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Mittwoch, 3. Mai 2006


Nach dem Frühstück im Motel ging es Richtung Zion NP. Mein persönlicher Favorit, weil er trotz Höhe und Felsen schön grün ist.  Auf dem Weg dorthin machte unser Auto so seltsame Geräusche. Alle paar hundert Meter klang das Auto so, als wenn er voll aufdreht und trotzdem das Benzin alle ist. Denn immer, wenn er so klang, hat er an Zugkraft verloren und hat abgebremst.



Das fing ja gut an. Da aber kein Warnsignal anging, wollten wir die Sache weiter beobachten. Vor dem NP haben wir uns noch ins Days Inn in Hurricane für 37$ eingemietet. Ein neues Motel mit neuer Ausstattung UND kostenlosem Internet. Das Signal ist zwar schwach, aber wenn man den Dreh raus hat, ist alles einfach.



Bis zum Zion waren es noch 30 Meilen. Am Visitorcenter wurden die obligatorischen Postkarten gekauft. Was ich dazu sagen muß: Postkarten bekommt man überal zu -,20ct das Stück. Möchte man aber die passenden Briefmarken dazu, wird es schon schwierig. Die meisten Einrichtungen haben nur Automaten. Das bedeutet: 1,25$ einwerfen und man bekommt 1 (EINE) Marke zu -,75$
Wucher. Also sucht man sich ein Postamt und kauft sie dort zu   -,75$ und zwar
auf Vorrat.



Mit dem Shuttel ging es dann bis zur Zion-Lodge. Von da ab ging ein Trail zu den Emerald-Pools. Ein schöner und moderater Trail mit wunderschönen Aussichten.
Etwas Zeit hatten wir noch, also sind wir noch bis zum Tempel of Sinawava gefahren und am Fluß entlang spaziert. Wären die Touristen nicht, hätte es richtig schön sein können.




Schade, daß es kein Loop war und wir die ganzen Meter wieder zurücklaufen mußten. Ab und an leisteten uns Eichhörnchen, oder wie immer sie da heißen, Gesellschaft. Sind schon putzig, diese Tierchen.



  


Auf dem Rückweg durchs Tal hat uns die Fahrerin des Shuttles auf einem im Fels hängenden Kletterer aufmerksam gemacht. Wenn ich ihren Satz richtig übersetzt hab, dann sagte sie sowas von, er übernachtet im Fels. Kann das sein? Ich meine auch mal so etwas gehört zu haben, daß es Wahnsinnige gibt, die sowas tun.

  


Nach kurzer Weiterfahrt kamen uns Rucksacktouristen entgegen, die schon ziemlich fertig aussahen. Unser Bus hielt an und sammelte die doch schon recht erschöpften Wanderer ein. Die Frau, die als erstes in den Bus stieg, beugte sich zur Fahrerin und gab ihr ein Küßchen auf die Wange. Alle Insassen des Busses konnten sich ein Lächeln nicht verkneifen. Süße Geste.



Alles im Allem ein wunderschöner Park. Es wird sicher nicht das letzte mal gewesen sein, daß ich da war.
Im Hotel haben wir noch mails geschrieben, beantwortet, gelesen und die Erlebnisse aufgeschrieben.



Motel: Days Inn, Hurricane
Gefahrene Meilen: 200



Donnerstag, 4. Mai 2006



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8 Uhr ging der Wecker. Wir wollen heute nochmal zum Zion, allerdings wird es nur eine Durchfahrt. Vor 2 Jahren war ich die Strecke schon einmal gefahren und wußte, daß es ein MUß ist.



1930 wurde der Tunnel durch den Fels fertiggestellt. In meinen Augen eine wahre Meisterleistung. Wo gibt es heute schon Tunnel, aus denen man ab und zu nach draußen in einen Abgrund sehen kann? Faszinierend.







Nach ca. 70 Meilen waren wir an unserem 3. Ziel angekommen:
der Bryce Canyon.
Das Wetter heute war ideal. Nicht zu kalt, nicht zu heiß, blauer Himmel mit einzelnen Wölkchen. Ich sag nur: Hühnchen war vom Anblick begeistert.
 



