Montag, 15. Mai 2006     


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Früh zeitig haben wir uns zwei auf den Weg nach South Lake Tahoe gemacht. Aber nicht wie üblich über die 49 und 88, sondern links rum über den Highway. Hühnchen hatte Bedenken, wegen der Serpentinen und das Zusammenspiel mit ihrem Magen. Aber ich sag mir: lieber 40 Meilen mehr und ne Stunde eher, als später, aber mit einem flauen Gefühl in der Bauchgegend.

Wir waren sogar noch schneller am See, als gedacht. Es waren nur 180 Meilen. Für die Zukunft merken wir uns also: Highway. (Die Offroader und Bergspezialisten mögen uns an dieser Stelle verzeihen)
Je höher wir kamen, umso kälter und schneereicher wurde es. Die Sommerholzhäuschen im Wald waren fast alle noch zugeschneit. Man fragt sich, wann wohl die Bäume wachsen, wenn hier 10 Monate im Jahr die weiße Pracht am Boden liegt. Die Natur ist schon seltsam.



Die ersten Motels auf unserer Reise waren "unser nicht würdig". Entweder sie hatten nur Einbettzimmer, waren Bruchbuden oder sie hatten kein Internet.
Irgendwann fanden wir ein richtig schönes Motel am Südende der Stadt. Die High Country Lodge. Und: Internet.


Heute war es mal Zeit, daß Auto aufzuräumen und alle Sachen zu ordnen. Man glaubt gar nicht, was sich in 3 Wochen so alles ansammelt. Dabei sind die ganzen Nationalparkbroschüren noch das geringste Übel. Wer mal so lange Zeit im Auto unterwegs war, weiß, daß sich alles, aber auch alles immer hinten auf dem Rücksitz wiederfindet. Die fahrende Müllhalde.... oder so. Nach 2 Stunden hatte sich aber auch dieses Problem erledigt.

Jetzt hatten wir hunger.

Zuerst ging es in einen Supermarkt, denn wir brauchten ja nochwas für morgen. Und was essen wir heute abend? Pizza? OK, Pizza. Sind wir nicht an 2 oder 3 Pizzahallen vorbeigekommen?

Die erste war wieder total übrig. Man wird komisch angesehn, wenn man durchdie Tür tritt und keiner sagt, wie es nun weiter geht. Plazieren lassen, selber setzen oder ist das hier ein Selbstbedienungsladen? Hühnchen sagte, nachdem wir saßen: "Wenn ich englisch könnte, würde ich denen hier paar Takte erzählen!"

Nach endlos erscheinenden 5 min des Sitzens und Wartens, sind wir aufgestanden, haben gesehen, daß die Pizzapreise hier bei 14$ beginnen und sind stillschweigend wieder raus aus dem Laden.

Die "Dame" hinter dem Tresen hat die ganze Situation nicht im Geringsten angehoben. Selbst schuld!

In der 2. Pizzeria haben wir uns ersteinmal die Karte zwecks Preisvergleich zeigen lassen. Naja... ging so. Aber das Ambiente war urig, also wurden wir zu unserem Platz geführt. Aua..... harte Sitze.

Ist schon Mist, wenn man nur das Überlebensenglisch kann und einen niemand so recht versteht. Vor allem, wenn man sagt: "One Pizza No.4 for my friend and one Pizza No.13 for me!" Schon kompliziert sowas. Als Hühnchens Pizza und 2 Teller kamen, sagte die Bedienung: "Guten Appetit!" und wollte schon gehen, als ich sagte: "Und was ist mit meiner Pizza?"

Ääähm.... also.... naja... ich meine.... moment. Kommt sofort.

Das Ende vom Lied: Nach dem Vorspeisenselbstbedienungssalat waren wir satt und haben uns unsere restlichen 3/4 Pizzen einpacken lassen. Und das alles für 47$ incl. Tip und Tax. Krass !!

Aber eins muß man denen lassen: alles waren frische Zutaten und die Pizza war das Beste, was ich seit sehr langer Zeit gegessen hatte. (10 Punkte)

Es war noch früh am Abend. Was nun? Noch etwas rumfahren? OKeeeee...


Um den See führt eine wunderschöne Panoramastraße. Ca. 7 Kilometer haben wir geschafft, dann war es zu kalt zum im kurze Hosen und T-Shirt draußen rumrennen und fotografieren. Aber der See ist schon toll. Auch die Lichtverhältnisse am Abend sind einmalig. Morgen machen wir eine längere Knipstour.                     

