderte Schaufenster von außen betrachtet.

  


Was jetzt noch fehlte, war der Fluß, der durch das Tal floß und von dem man aus wunderschöne Fotos mit den roten Felsen im Hintergrund machen konnte. Im VC haben wir uns nach dem Weg erkundigt uns sind dann mit dem Auto hingefahren. Und wie es der Zufall so will, war natürlich ein Bus mit asiatischen Touristen nicht weit. Das Fotomotiv war mom. derart entstellt, weil sich die gesamte Busbesatzung überlegt hatte, sich die Füße im Fluß zu kühlen, daß wir erst einmal ein Stückchen am Fluß entlang gelaufen sind.
Viel gab es allerdings nicht zu sehn. Man konnte aber baden, wenn man das wollte. Das Wasser hatte genau die richtige Temperatur.
Auf dem Weg zum Auto haben wir noch 5 oder 6 Fotos geschossen und sind dann wieder nach Flagstaff gefahren
.



Langsam machte sich auch der Hunger bemerkbar. Wir beschlossen also heute abend Steak essen zu gehen. So richtig amerikanisch essen. Das sollte doch in Flagstaff kein Problem sein, oder? In einer Stadt, in der 53.000 Einwohner leben, kann ein Steakhouse ja nicht weit sein. Wir haben uns unsere Strickjäckchen angezogen und sind Richtung Stadtmitte marschiert.
Erste links.. nichts. Zweite rechts... wieder nichts. Also Pizza bekommt man an jeder Ecke. Dritte links... Fehlanzeige. Ein Chinese. Wir hatten aber keine Lust auf Glasnudeln, wir wollten echtes amerikanisches Steak. Nach 1 Stunde suchen, haben wir es aufgegeben und sind doch zum Chinamann. Wir sind satt geworden. Das war aber auch alles.

Ich sag ja, wenn ICH schon mal denke, daß irgendetwas kein Problem sein sollte...

Als wir im Motel ankamen, hab ich als allererstes Google befragt, wo man in Flagstaff ein Steak bekommt.
Morgen fahren wir mit dem Auto, denn es wäre noch ein ganzes Stück weiter gewesen. Na wenigstens gibt es hier sowas. Schließlich befinden wir uns in Arizona. Da gehört doch so ein Lokal zum guten Ton, oder?

 

Gefahrene Meilen: 75



Mittwoch, 10. Mai 2006        


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Das gleiche Spiel wie gestern. Ich schreibe morgens am Bericht, solange Hühnchen noch friedlich vor sich hinschlummert, dann trinken wir Cappucino und machen uns fertig für den Tag.
Im Supermarkt nebenan haben wir uns noch Wasser, Donuts und Bananen geleistet und sind dann weitergefahren Richtung Tuzigoot Nat. Monument. Hierbei handelte es sich um eine Ruine, die aus mehreren Räumen und Etagen bestand, in der Indianer gelebt und gearbeitet hatten.





An diesem Ort kamen wir uns vor, wie typische Touristen mit Zeitdruck: Visitorcenter, Pass zeigen, zur Ruine wandern, anschaun, Fotos machen, zurücklaufen und ab ins Auto, um zum 2. Punkt unserer Tagestour zu fahren. Eine Frage blieb aber: Wieso haben sich die Indianer immer die heißesten und trockensten Gegenden ausgesucht, um ihre "Zelte aufzuschlagen"?

  


Unser nächstes Ziel war Jerome. Irgendwo hatte ich gelesen, daß es sich um eine Geiserstadt handelt. Also wenn das ne Geisterstadt war, dann hatte dort jeder Geist grad Ausgang, denn auf den Straßen war verdammt viel los. Sogar Geschäfte und Motels gab es dort. Wir haben nur kurz angehalten um einige Fotos von alten Gerätschaften zu machen und sind dann wieder zurück Richtung A89 gefahren.
Irgendwas sagte mir, daß der Tag heute "übrig" war. Kein Plan von nichts. Auf dem Weg zur I17 kamen wir am Montezuma Castle vorbei. Wenn ich jetzt schreibe, daß wir außer dem Visitorcenter nichts gefunden hatten, dann lachen sich alle, die das hier lesen, tot. Also schreib ich es nicht.  
Wir 2 haben dann festgelegt, daß wir heute zu nichts Lust haben und sind zurück nach Flagstaff gefahren. Auf dieser Interstate war die Höchstgeschwindigkeit 75 Meilen, was 120kmh entspricht. Alle halten sich an diese Geschwindigkeit, weil das Strafmaß in Amerika sehr hoch ist. Ich bin meist 80 Meilen gefahren. Also schon "deutlich" schneller. Jedenfalls tucker ich so durch die Lande, als ich von einem Truck überholt werde. Ich dachte, das darf ja wohl nicht wahr sein. Und er fuhr nicht gerade langsam. Wie schnell fahren Lastwagen auf deutschen Autobahnen? Und vor allem, wie schnell, wenn es berghoch geht? Ich hab mich hinter ihn gehängt und versucht mit ihm mitzuhalten. Der Junge hatte echt Mut.

