6. Juni                                                                 26°C 

 

Ich hasse Kopfschmerzen. Es vergehen keine 2 bis 3 Wochen, in denen es mich nicht erwischt und heute war es mal wieder soweit.
Zum Glück mache ich in einem Land Urlaub, in dem es die 100er Packung Ibo’s für nen Appel und nen Ei gibt. Trotzdem macht dann so ein Tag nur halb so viel Spaß, vor allem, wenn es Neuland zu entdecken gibt und das im wahrsten Sinne des Wortes.
Erstens muß ich heute Fähre fahren, also so eine richtig große, zweitens besuche ich Ebey’s Landing, über das ich mich wirklich mal bei google schlau machen sollte und drittens möchte ich nach 2007 mal wieder ein Stückchen Richtung Cascade Mountain fahren und das alleine wird schon anstrengend, weil 100km hin und 100km die gleiche Strecke wieder zurück.
War das jetzt ein Satz auf 5 Zeilen? Wow, das muß mir erstmal einer nachmachen.
Instantkaffee ohne Zucker schmeckt übrigens scheiße. Und wenn es dann noch nur ein dünner Plastikbecher ist, bei dem man Angst haben muß, daß er unter der Hitze zusammenschmilzt, dann frage ich mich, was jetzt genau das Upgrade war.
Wenn ich, bevor etwas neues ansteht, nicht nervös bin und mein Magen mich in Ruhe läßt, dann weiß ich, daß alles easy verlaufen wird. Als ich am Fährterminal ankam und der Dame am Tickethäuschen sagte, was mein Begehr war, meinte sie nur: No reservation? Ok, 14,05$ and Row 6.
Das war alles.
Ich fuhr also auf die Linie 6 und wartete wie die anderen dort auf mein Schiffchen.


Eine halbe Stunde später waren 2 Einweiser da, um alle Wagen geordnet auf die Fähre fahren zu lassen. Auch easy.
Das Besucherdeck hatte ich nach 1 Minute auch gefunden, es konnte also losgehen.



Wir waren mit ungefähr 30kmh unterwegs, aber da oben gab es Wind, als wären wir mit nem Jetski unterwegs. Meine Hoffnung, Wale zu Gesicht zu bekommen, mußte ich allerdings begraben. Außer Möwen gab es keine Tiere weit und breit.
30 Minuten später durften alle wieder von Bord und ich hatte jetzt Zeit, die Halbinsel um Ebey’s Landing zu erkunden und meine erster Eindruck war mehr als positiv. Es war alles sehr aufgeräumt, kaum bewohnt, viel grün, viele Blumen und die Aussicht war auch nicht zu verachten. Von der Fähre aus konnte man 2 Vulkane sehen und insgesamt 4 Nationalparks. Na wenn das nix ist.
Coupeville, das Städtchen mittig der Halbinsel ist übrigens die zweitälteste Stadt in Washington. Also im Grunde so alt, wie das Wohnhaus meiner Eltern. ;)
Zu klein, für einen ausgedehnten Stadtbummel, aber hübsch. Touristisch auf 300m Hauptstraße.




Nach 2 Stunden verließ ich das kleine Eiland Richtung Norden und ab jetzt hieß es nur fahren, fahren, fahren. Wieso? Naja, mir fehlten noch Stempel in meiner Sammlung und Richtung der Cascades gab es davon noch reichlich und ich wußte nicht, ob ich Donnerstag Zeit und Lust dazu hatte. Außerdem soll es da regnen und ich müßte eigentlich Koffer packen.
Am Lake Diablo 100km weiter westlich habe ich mir dann kurz die Beine vertreten und fuhr dann Richtung Motel.