  

Wenn ich es mir recht überlege, wäre das hier ein Platz, wo man in aller Ruhe wirklich mal ein ode zwei Wochen Urlaub machen könnte.

 


Motel: High Country Lodge, South Lake Tahoe
Gefahrene Meilen: 196

 

Dienstag, 16. Mai 2006         


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Es ist bereits halb 10 und Hühnchen schläft immernoch. Ich fass es nicht. Wo nimmt sie nur diese Ausdauer her?

Weil es hier so schön ist, gibt es zur Feier des Tages deutschen Kaffee mit viel Duft und Aroma. Lecker. Ich frag mich sowieso, wie die Leute hier dieses "Abwaschwasser" auf Dauer trinken können.

So, jetzt gehts nach Nevada. Ob wir heute mit der Mio.nach hause kommen?
Die ersten Kilometern gingen immer entlang des Sees. Jaaa, das war schon eine tolle Aussicht. Leider konnte man nicht überall anhalten und Fotos machen und ich glaube auch, es wäre zu viel des Guten geworden.

Was uns wiedermal auffiel, war, daß sobald wir über die Berge waren, sich die Vegetation änderte. Vor 5 km standen noch Tannen an der Straße und das Schmelzwasser lief die Felsen hinunter und Richtung Nevada.... nur Wüste und nicht ein Bäumchen. Und es war wieder heiß. Was so kleine Berge alles ausmachen.
Auf der Strecke konnten wir auch ein neues Hinweisschild entdecken: Bärenmama mit Bärenjunges. Ich weiß nicht, ob ich mit dieser Tiergattung Bekanntschaft machen wöllte. Du sitzt in deinem kleinen Auto und plötzlich steht die Mama vor einem und atmet schwer....
Carson City ist eine liebenswerte kleine Hauptstadt. Wüßte man nicht, daß dort der Regierungssitz ist, könnte man sie glatt übersehen.
Wir haben uns einen Parkplatz gesucht und sind zu einen kleinen Stadtbummel losgezogen.
 
             


Hühnchen hatte immernoch den Auftrag ihres Schwagers in einem Kasino 25$ in einen Klimperautomaten zu stecken. Hier war die letzte Gelegenheit dafür. Wir also ins Nugget und an der Kasse haben wir uns 25$ auszahlen lassen. Das ganze kostete uns allerdings 6$ Gebühr. Naja... ist ja nicht mein Geld.

Als das erledigt war, haben wir uns einen Automaten gesucht, wo man auf Anhieb verstanden hat, wie es funktionierte. Außerdem sollte es einer mit Ziehhebel sein. Leider war bei unserem Automat der Mindesteinsatz 1$. Aber was solls. Dann waren wir eben schnell fertig.
Soooo... erstmal nen 2. Stuhl besorgen und die Gebrauchsanweisung durchlesen. Eingefleischte Spieler hätten uns wahrscheinlich ausgelacht. Aber wenn man sowas noch nie gemacht hat....
Aha, es gab 4 Tasten: cash out, pay 1 credit, pay 3 credit und einen Taste, die wir nicht benutzt haben. (Okeeee, mir fällt der Name nicht ein, aber ist ja nicht schlimm)
So, als nächstes haben wir eine 5$-Note in den Schlitz geschlitzt und gewartet was passiert. Die Anzeige zeigte 5 Credits an. Und was macht Hühnchen? Drückt die Taste für 3 Credits. Sprich: 1x am Hebel ziehen = 3$.

Wow... so schnell kann man also Geld verlieren. Dachten wir.

Und was macht der Automat? Zeigt an, daß wir gewonnen haben. 17$

Jaaaa, so kanns weitergehen. Wir haben auf die Cash out Taste gedrückt und der Automat spuckte eine Spielquittung aus. Leider hat uns danach das Glück verlassen und die restlichen 20$ gingen quasi innerhalb der kommenden 3 min den Bach runter.

  

Ich frage mich, wieviel Geld man haben muß, wenn man einen ganzen Tag in so einem Kasino zubringen möchte. Oder man versteht die Denkweise der Automaten. Wer weiß das schon?