Im Motel angekommen haben wir uns etwas ausgeruht und haben uns danach auf die Suche nach einem Steakhouse gemacht. Laut Internetrecherche von gestern, befanden sich 2 dieser Lokale auf der Butler Ave.
Es gibt Dinge, die findet man sofort. Auch das erste der beiden Steaklokale. Aber leider überstieg es unsere finanziellen Möglichkeiten. Weiter gings zu Lokal Nr.2. Als wir es gefunden hatte, waren wir richtig stolz auf uns. Man könnte sagen, mitten im nirgendwo. Wir standen genau vor dem Outback Steakhouse. Aber erstaunlicherweise war es proppevoll. Am Empfang bekamen wir dann so eine Art dicke kleine Frisbeescheibe in die Hand gedrückt, die ein verrücktes Licht macht, sobald ein Tisch frei ist. Nach kaum 10 min des Wartens, waren wir auch schon an der Reihe.
Zu unserem Glück bekamen wir eine deutsche Bedienung (Nicole aus Düsseldorf) und eine deutsche Menükarte. Endlich konnte Hühnchen das sagen,was sie wollte und sie wurde auch noch verstanden. Sie war happy
Das Essen, 2x Steak mit einer Ofenkartoffel, war endlecker und richtig zaaaaaart. Ich hab Rind nur als Leder und bissfest in Erinnerung, aber das Essen und das Ambiente waren wirklich erstklassig und man wurde zwischendurch auch immer gefragt, ob alles ok ist oder ob man noch Wünsche hat. Toll.
Kurz vorm schlafen gehn haben wir noch Fotos überspielt, Emails gecheckt und geschrieben und sind danach happy ins Bett gefallen.

 

Gefahrene Meilen: 162


Donnerstag, 11. Mai 2006   


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Heute sollte ein langer Tag werden. Geplant war die Fahrt von Flagstaff über Teile der Route 66 und dann weiter auf der I40 nach Bakersfield. Laut Rechner 774km.

In Williams haben wir schnell noch vollgetankt (3,09$/Gal.), denn wer weiß, wie teuer der Sprit in Kalifornien ist. (Jetzt weiß ich's: ab3,29$ bis 3,59$). Unser erster Zwischenstopp war in Seligman.



Der Ort liegt auf einem noch originalen Teilstück der Route 66. Einige Bewohner versuchen mit aller Kraft den Mytos "Route 66" nicht untergehen zu lassen. Aber alles, was man dort findet, ist ein Lokal und 2 Shops, in dem man alles, was zu dieser Straße gehört, kaufen kann.Da wir heute noch nichts gegessen hatten, haben wir uns wiedermal ein Frühstück bringen lassen. Jeden Morgen nur Supermarktessen ist auch nicht das Wahre. Ich mag diese kleinen, fast schon heruntergekommenen Diner.



Wären wir hier in Deutschland, wäre der Laden sicher schon dicht. Hier interessiert sich anscheinend keiner dafür. Aber das Essen war gut. Und nebenbei sieht man auch noch die typisch amerikanische Bevölkerung auf dem Weg zu..... ja, zu was eigentlich? Sie wissen anscheinend nur bis zum Frühstück, wa sie tun sollen. Und danach?              



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Am schönsten sehen die 2 Shops von außen aus. Ich frag mich, wie oft der Laden schon geknipst wurde..
Am Ende unserer Besichtigungstour habe sich diese 6 Prachtburschen von Harleyfahrer noch von uns fotografieren lassen. Seligman, Route 66 und Harleys: Und das Ambiente war pefekt.