Wir sind fast jeden Aussichtspunkt angesteuert. Beim Sunsetpoint sind wir den obligatorischen Navajo Loop Trail gegangen. Leider war der Rückweg noch gesperrt, so daß wir nach der Hälfte umdrehen mußten. Für den Sunrise Trail (heißt er so?), der dort abzweigt, fehlte uns allerdings die Zeit und die Kraft.



  


Wieder oben angekommen, waren wir beide fix und alle. Man sollte doch öfter mal Sport machen. Und doch gibt es Menschen, die sich über die Anstrengungen keine Gedanken machen. Wozu was zu trinken mitnehmen? Wir sind doch gleich wieder zurück. Es sind doch nur 1,5 Meilen.... Die werden sich noch wundern.



   

Für den Abend hatte ich geplant im Escalante Outfitters unterzukommen. Leider war die Sache nicht von Erfolg gekrönt. Ganz Escalante war ausgebucht. OK, auf nach Boulder.

  

Boulder? Das Nest hatte das Wort Motel noch nie gehört... Aber einen Diner hatten sie. Da es bereits dunkel wurde, haben wir beschlossen, wenigstens etwas zu essen und weiterzufahren, so weit, wie wir es schaffen. Vielleicht bis Moab? Ob wir nun 22 Uhr oder 1 Uhr nachts irgendwo ankommen: was soll's
(zwischen Boulder und Moab liegen noch Torrey und Hanksville. Beide Orte haben Motels vorzuweisen. Soweit zur perfekten 2006er Planung)



Der Weg durch den Dixie Nat. Forest war sehr beschwerlich. Nicht, weil die Straße so schlecht war, sondern weil sich die... was sind es? Rehe, Rentiere, Hirsche? die Straße zum Übernachten ausgesucht hatten. Kaum gibt man Gas und beschleunigt auf 40 Meilen, muß man wieder in die Eisen steigen, weil ein Rudel die Straße überquert. Ich dachte in diesen Momenten: So kommen wir nie an. Denn schließlich waren es noch ca. 150 Meilen...


 
Gefahrene Meilen am 4. Mai: 488
Motel: noch keins gefunden



Freitag, 5. Mai 2006

 

Mittlerweile ist es 1 Uhr nachts. Wir haben uns trotz Dunkelheit und fremder Gegend sofort gefunden. Moab. Jetzt heißt es Motelzimmer suchen, was nicht das Problem sein sollte, da es hier von Fremdenzimmern nur so wimmelt. Das alles stellte sich als fataler Irrtum heraus. 1000 Motels und immer nur "NO VACANCY" Egal, wo wir angehalten haben, egal, wie groß oder klein das Motel war, alles war ausgebucht. Langsam machte sich Panik breit. Was machen wir, wenn wir kein Zimmer bekommen???? Zurück nach Green River? Da bekamen wir den Tip, es im Archway Inn zu versuchen, welches ganz am Anfang des Ortes steht. Es kam uns vor, als kurvten wir seit Ewigkeiten in diesem "Nest" rum. Aber was soll ich sagen? Wir hatten Glück. Eigentlich wollte ich für 40 oder 50$ unterkommen. Aber da wir anscheinend das vorletzte Zimmer in ganz Moab bekommen hatten, mußten wir stolze 90$ für die Nacht bezahlen. Durch die Weiterfahrt hatten wir einen Tag gewonnen und buchten aus lauter Frust gleich eine 2. Nacht für 99$ noch dazu. Moab war schließlich der Ausgangspunkt für 3 sehenswerte Orte. Aber erst einmal hies es schlafen, schlafen, schlafen.

Bevor ich ins Bett gefallen bin, mußte natürlich noch getestet werden, ob wir Internetempfang haben: ja, hatten wir.

2:30 Uhr Gute Nacht.

10:00 Uhr war ich bereits munter. Hühnchen schlief noch. Gut. Also schnell emails checken, schreiben, lesen und Fotos von gestern aufs Notebook laden.