Unser Stadtrundgang führte uns geradewegs zum Capitol der Stadt. Na, das mußten wir uns ansehen. Wir also rein in die gute Stube und.... wow: Marmorfußboden, blitzeblank und am Tresen 5 Officer, Sherrifs, und sonstige Diener des Staates. An den Wänden hingen Ölgemälde aller bisheriger Gouverneure des Staates Nevada. Irgendwie hatte es was von den "Alten Meistern" in der Gemäldegalerie in Dresden.                

Das Erdgeschoss und die 2. Etage konnte man auf eigene Faust ansehn. Na logisch. Und ab, die Treppen hoch. Einige Türen standen offen, hinter denen Sekräterinnen von bestimmt wichtigen Leuten saßen und so taten, als hätten sie Ahnung. Leider passierte dann etwas, was nicht hätte passieren sollen. Vor dem Büro des Gouvaneurs (Irgendwas sagt mir, daß ich Gouvaneur falsch geschrieben hab) fing unsere Videokamera an zu spinnen. Irgendwas mit "gesicherter Modus" und "Kassette entfernen". Lag es an der Kamera oder hat sich die Regierung des Staates in unsere JVC reingehackt?? Jedenfalls wollte sie nicht mehr. Als wir das Gebäude verlassen hatten, war alles wieder in Ordnung. (Big Brother is watching you?)


Lange hielt das Glück aber nicht an. 3 Straßen weiter hat sie dann endgültig den Geist aufgegeben und sagte nicht einmal mehr piep. Das hatte uns noch gefehlt. Ausgerechnet jetzt, 1 Tag vor San Francisco. Und die Cam war erst vor dem Urlaub gekauft worden. Ich war stinksauer. Hühnchen natürlich auch.
Da der Himmel zuzog haben wir uns auf den Weg zum Auto gemacht. Schnell noch tanken (3,29$) und es ging zurück nach SLT. Unterwegs fing es auch noch an zu regnen und ein mittleres Gewitter "tobte" über uns.



Im Motelzimmer habe ich dann das Akku der Cam gewechselt und sie ans Stromnetz angeschlossen. Denn es hätte ja durchaus sein können, das das Akku leer war. (So schnell?) Leider zeigte sie auch jetzt keinerlei Reaktion. tot.
Also San Francisco ohne Videokamera. Aber da kann man nichts machen. Wenn ich wieder zuhause bin, steig ich einer bekannten Elektronik verkaufenden Firma auf's Dach. Ganze 130 min Film hat sie durchgehalten.
                  


Es regnete und donnerte immernoch und saukalt war es ebenfalls geworden. Wir haben uns dann was zu essen gemacht, bzw. Hühnchen und haben erstmal ne Weile die Füße hochgelegt. Schließlich hatten wir Urlaub. (Kommt dieses Argument nicht immer?)


Später haben wir uns noch einmal ins Auto gesetzt um uns den See anzusehn. Zwei Aussichtspunkte sind wir angefahren, haben zig Fotos geschossen und haben uns dann vom Lake Tahoe verabschiedet. Ich denke, ich komme noch einmal hier her.
Den Abend verbrachten wir mit mails schreiben.

Hühnchen pochte darauf, den nächsten Tag um 6 Uhr zu beginnen. Da sie sonst nie vor 10 Uhr aus dem Bett kam, war es eine wagemutige Entscheidung. Ich hab den Wecker auf 6 Uhr gestellt und wollte mich überraschen lassen, was passiert.


Gefahrene Meilen: 103



Mittwoch, 17. Mai 2006      



Ich hab Recht behalten.  Halb 10 Uhr sind wir endlich weggefahren. Den Zimmerschlüssel hab ich durch den Schlitz an der Officetür geworfen und dann gings los Richtung letztes Ziel:

San Francisco.


So wie es aussah, sollten wir mit dem Wetter mehr als Glück haben, denn der Himmel war strahlend blau.
Hühnchen wollte unbedingt über die Golden Gate in die Stadt fahren, also mußten wir irgendwann die I80 verlassen und Richtung I101 nach Norden abbiegen, die um eine Bay herumführt und dann durch die ganze Stadt verläuft. Und der Himmel ist immernoch blau. Nicht ein Wölkchen.Wow, das werden wunderbare Fotos !!!

Dachten wir.
Auf den letzten 10km vor der Brücke sahen wir alerdings etwas großes auf uns zurollen. Unsere Route führte uns über eine Hügelkette. Und genau da machte eine riesige Wolkenfront halt. Davor: blau, dahinter: Wolken, Nebel, Wolken, Nebel



Die klare Sicht auf die Brücke haben wir in diesem Moment abgehakt. Wenn wir großes Glück hatten, dann sahen wir maximal die Farbahn und das Geländer.