  



Wieder auf der I40 ging es weiter nach Kingmann. Ein großer Ort, bei dem ich am Anfang auch damit gerechnet hab, daß er dem Mythos gerecht wird, aber für mich gabs hier nichts besonderes zu entdecken. Wir haben uns dann gesagt, wenn wir schon im Land der legendären Straße sind, dann fahren wir sie auch lang.
Aber wieso müssen wir uns immer die kompliziertesten und langwierigsten Strecken aussuchen? Auf der Karte war da nichts mit Serpentinen und Einöde. Naja, irgendwann war auch dieses Teilstück, welches durch Oatman führte, geschafft. In Oatman selber sind wir nur durchgefahren, weil sie 2$ fürs Auto abstellen verlangt haben. Die Esel, die über den ganzen Ort "verstreut" waren, haben wir im Fahren geknipst.

Nach 20 Meilen ca. hieß es dann: Willkommen in Kalifornien. Der letzte Bundesstaat auf unserer Reise. Das hatte was von Abschied, obwohl wir noch 9 Tage Zeit hatten, bevor der Flieger geht.

Ab jetzt hieß es: Meilen fressen. Die ganze Zeit nur endlose Wüste, Berge, Wüste und ...... Trucks. Wenn man so eine Reise vorbereitet, dann weiß man, irgendwann kommt man an eine Stelle, die verdammt einsam, trocken und langweilig ist. Und man sagt sich in diesem Moment nur: die Freiheit ruft.

Sitzt man allerdings im Auto und es tun einem die Beine weh und die Klimaanlage ist aus, weil man Sprit sparen will und man hat hunger und hinter jedem Hügel folgen weitere endlose lange Kilometer, dann fragt man sich: Muß das alles sein???


In Barstow haben wir nur kurz nachgetankt, weil unser Ziel ja nur noch 100 Meilen entfernt war. Das Stückchen schaffen wir auch noch.

Endlich: Bakersfield.

Hühnchen bekam schonmal den Auftrag, die 3 Coupons aus dem Heftchen rauszureißen, denn bald.... bald waren wir da. Nach über 900km waren wir endlich am Ziel.

Denkste.

No Vacancy oder verfahren oder über 100$ für die Nacht. Als gar nichts mehr ging, haben wir beschlossen, weiter Richtung Norden zu fahren. In Tulare hatten wir dann Glück. Für 60$ sind wir endlich untergekommen. Das wurde aber auch Zeit. Mittlerweile war es nach 9 uhr abends und unsere Mägen knurrten. Aber Gott sei Dank hatten wir gleich 4 Fresstempel in unmittelbarer Umgebung. Wir also zu Fuß zu Burger King. Open 24 hours. ja ja... das stand dran, aber alle Türen waren verriegelt und verrammelt. Nur Drive Inn? Ok, weiter zu KFC. Open till 10 p.m. Fein. Naja, 2 haben wir noch. Bei MC Donalds dann der Hammer. Auch hier waren die Türen verschlossen. Nur der Drive Inn Schalter war geöffnet. Ok, dachten wir, stellen wir uns hinter das Auto und warten, bis wir dran sind. Aber wenn deutsche schon mal denken. Wie sagte die Lady am Schalter sinngemäß?

"No car, no food!"

bitteeeeeeeeeee ????

Ja, wo sind wir denn hier? Wieso bekommt man nur etwas zu essen, wenn man mit dem Auto vorfährt??? Wir hatten es 100m bis zum Motel. Da fährt man doch nicht mit dem Wagen vor !!!

Wir waren so sauer. Billigfastfoodladen und dann so ne Sch..



Blieb nur das Denny's. Dort gibt es das gleiche Essen wie bei den 3 anderen. Nur 6x so teuer. Unsere Laune war auf dem absoluten Nullpunkt. Aber da wir nichts mehr in der Kühlbox hatten, blieb uns nichts anderes übrig, als in den sauren Apfel zu beißen. Wir haben dann ein Sandwich und nen Burger für 20$ verdrückt. Ist doch verrückt sowas, oder?

Morgen gibts Gott sei Dank wieder etwas interessantes zu sehen.

Schlaft gut.


Gefahrene Meilen: 613



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