Klingt alles sehr langweilig? Naja, im Grunde gab es auch nicht mehr. Auf dem Rückweg hielt ich noch an einem Pizzarestaurant, in dem man mich aber ignorierte und ich mich nach 15 Minuten auf die Bedienung wartend, wieder hungrig auf den Weg machte. Wer also bei Abbie’s Pizza erwartet, satt zu werden, sollte sich lieber morgens paar Brote mehr schmieren.
Für die nächsten 2 Nächte gibt’s mal wieder ein Super 8 kurz vor Kanada.
Zwischen 2 Tiefkühlfertiggerichten recherchierte ich noch die Fähre nach San Juan Island für morgen und reservierte gleich auch noch die Hin- und die Rückfahrt und war gegen 10 im Bett.
Ja, ich weiß, der Tag war nicht so spannend, aber ich war trotzdem lieber hier, als zuhause im Laden hinter der Kasse.  

 



7.Juni                                                                   20°C  

 

Es gab nur 3 Möglichkeiten, um auf die Insel zu kommen. Halb 9, halb 10 und halb 3 Uhr am Nachmittag. Alles drei‘s nicht so prickelnd, aber ich entschied mich gestern schon für die goldene Mitte. Zurück geht es dann 14 Uhr. Ich hab also dreieinhalb Stunden, um Orcas zu sehen. Oder was man sonst noch so auf den San Juan Inseln macht.
Spätestens 30 Minuten vor Abfahrt soll man an der Fähre sein und eine Stunde brauche ich vom Motel bis nach Anacortes zum Anleger. Ich stellte mir gestern den Wecker also auf 6.30Uhr und war gespannt.

Und weil ich gespannt war, war ich natürlich schon vor dem Wecker wach und kochte erstmal Kaffee. Wobei man das Zeug, was da aus der Maschine getröppelt kam, nicht Kaffee nennen konnte. Selbst als der Becher voll war, konnte man den Boden sehen und das ist eigentlich nur bei Tee der Fall. Ich meine, Amerikaner können ja viel, aber Kaffee definitiv NICHT!

Frühstück fiel aus. Ich hatte noch keinen Hunger. Bzw. es gab nur eine Banane und ein Teilchen. Ich wollte was essen, wenn ich das mit der Fähre anständig hinter mich gebracht hatte.

Apropos hunger. Den hab ich jetzt auch. Eine Banane hab ich noch.
2 Minuten Pause.

Hab grad den Kassenzettel dazu gefunden. Ich bin ja Member bei Safeway und da hab ich glatt mal 40% auf die Bananen gespart. 39ct für 3 Bananen, statt 69ct. Da könnten sie die Dinger auch gleich verschenken…


So, wo war ich?
Ach ja, Fähre.
Man hat keine Wahl, man kommt an ein Kassenhäuschen und wird gefragt, wo man hinmöchte (falls es, wie hier, mehrere Fähren gib) und ob man reserviert hat. Ich hatte alle Daten auf dem Handy, aber die Dame brauchte nur meinen Nachnamen und schickte mich dann Richtung Reihe 1, wo ich noch ca. 30 min mit vielen anderen wartete.
Als die Fähre dann bereit war, brauchte es 2 Einweiser, um alles geregelt ablaufen zu lassen. Der erste, der die Reihen nach und nach anfahren ließ und der zweite, der auf der Fähre den Dirigenten gab. Etwas falsch machen war also ausgeschlossen. Außer, man machte den Dirigenten platt und gibt Gas, statt zu bremsen und möchte schwimmen…


Leider hatte ich wieder das Vergnügen, mir das Besucherdeck mit gefühlt 50 Schulklassen zu teilen. Und natürlich keine Zehntklässler, sondern Kiddis der Grundschule. Der Geräuschpegel war ohrenbetäubend.
Ich wollte ja schon des Öfteren eine Kreuzfahrt machen, aber wenn man dann für mehrere Tage nicht dem Lärm entfliehen kann, dann laß ich es lieber. Ständig latschte mir einer ins Bild oder wenn ich ein Filmchen drehen wollte, daß jemand kreischte und nach Mama schrie. Kein Wunder, daß sich kein Wal zeigte.
Die Fahrt dauerte eine Stunde in etwa und mal abgesehen davon, was auf der Fähre abging, war die Landschaft durchaus nicht unübel. Keine Note 1, aber schon hübsch.
San Juan Island war niedlich. Friday Harbor total touristisch, aber der Rest der Insel wirklich heimelig. Blöd nur, daß 3 Stunden nicht hinten und nicht vorn ausreichten. Kaum war ich vom Boot runter, rann die Zeit nur so durch meine Finger und schon nach Punkt eins auf Margrets Liste, habe ich 3 weitere Punkte gelöscht. Ich hielt zwischendrin nicht einmal an, um die Aussicht zu genießen, oder die Alpacafarmen zu knipsen oder die vielen authentischen Häuschen, die weißen Zäune. Ich war im Stress.