Dann war es soweit. Die letzte Linkskurve und sie tauchte hinter einer Anhöhe auf. Auch wenn wir nur ein Fünftel der Höhe sahen, der Anblick war gigantisch. Wir wären am liebsten angehalten und hätten stundenlang nur geguckt.


Natürlich ging das nicht und so fuhren wir, uns selbstverständlich immer an die Geschwindigkeit haltend, über die Brücke. Ich glaube, wir hatten beide die ganze Zeit nen offenen Mund. Hat sich einer von uns Zweien überhaupt auf den Verkehr konzentriert? Ich glaub, eher nicht. Zum Glück ist die Straße dort 3spurig. Leider dauerte die Überfahrt nicht lange und wir kamen an die Mautstelle, wo man uns 5$ abknöpfte. Übrigens nicht das letzte mal.
(Anm. 2013: Barzahlung ist ab diesem Jahr nicht mehr möglich. Mietwagenfirmen bieten Fasttrak/Toll by plate an oder man zahlt selber im Voraus online per KK)


Ab jetzt hieß es: gucken, fahren, suchen, aufpassen und achten, wo wir landen.

Unser vorgebuchtes Motel war das Travelodge Central auf der Market St. Wir fuhren also immer die 101 lang, die automatisch auf dieser Straße landete. Was uns als erstes auffiel: die Ampeln sind hier kleiner, versteckter und schalten ausgerechnet dann immer auf rot um, wenn man gerade auf die Kreuzung zufährt. Ich war so froh, nicht fahren zu müssen. Für mich ist das nichts. Aber wir haben uns wacker geschlagen und das Motel auf Anhieb gefunden. Auch unsere Reservierung kam an und man wußte, daß ich heute erscheine.

Ein Wermutstropfen war, daß wir pro Tag 10$ fürs parken bezahlen mußten und das Zimmer in der untersten, hintersten Ecke des Motels bekommen haben, was zur Folge hatte, daß wir das Thema Internet auf dem Zimmer abhaken konnten. Wieso immer ausgerechnet wir??

Das Zimmer war entgegen aler Befürchtungen sauber und groß. Leider gab es nur ein (King-)Bett. Egal, hauptsache trocken und warm.

Die erste Aufgabe des Tages war: Auto komplett ausräumen. Wie danach das Zimmer aussah, kann man sich ja vorstellen. Da für uns 2 kein Platz mehr war, sind wir Richtung Stadt losgezogen.Ich wollte mir die Stadt nicht mit dem Auto, sondern zu Fuß und mit öffentlichen Verkehrsmitteln ansehen. Beim Visitorcenter kann man dafür einen 3-Tages-Pass kaufen und kann somit alle Busse und Bahnen der Muni SF nutzen.


Das VC lag leider einige Blocks vom Motel entfernt. Auf dem Weg dorthin haben wir dann schon reichlich Bekanntschaft mit den "Einwohnern" machen können. Irgendwie kam das Gefühl auf, daß ich das falsche Motel in der falschen Gegend ausgesucht hatte. Und wenn ich ehrlich bin: nachts möchte ich hier nicht allein durch die Straßen gehen. (Fast) nur Bettler und Verrückte. Alles crazy people.

Im VC haben wir dann den Minipass und reichlich Informationen geholt, wie und wo man überall mit den Bussen und Bahnen hinkommt. Es war einfacher, als ich annahm. Abfahrtszeiten gibt es hier anscheinend nicht. Einfach ne Haltestelle suchen und warten. Unser Motel lag an der Linie F. Auf dieser Linie fahren alte, auch aus anderen Ländern ausrangierte Straßebahnen. Man fühlt sich in ihnen, wie in den späten 60ern.                   

  

Was bei keiner Reise fehlen darf, ist eine Fahrt mit der Cable Car. Wir hatten es nicht geplant, jetzt schon damit zu fahren, aber wo wir schonmal am Wendepunkt waren, dachten wir: Was wir haben, haben wir. Die Menschenschlange war relativ lang, aber wir hatten schließlich Zeit. Aber es ging ganz fix. Mindestens 3 Bahnen warteten schon darauf, uns mitzunehmen. Schnell noch die obligatorischen Fotos und los gings.                