Irgendwann nachmittags wurde dann auch Hühnchen munter. Schnell nen Kaffee kochen, was essen und los gings Richtung Arches NP, wo am späten Nachmittag eine Überraschung auf sie wartete. Was den Reiseverlauf anging, hat sich Hühnchen komplett auf mich verlassen. Sie weiß sozusagen nicht, wann wir wo sind und was es zu sehn gibt.





Was bedeutet, sie hat noch nie etwas vom Delicate Arch gehört. Gut für mich. Aber erstmal haben wir unsere Kameras eingepackt und sind zum Landscape und zum Double O Arch gelaufen. Ich sag nur: einmalig, wunderbar und das Wetter war spitzenmäßig. OK, es war leicht bewölkt, aber wenn man über Stock und Stein klettert, ist es von Vorteil.





Als wir am Double O ankamen, war ihre Reaktion: "Sylvi, ich will hier nicht mehr weg." Hm... ok, dann laß ich sie hier und geh allein zum Delicate

  

   (Anm.: der Wall Arch stürzte Anfang August 2008 in sich zusammen)   


Neeeeeeiiiiiiiin, natürlich hab ich sie vom Arch wegzerren können und wir sind zurück zum Auto. Unterwegs hab ich festgestellt, daß meine Uhr im Handy noch auf Pacific Time eingestellt war. Sprich: Wir mußten die Füße in die Hand nehmen. Schließlich war es ein einstündiger Aufstieg bis zum Delicate. Ob wir es rechtzeitig schaffen?

Also sputen, Gas geben und wech...



Nächsten Abzweig links rein, Auto parken, Kameras und Stativ geschultert und los. Es ging stets bergan. Immer höher ging es. Auf halber Strecke muß man über ein Felsplateau.
Dort kamen uns die ersten Wanderer schon entgegen. Auch die Sonne stand schon verdächtig tief. Leider konnten wir ab jetzt nur noch schneller keuchen als gehen, was uns aber nicht weiter half. Unsere Gesichter waren vor Anstrengung tiefrot. Aber es nutzte nichts. Ich hatte es ihr versprochen, und wer Hühnchen kennt, der weiß, was passiert, wenn man ein Versprechen, was in diesem Fall eine große Überraschung sein sollte, nicht hält. Oben angekommen dachten wir: jetzt sind wir da.



Fehlanzeige. Hinter jeder Ecke vermuteten wir das Ziel. Immer wieder wurden wir aufs übelste enttäuscht. Wir waren zwischenzeitlich mit unseren Kräften am Ende und sahen auch, daß wir den Sonnenuntergang am Arch förmlich abhaken konnten. Nach ca. 200 letzten anstrengenden Metern war es dann endlich soweit: wir bogen um die letzte Ecke und da stand er...



Sie sagte: "Sylvi.... das ist ja klasse !!!! Wenn du mir das nicht gezeigt hättest, dann hätte ich dich in der Wüste ausgesetzt und dich dort verdursten und verhungern lassen!" Auch wenn die Sonne den Arch nicht mehr anstrahlte, war der Blick überwältigend. Viel Zeit zu verschnaufen hatten wir zwar nicht, weil es schnell dunkel wird aber es wurden trotzdem einige wenige schöne Fotos. (auch Dank Bildbearbeitung)
Der Abstieg war einfacher. Ok, als wir unten ankamen war es stocke duster, aber es war alles kein Problem. Nach uns folgten immer noch Leute, die allerdings mit Taschenlampen ausgestattet waren. Was mir unterwegs aufgefallen war, man hört nichts außer Grillen oder Zirkaden. Kein Wind, kein Wasser, keine Autos oder sonstigen Lärm. Nur unser eigenes Blut in den Adern und die kleinen Tiere der Nacht waren zu hören. Wunderbar.

Im Motel sind wir nur noch schnell unter die Dusche
 gehüppt und wollten emails abholen. Leider sagte sich das Motel: nö, ich hab heute keine Lust euch ein Signal zu schicken. Sowas kann auch deprimierend sein. Vor allem, wenn man den ganzen Tag irgendwo war, wo man auch kein Handynetz hat. Die ein oder andere Meldung von zuhause wäre dann doch schön gewesen. Aber was solls, dann probieren wir es morgen früh nochmal.




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