In den beiden Teilen des San Juan NHP sammelte ich nur die Stempel ein, machte ein Foto der „historischen“ Gebäude und saß wieder im Auto. Lediglich am Leuchtturm nahm ich mir 15 Minuten, da es da ausgesprochen fotogen war. Hier soll auch der weltweit beste Platz sein, um von Land aus Wale beobachten zu können. Gesehen habe ich keinen einzigen. Der Grund war vermutlich die Schulklasse, die gerade am Leuchtturm rumtollte.
Sind in Deutschland auch so viele Schulklassen unterwegs? Hier scheinen sie permanent in diesen Bussen unterwegs zu sein. Sightseeing im Dauereinsatz.




Das mit dem Frühstück auf der Insel hab ich übrigens gecancelt. Keine Zeit.
Ich wollte nach der Fähre mir ne Pizza suchen.
30 Minuten vor Abfahrt war ich wieder in Friday Harbor und der Einweiser drückte mir einen Zettel irgendeiner US-Behörde in die Hand, auf dem in etwa stand: das ist eine internationale Fähre und sie werden in Anacortes gefilzt. Wenn sie das nicht möchten, fahren sie nicht mit dieser Fähre.
Witzbolde.
Mit welcher denn sonst???


Die Rückfahrt verbrachte ich meistens drin und ignorierte die Inseln, die an mir vorbeischwebten. Ich war müde. Und hungrig. Und irgendwie enttäuscht. 3 Stunden waren eindeutig zu wenig. Ich werde das Ganze bei Gelegenheit wiederholen und mir dann vielleicht ein Motel auf den Inseln nehmen. Kann ja nicht angehen, daß ich es nicht schaffe, Wale zu Gesicht zu bekommen. Das war jetzt schon mein dritter Anlauf. Irgendwann muß es doch mal klappen.
Bis ich dann endlich von der Fähre und durch „die Einreise“ war, dauerte es gefühlt nochmal eine Stunde. Der Beamte fragte mich nur, ob ich alleine im Auto war und ließ mich „einreisen“. Mein Handy meinte auf der Insel übrigens wirklich, ich wäre in Kanada und schickte mir Willkommens-sms mit den Daten für den Mobilfunk. 


                                                                    Fähreneinweiser


Die nächste Stunde verbrachte ich damit, mir eine Pizza zu suchen, was ich nach dem 5. Versuch mies gelaunt aufgab. Entweder es gab den Laden nicht zu dem mich Margret schickte, oder er sah schmuddelig aus oder es gab keinen Parkplatz oder es war ein Stehcafe.
Abendesse gab es dann bei dennys, direkt neben meinem Motel und es war gar nicht so übel. Nur teuer, denn ich hatte ja heute noch nix.
Das erste und einzige Steak auf meiner Reise und alle Achtung, das konnten sie richtig gut.

4 Stunden vom Fähranleger bis ins Motelzimmer. Blos gut, ich hatte mir sonst nix mehr vorgenommen.
Schon 21 Uhr knipste ich vor Erschöpfung das Licht aus. So eine Reise ist nix für Warmduscher. Die macht einen fertig. Wird Zeit, daß ich wieder hinter die Kasse komme. Relaxen und die Reise verarbeiten. Ich werde Monate brauchen…