In der Bahn hatten wir selbstverständlich die schlechtesten Plätze. Wir sahen so gut wie nichts. Auch haben wir jetzt festgestellt, daß wir viel zu wenig anhatten. Es war, wenn man die Temperaturen der letzten Tage mit dieser hier vergleicht, eiskalt. Und der Wind verschlimmerte die Situation auch noch. Na wenn das nicht eine wunderschöne Erkältung gibt. Die Fahrt bis zum Hafen war holprig und ging immer steil hoch und steil wieder runter. Am Ende konnten wir aber nur sagen: OK, das war jetzt die Cable Car. Am Hafen war es noch windiger und kälter. Ich habe vor einiger Zeit mal einen Spruch gelesen in dem es hieß: "Den kältesten Winter erlebte ich im Sommer in San Francisco!" Ich gab ihm ja sooo recht. Wir waren am Pier 39. Was gab es hier zu sehen?


Man konnte einen etwas diesigen Blick auf Alcatraz werfen, wenn man Hunger hatte, konnte man alle Arten von Fisch, Krabben und sonstigem Meeresgetier essen und shoppen für teures Geld konnte man auch. Hey und es war immernoch lausig kalt. Wie manche hier mit kurzem Rock und Sandalen rumlaufen konnten, war uns ein Rätsel. Beim Anblick dieser Gestalten sank unsere Körpertemperatur um weitere 5°C


Ich glaube, wir haben genug gesehn. Ein kurzer Blick auf die Seelöwen und weiter ging es Richtung Linie F. Diese Buslinie brachte uns bis zu unserem Motel zurück, wo wir uns erst einmal kräftig aufwärmten.


Wir hatten noch jede Menge Zeit und so haben wir beschlossen uns noch einmal ins Auto zu setzen und zur Brücke zu fahren. Irgendwie hatten wir uns doch tatsächlich eingebildet, daß sich der Nebel nun verzogen haben mußte.

Bevor wir allerdings an der Brücke ankamen, mußten wir noch einige Hürden nehmen. Ich hatte schon davon gehört, daß jede 2. Straße nur in eine Richtung geht, aber das es SO krass ist...



Wir hatten im Visitor Center einen Stadtplan bekommen, auf dem alles eingezeichnet war. Dachten wir. So führte die Marketstreet in südlicher Richtung vorbei am Twin Peaks und ging dann nach ein paar Meilen direkt zur 1, die nach Norden durch den Park und dann direkt zur Brücke führte. Ein Klacks.

Und wieder hatten wir uns zu früh gefreut. Bis Twin Peaks stimmte die Karte. Und dann ging es irgendwie nicht mehr so weiter, wie eingezeichnet. Wir kamen überall hin, nur nicht auf die 1. Doch.... DA.... ein Schild: HW1 South... next right. South? Ich will nicht nach South, ich will nach North. Ok, das ist bestimmt die nächste Abfahrt.
Weit gefehlt. Dann kam irgendwann die 280 und die 101 Richtung Flughafen. Wie ich jetzt geguckt hab, könnt ihr euch bestimmt vorstellen. Denn laut Karte kamen nach der 1 noch ca. 5 Straßen und dann das Meer. Wo kam jetzt plötzlich der Flughafen her? Der war doch auf der anderen Seite. Wir fuhren seit "Stunden" Richtung West und so, wie hier die Schilder standen, wollten sie uns weismachen, wir fuhren Richtung Ost. Entweder spinnen jetzt die oder ich.
Bevor wir noch in L.A. landen, sagte ich Hühnchen, daß wir die 101 nach Norden nehmen und den Pacific für heute vergessen. Ich bin wütend und möchte zurück ins Motel.
Und dann sah ich in einem 3x3cm großen Kästchen auf der Karte folgenden Satz: "The 4-mile area from Divisadero to the ocean has been greatly compressed from east to west." Was soviel bedeutete wie: "der linke Teil der Karte paßt nicht an den rechten Teil der Karte und viele Straßen haben wir einfach nicht eingemalt, weil man die eh nie braucht. Fahrt zum Pier 39 und nicht nach Süden, ihr dummen Touris!"
Als ich das las, sagte ich mir: was habe ich in meinem Leben nur falsch gemacht? Zwischen der Marketstreet und Twin Peaks gibt es noch zig Straßen, die dich automatisch nach Süden und dann weiter Richtung Osten auf die Highways leiten. Und diesen wesentlichen Teil haben die da einfach weggelassen.
Na gut, fahren wir eben über die 101 so, wie wir in die Stadt gekommen sind. Die Straße führte ebenfalls genau dorthin, wo wir am Ende landen wollten.


Und zu allem Übel kamen auch noch Demonstrationen von Mexikanern dazwischen. Gerade immer dann, wenn wir uns wieder gefunden hatten und wußten, wo wir waren und in welche Straße wir einbiegen mußten.
Langsam ging es in uns drunter und drüber. Und von wegen amerikanische Autofahrer sind tolerant. pah. Immer, wenn wir irgendwas taten, was nicht in ihren Kram paßte: Spurwechsel, zu langsam an der grünen Ampel, links abbiegen, stehen bleiben.... fingen sie wie wild an zu hupen. Ich wußte gar nicht, daß Hühnchen über ein so reichhaltiges Reportoire an Schimpfwörtern verfügt.

Nach gut 2 Stunden waren wir endlich am 1. Aussichtspunkt,um uns die Golden Gate anzusehn. Sie lag, wie konnte es auch anders sein, immernoch im Nebel. Nicht mehr ganz so sehr, wie noch heute mittag, aber trotzdem noch viel zu viel. Auf dem Weg zum 2. Punkt, haben wir uns natürlich verfahren. Nicht schlimm, schließlich waren wir es seit Wochen gewöhnt.
Und wo wir gerade beim Thema sind: in Sachen Ausschilderung müssen die Amis noch einiges von uns lernen. Statt dranzuschreiben: Vista Point bla bla, schreiben sie dran: "Unterführung zu wo auch immer" Ok, das ganze in englisch, aber woher soll man als Außenstehender wissen, wo man landet, wenn alles als selbstverständlich vorausgesetzt wird?
Das gleiche an Kreuzungen: wenn man nicht weiß, daß man auf der 101 fährt und sie nach Süden geht und auf die 280 führt, ist man aufgeschmissen. Hinweisschilder kommen immer erst kurz vor der Angst. Ein weiteres Beispiel ausgezeichneter Ausschilderung sollte uns am nächsten Tag begegnen.
Aber wir sind, was das Auto fahren angeht Profis und ließen uns nicht unterkriegen. Egal, ob hinter, vor und neben uns gehupt wurde, wir fuhren stur unseren Weg, auch wenn er einmal eine Einbahnstraße verkehrt herum geht.
Zurück zum Text: Jetzt hier die Geschichte zu erzählen von der Touristin, die sich strikt weigerte aus dem Bild zu gehen, würde den Rahmen sprengen. Aber um Fotos der Brücke zu schießen, erfordert schon eine Menge Geduld.



Nach ca. 1 Stunde hatten wir alle Bilder im Kasten. Es war schon recht spät geworden und die Temperatur wollte heute auch nicht mehr steigen, also fuhren wir zurück ins Motel. Die 101 führt eine Zeit lang auf der Lombard St. entlang. Wer die Straße kennt, weiß, was es dort für ein Stück gibt, was man unbedingt mal gefahren sein muß. Ich habe auch Hühnchen eingeweiht und ihr gesagt, daß wir einfach mal diese 100 Meter Straße fahren werden. Diese Zickzackstraße. Auf der Karte hatte ich es ihr auch schon gezeigt gehabt. Nunja... aber auf ihre Reaktion war ich dann doch nicht gefasst. Wir stehen also oben und müssen nur noch scharf einlenken und immer schön bremsen, als sie sagt: " Was????? DA RUNTER ??????" Ääähm.... hab ich was verpaßt? Ich hab es ihr doch schon zig mal erklärt. Hmm, naja. Dann war ihre Vorstellungskraft wohl doch nicht ganz so anpassungsfähig.:-D Egal, ob sie wollte oder nicht, sie saß am Steuer und mußte nun da runter. Hach, das war ein Spaß. Es ist zwar keins der Fotos geworden, aber egal. (Es lag bestimmt an ihrem rasanten Fahrstil)



Unten angekommen sagte sie: "Was? Wars das schon??"

Tze..

Was für ein Tag. Hätte ich gewußt, daß wir innerhalb 7 Stunden die ganze Stadt sehen, hätte ich einen Tag noch wo anders eingeplant. Aber kann man das wissen?


Motel: Travelodge San Francisco Central
Gefahrene Meilen: 260



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